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Briefe

Ein weiteres schauriges Kapitel
aus DER SPIEGEL 52/2002

Ein weiteres schauriges Kapitel

Nr. 51/2002, Titel: Hitlers Stalingrad - Vor 60 Jahren: Der Anfang vom Ende des Dritten Reichs

Zu Ihrem ergreifenden Bericht über Stalingrad muss ich mich spontan äußern. Als damals gerade 18-jähriger Landser habe ich die Schrecknisse des Krieges erleiden müssen und kann deshalb mitreden. Nicht Kampfgeist, Mut und Tapferkeit trieben uns an, sondern Angst war es, Angst vor Bespitzelung und Denunziation und damit Angst vor dem sicheren Tod durch die eigenen Landsleute!

DÜSSELDORF HEITER MÜLLER-SCHLÖSSER

Es war nicht »das Stalingrad« des Adolf Hitler oder des sowjetischen Namensgebers, sondern das Stalingrad Hunderttausender Toter, die unter Umständen gestorben sind, für die sich keine Worte finden lassen, die beiderseits von einem Menschen verachtenden Diktator benutzt und geopfert wurden und dennoch versuchten, einen letzten Rest Menschlichkeit in dieser Hölle zu bewahren.

MANNHEIM GEORG TÖLKHAUS

Schade, immer wieder wird mit einer angeblich neuen Betrachtungsweise ein Bericht über diese Mörderbande vorgelegt und sogar ein Titelbild. »Keinesfalls vergessen« ist zwar die Devise, aber als '68er ist mir diese aufdringliche Insistenz über. Lassen Sie mal zur Themenvielfalt eine Umfrage in der Redaktion machen und vor allem mal Erhebungen zum Durchschnittsalter Ihrer Leser durchführen.

KÖLN FRIEDHELM TONK

Als einer von in Ihrem Bericht angesprochenen Jugendlichen, die sich frei von Vorurteilen mit dem Zweiten Weltkrieg zu beschäftigen versuchen, möchte ich dem Autor danken für eine differenzierte Darstellung der damaligen Ereignisse um und in Stalingrad. Diese Stadt darf nicht als Ausrede verwendet werden, frei nach dem Motto: »Wir Deutschen haben auch gelitten.« Stalingrad war nicht mehr und nicht weniger als ein weiteres schauriges Kapitel einer Geschichte, die von allen Nationen - nicht nur der deutschen - geschrieben wurde. Rechtfertigungen sind da genauso unangebracht wie Schuldzuweisungen.

IDAR-OBERSTEIN (RHLD.-PF.) MARKUS LÖV 18 JAHRE

Im September und Oktober 1942 habe ich von Stalino (heute Donezk) mit der Ju 52 Sprit und Bomben ins noch nicht eingeschlossene Stalingrad geflogen. Mitte Oktober zeigten uns befreundete Ju-88-Fernaufklärer (was die nicht durften) bestürzende Bilder vom massierten Aufmarsch der Russen südlich und nördlich von Stalingrad. Es war mein »Damaskus«. In der Nacht zum 20. November mussten wir in Maikop (Kaukasus) unsere Ladung (Pelzmützen) wegen angeordneten Alarmstarts mit Mistgabeln aus der Ju schaufeln. Der Durchbruch der Russen war für uns (Unteroffiziere) - im Gegensatz zum Aufklärungschef Gehlen - keine Überraschung. Wenn es in einem Krieg überhaupt so etwas wie positive Leistungen gibt, dann die, dass jene 24 leicht verwundeten Landser, die wir aus dem Flüchtlingsstrom in unsere Ju 52 einluden, eine wegen Spritmangels erzwungene Notlandung bei einem Schneesturm überlebt haben.

SUNDERN (NRDRH.-WESTF.) KARL WILHELM HOFFMANN

Von Anfang an unterschätzten Hitler und die Wehrmachtsführung den Kampfgeist der »slawischen Untermenschen«. Auch in diesem Sinne führte die ideologische Verblendung in die Katastrophe.

ALZEY (RHLD.-PF.) DR. DIETER HOFFMANN

Eine kleine Ergänzung: Von den fast 250 000 Eingeschlossenen kehrten 5000 in die Heimat zurück (2 Prozent); von den 23 Generälen überlebten 22 und kehrten nach Deutschland zurück (gut 95 Prozent). So viel zur Kameradschaft und militärischen Führerverantwortung einerseits, zum Korpsgeist beiderseits und zur Klassenideologie der Sowjets andererseits: Verrecken fürs Vaterland ist wohl auch eine Klassenfrage.

BREMEN ERNST THIENKEN

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