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Briefe

Eine gewagte Schlussfolgerung
aus DER SPIEGEL 2/2003

Eine gewagte Schlussfolgerung

Nr. 52/2002, Zeitgeist: Die Schaumschlägereien des TV-Philosophen Peter Sloterdijk

Herr Sloterdijk kann durch Tonfall und Habitus den Eindruck erwecken, er hätte eine tolle Philosophie auf Lager, aber er ist nicht gewillt, uns diese mitzuteilen. Seine Rede ist dunkel, die Sprache unverständlich.

KÖLN ROBIN KENIUS

Es verursachte mir starke Blähungen, wenn ich versuchte, gegen alle Vernunft, einen Sinn in Sloterdijks Ausführungen zu suchen. Diese Verstopfung haben nun die Herren Broder und Mohr aufgelöst. Ihr Artikel wirkte wie Rizinusöl gegen meine Sloterdijk-Verstopfung.

OSTERRADE (SCHL.-HOLST.) PETER A. BRUNS

Sloterdijk beschreibt ein gesellschaftlich weit greifendes Ereignis und die Reaktionen. Dies ist keine »philosophische Relativierung« eines Massenmords nur deshalb, weil er auf betrachtende Distanz geht. Eine solch distanzierte Betrachtung mag dem einen oder anderen aufstoßen, jedoch ist die emotionslose Bewertung eines solch schwer wiegenden Ereignisses und seiner Verarbeitungsprozesse umso wichtiger, als - und hier hat Sloterdijk Recht - eben schon genügend (verständlicherweise) »pathetisches Material« produziert wurde und weil hierin wesentliche Antworten für die Zukunft des politischen und gesellschaftlichen Handelns liegen.

BONN HAIO FORLER

Zugegeben: Man kann über Sloterdijk durchaus geteilter Ansicht sein und seine »Schaumwerke« unerträglich finden, aber: Aus seiner Amerika-kritischen Haltung einen potenziellen Frauenhass abzuleiten, scheint mir doch eine sehr gewagte Schlussfolgerung zu sein. Lies nach beim aristotelischen Syllogismus.

WIEN JOSEF PFEIFER

Ihre Redakteure spitzen ihren Bleistift nicht gegen die Mächtigen, sondern kritisieren den Kritiker. Ob man Sloterdijk mit Verleumdung, Schmähung und bewusstem Falschlesen gerecht wird, ist fraglich.

RODGAU (HESSEN) HARALD FAUSKA

Diese Bewertung des selbstgefälligen »Philosophenpopanzes« Sloterdijk war längst überfällig. Er ist das geistige Requisit unserer Schickimicki-Gesellschaft, hohl, egoman und mediensüchtig. Wer so konfus formuliert, sich hinter Fremdwortkaskaden versteckt, kann kein klarer Denker sein. Das eine schließt das andere aus. Herr Sloterdijk gehört zu jenen Pseudophilosophen, die die Philosophie in Verruf bringen. Sein Weltbild sind Wortnebel, dahinter das große Nichts.

KIRCHZARTEN (BAD.-WÜRTT.) ALEXANDER REITER

Was bei Sloterdijk für den Einsteiger häufig Befremden auslöst, ist, dass er die erwarteten Imperative nicht gibt, dass seine Analysen nicht »reicher«, sondern »ärmer« machen. Ähnlich wie bei Niklas Luhmann rührt die Empörung linker Intellektueller einfach daher, dass sie es nicht hinnehmen wollen und können, wie da einer einfach nur betrachtet, »theoria« betreibt. Man sollte nicht glauben, dass Sloterdijk es nicht durchschaut, wenn die Ehrengäste der Salzburger Festspiele aus bloßem Gruppenzwang Beifall zollen. Da diese dies aber auch bei jedem anderen täten, wieso sollte man auf den eigenen Auftritt verzichten?

LENGGRIES (BAYERN) BERNHARD KOCH

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