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Briefe

Ein Mantel aus Lügen
aus DER SPIEGEL 18/2004

Ein Mantel aus Lügen

Nr. 17/2004, Titel: Die Falle Irak - Bushs Vietnam

Danke für dieses Titelbild. Eindrucksvoller kann man den Krieg und seine Folgen nicht verdammen. Herr Bush sollte selbst einmal an einer Soldatenbestattung teilnehmen und nicht nur an Siegesfeiern. Aus der Ferne kann man Leid immer sehr schön teilen.

BERLIN ANDREAS TRITTIN

Es lohnt nicht, nach jemandem mit dem Geschichtsbuch zu schlagen, der ganz in der Tradition der Mächtigen der Menschheit handelt. Der Krieg als langer Arm der Politik zur Wahrung geostrategischer Interessen wurde auch diesmal von einem Mantel aus Lügen umgeben. Den Vergleich mit Vietnam lediglich auf der Basis von US-Verlusten finde ich beschämend. Ein Soldat kann seine Waffe niederlegen, aber die Frauen, Kinder und andere unschuldige Opfer hatten kaum eine Wahl.

EGGESIN (MECKL.-VORP.) SILVIO KOPP

Warum können Bush und sein machtgieriges Gefolge nicht einfach zum Besuch eines Militärbegräbnisses gezwungen werden? Wie kommen diese Machthaber dazu, die toten US-Soldaten, die in der Dover Air Force Base ankommen, in den Fernsehnachrichten auszublenden? Ist es nicht schon schlimm genug, dass das amerikanische Volk, das durch den Wahn einer machtgierigen Obrigkeit viel Leid erfährt, auch noch mit diesem Clan auf die gleiche Stufe gestellt wird? Das amerikanische Volk hat wie andere Völker viele Kriegsgegner, sie alle sind in der Mehrheit, wäre es somit nicht doch noch möglich, den aller Welt bekannten Satz »Es ist Krieg, und keiner geht hin« in die Realität umzusetzen?

STUTTGART KARIN DUSSLER

Rund 30 Jahre nach Vietnam führen sich US-Amerikaner wieder arrogant, brutal und dumm in einem Land auf, in dem sie nichts verloren haben. Wen wundert es da, wenn die US-Truppen nicht mit offenen Armen begrüßt, sondern aus dem Hinterhalt angegriffen werden? Mitleid kann man nur mit dem irakischen Volk haben, dem es nach Jahrzehnten der Diktatur wieder nicht vergönnt ist, in Frieden zu leben.

FREIBURG (BAD.-WÜRTT.) BENJAMIN WASCHOW

Die Glaubwürdigkeitslücke und die Hybris der Macht werden dadurch für jedermann besonders offensichtlich, dass (gemäß einem Bericht der BBC) der Schwager, der Saddams Aufenthaltsort verraten hat, trotz ausgelobter Belohnung keinen einzigen Dollar erhalten hat, und das mit der Begründung, er sei eine zwielichtige Person.

MÜNCHEN

DR. BERTRAM STAUDENMAIER

Der SPIEGEL zeigt die Parallelen zwischen dem US-amerikanischen Engagement in Vietnam, den daraus resultierenden Problemen und dem Irak-Krieg gut und deutlich auf. Doch was damals in Vietnam an einer einigen Guerilla-Armee scheiterte, wird heute im Irak an vielen separat operierenden Gruppierungen scheitern, welche meist unterschiedliche ideologische Ansichten vertreten, und an einem Volk, das eine völlig andere Mentalität als die der Vietnamesen vorzuweisen hat und den Kampf gegen die Besatzer noch lange fortführen wird. Eine Befriedung des Irak scheint nach den Erkenntnissen und den Erfahrungen der letzten Wochen unmöglich.

GÖPPINGEN (BAD.-WÜRTT.) CHRISTIAN WEIS

Wie ein Bus(c)h-Krieger agiert der amtierende amerikanische Präsident. Auf dem Schlachtfeld wird Hightech eingesetzt. Hoch entwickelte menschliche Gehirne zur angemessenen Krisenbewältigung hat die Evolution noch nicht hervorgebracht.

GÖTTINGEN ARTUR WEBERMANN

Man darf an die Reden von Frau Merkel und Co. erinnern: Hätte die CDU die Bundestagswahl 2002 gewonnen, wären jetzt vermutlich deutsche Soldaten mittendrin in »Bushs Vietnam«.

HANNOVER MATTHIAS BRODOWY

Das US-amerikanische Volk kann im Herbst einen entscheidenden Beitrag zum Weltfrieden leisten und die völlig überforderte Bush-Administration abwählen. Ohne ein umsichtiges und ausgewogenes Handling des Irak-Krieges und des Palästina-Konflikts kommt der Nahe Osten auf absehbare Zeit nicht zur Ruhe. Die aktuelle US-Regierung hat weder die moralische Integrität noch die Intelligenz in ihren Reihen, eine Eskalation des Konfliktes zwischen dem Westen und der arabischen Welt in einem bisher ungekannten Ausmaß zu vermeiden. Europa wird in Zukunft nicht umhinkommen aufzurüsten, um militärisch von den USA unabhängiger zu werden.

FREIBURG (BAD.-WÜRTT.) DR. JAN BRIX

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