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ELFENBEINKÜSTE Ein Erfolgsmodell wird zerstört

aus DER SPIEGEL 50/1999

Militärcoups waren unbekannt, die Wirtschaft wuchs, Oppositionsparteien konnten ihre Ziele vertreten - auf dem Chaoskontinent Afrika galt die Elfenbeinküste als Musterstaat. Doch nun erschüttern Unruhen das frankophone 15-Millionen-Einwohner-Land. Polizisten knüppeln Demonstranten nieder, Gerichte werfen Oppositionspolitiker ins Gefängnis. Grund für die rabiate Wende: Präsident Henri Konan Bédié fürchtet, bei Wahlen im kommenden Jahr die Macht zu verlieren. Seine Regierung ist in einen Korruptionsskandal verwickelt, bei dem etliche Millionen Mark aus einem Topf der Europäischen Union veruntreut wurden. Vor allem aber fürchtet der angeschlagene Bédié einen Herausforderer, der seit kurzem im Volk immer mehr Anklang findet: Alassane Ouattara, der schon einmal, unmittelbar nach der Unabhängigkeit der Elfenbeinküste, Premierminister war und später als stellvertretender Direktor beim Internationalen Währungsfonds in Washington arbeitete. Den beliebten Technokraten hat Bédié jetzt mit einer fadenscheinigen Begründung kaltgestellt: Ouattara könne nicht für das Präsidentenamt kandidieren, weil seine Eltern nicht aus der Elfenbeinküste, sondern aus dem benachbarten Burkina Faso stammten. Beide Staaten waren einst französische Kolonien. Ouattara, der sich gegenwärtig im Ausland aufhält, ist entschlossen, in seine Heimat zurückzukehren. Dort hat die Regierung gerade einen Haftbefehl gegen den Oppositionsführer erlassen.

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