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1000-MARK-SCHEIN Ein Rüchlein Inflation

aus DER SPIEGEL 26/1964

Der letzte deutsche 1000-Mark -Schein überlebte das Tausendjährige Reich um drei Jahre. Am 21. Juni 1948 wurde die Note, damals nicht mehr als 50 »Amis« wert, durch die Währungsreform außer Kurs gesetzt.

Jetzt aber soll der Tausender, als Wohlstandspapier mit einer Kaufkraft von 10 000 Zigaretten, wiederkehren: Die Deutsche Bundesbank will Ende Juli oder Anfang August einen neuen 1000-Mark-Schein herausgeben - als Krönung ihrer ersten Banknoten-Serie, die bisher schon die üblichen Werte von fünf, zehn, 20, 50 und 100 Mark umfaßt. Zur Komplettierung fehlt noch, neben dem Tausender, die ebenfalls geplante 500 Mark-Note*.

Um den Bundesbürgern die Handhabung der neuen Wertpapiere zu erleichtern, wurden die Scheine auf das »Format der Brieftaschen und Geldbörsen« zugeschnitten, zugleich aber in der Größe übersichtlich gestaffelt: Die kleinste Note (fünf Mark) ist 60 mal 120 Millinieter groß, die nächsthöheren Werte sind jeweils um fünf »Millimeter breiter und um zehn Millimeters länger. Damit erreicht der Tausender, von dem die »Süddeutsche Zeitung« schrieb, es »wabere womöglich doch ein Rüchlein von Inflation« um ihn, ein Format von 90 mal 180 Millimeter.

Der Plan für die neue Serie war schon bald nach Umwandlung der »Bank deutscher Länder« in die »Deutsche Bundesbank« (1957) gefaßt worden. In dem Wunsch, »den Noten eine Gefälligkeit zu verleihen, die ihrer weiten Verbreitung entspricht«, schrieben die Frankfurter Bundesbankbeamten einen Wettbewerb aus und luden sechs Graphiker zur Teilnahme ein. Sieger wurde der in Hamburg wohnhafte Schweizer Hermann Eidenbenz, 62, der bereits für die Schweizerische Nationalbank Geldscheine entworfen hat und jetzt für Reemtsma-Zigaretten ("Ernte 23") Reklame zeichnet.

Freilich waren den künstlerischen Bemühungen des Graphikers bereits Grenzen gesetzt, noch ehe er den ersten Strich zeichnete: In den Wettbewerbs-Bedingungen waren Format, Inschriften, Ziffern und die Kopfbildnisse der Vorderseiten festgelegt; dem Noten-Künstler blieben im wesentlichen nur die ornamentale Gestaltung und die Wahl der Rückseitenmotive überlassen.

Die Bundesbank lobte die Entwürfe des Schweizers, verwarf allerdings auch einige Vorschläge - so den, die, Rückseite des 1000-Mark-Scheins mit Albrecht Dürers »Ritter, Tod und Teufel« zu dekorieren. Eidenbenz: »Das hat den Herren nicht gefallen.« Die Herren wählten statt dessen eine Kirche aus: den Dom zu Limburg.

Die Auftraggeber aus Frankfurt hielten auch nicht für ratsam, die noch vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss genehmigten Kopfbilder der Vorderseiten mit erklärenden Unterschriften zu versehen, was durchaus ebenfalls der »weiten Verbreitung« entsprochen hätte.

So blieb der Masse der Geldscheinbenutzer verborgen, was nur Kunstkennern deutbar ist. Die Kopfbildnisse auf den zwischen 1961 und 1963 bereits herausgegebenen Scheinen der Bundesbanknoten-Serie zeigen

- auf dem 5-Mark-Schein: eine »Junge Venezianerin« von Albrecht Dürer (Rückseite: Eichenlaub),

- auf dem 10-Mark-Schein: das »Bildnis eines jungen Mannes« von Albrecht Dürer oder Paulus Neupauer (Rückseite: Bundesmarine-Segelschulschiff »Gorch Fock"),

- auf dem 20-Mark-Schein: das Porträt der Nürnberger Patrizierfrau Elsbeth Tucher von Albrecht Dürer (Rückseite: Geige, Bogen und Klarinette),

- auf dem 50-Mark-Schein: Kopf aus dem Bild »Mann mit Kind« von einem »schwäbischen Meister um 1525« (Rückseite: Holstentor in Lübeck),

- auf dem 100-Mark-Schein: das Porträt des Kosmographen Sebastian Münster von Christoph Amberger (Rückseite Adler).

Auf der Vorderseite des neuen Tausenders wird ein Männerkopf zu sehen sein, der wahrscheinlich den Astronomen Dr. Johannes Schöner darstellt und von Lucas Cranach dem Älteren gemalt wurde. Der 500-Mark-Schein, der Ende des Jahres ausgegeben werden soll, wird mit einem gemalten Männerkopf aus der Hand von Hans »Maler zu Schwaz« geschmückt (Rückseite: Burg Eltz). Sicherungstechnisch haben die beiden größten Banknoten westdeutscher Währung die gleichen Merkmale wie die geringeren Werte: Alle Scheine sind mit mehrstufigen Kopfwasserzeichen und mit einem eingearbeiteten Sicherheitsfaden versehen. Lediglich die Rückseiten des Fünfhunderters und des Tausenders - werden zusätzlich mit Nummern bedruckt; auf ihnen sind das Burg- und das Dombild außerdem erklärend beschriftet.

Der Schweizer Noten-Schöpfer, der die Inschriften »noch nachträglich 'reinklemmen« mußte, ist sich der künstlerischen Gesamtwirkung seines Tausenders nicht sicher. Eidenbenz: »Man weiß nie, was beim Druck herauskommt.«

* Der erste 1000-Reichsmark-Schein wurde 1876 in Umlauf gesetzt. Einen 500-Mark-Schein gab es bisher nur einmal, zur Zeit der Rentenmark (1923).

Kopfbildnisse der ersten Bundesbanknoten-Serie: Köpfe für Kenner

Banknoten-Graphiker Eidenbenz

Reklame für Reemtsma

Eidenbenz-Entwurf für 1000-Mark-Schein: Fäden für Sicherheit

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