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Eine neue Variante

aus DER SPIEGEL 42/1972

zur Bereicherung des Programms für Staatsempfänge erfand Ugandas Führer Idi ("Big Daddy") Amin: Zum Abschluß eines Dinners für den in Kampala weilenden Generalsekretär der Organisation für afrikanische Einheit, Nzo Ekangaki, präsentierte der General seinen Gästen unerwartet den -- unter seinem gestürzten Vorgänger Obote tätigen -- ehemaligen Informationsminister Alex Ojera. Der Gefangene, der unter bewaffneter Bewachung entblößt und gefesselt in den Spiegelsaal der ehemaligen kolonialen Gouverneursvilla gebracht wurde (Photo), mußte der Runde erzählen, wie er angeblich kurze Zeit zuvor sich an der -- mißlungenen -- Invasion aus Tansania beteiligte und in Gefangenschaft geriet. Amin zu Ojera: »Ich hätte meinen Truppen befehlen können, dich zu erschießen« Ojera dankte für die Großzügigkeit und entschuldigte seinen Einsatz. Amin: »Danke nicht mir, danke Gott, daß er mir so ein gutes Herz gegeben hat.« Dann befahl der Junta-Führer den Abtransport des Ex-Ministers -- ins nahe Militärgefängnis Makindaye, wo Ojera höchstwahrscheinlich mit rund vier Dutzend prominenten Afrikanern bereits seit Amins Machtübernahme einsitzt.

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