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SILVESTER »Einen anschickern«

Trude Unruh, 74, Gründerin der Seniorenpartei Graue Panther, über Alterssex in der TV-Sendung »Dinner for One«
aus DER SPIEGEL 52/1999

SPIEGEL: Frau Unruh, sehen Sie an Silvester die Sendung »Dinner for One«?

Unruh: Nicht nur das, wir spielen das Stück auf der Graue-Panther-Showbühne in unserer Wuppertaler Wohngemeinschaft regelmäßig nach. Dieses Jahr gibt es eine Millenniumsfeier. Sie glauben nicht, was das für einen Spaß bringt.

SPIEGEL: Vor allem am Schluss, wenn James die alte Dame in die Schlafräume geleitet mit der Frage: »By the way, the same procedure as last year, Miss Sophie?«

Unruh: Entschuldigen Sie mal, auch alte Menschen haben Lust auf Sex. Da ist »Dinner for One« insbesondere für die jüngere Generation geradezu vorbildlich. Es zeigt, wie mit Format, Eleganz und Würde dieses Tabuthema der Gesellschaft angesprochen wird.

SPIEGEL: Mit 90 noch ein wilder Feger?

Unruh: Na und, was machen Sie denn nach so einem guten Essen? Das ist doch völlig in Ordnung, es kann ja auch bei einem wachsenden Anteil von Senioren und Seniorinnen an der Gesamtbevölkerung keine Sexverbote geben. Es langt uns schon, wenn der Bundesverkehrsminister alten Menschen das Autofahren verbieten möchte.

SPIEGEL: Und Sie übernehmen die Rolle der Miss Sophie?

Unruh: Nein, so begabt bin ich nicht, die überlasse ich meiner Pressesprecherin. Besetzungsprobleme haben wir dieses Jahr noch mit James.

SPIEGEL: Und wo kommt der präparierte Tiger her?

Unruh: Den haben wir früher aus dem Theaterfundus geliehen, jetzt benutzen wir einen zusammengerollten Teppich. Hauptsache ist doch, dass die Richtung des Stückes stimmt: sich einen anschickern zum Jahresende und Freude haben - so soll das sein. Panter sind in freier Wildbahn ja auch bis in hohe Alter sexuell aktiv.

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