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Sekten »Einen Gang zurückschalten«

aus DER SPIEGEL 48/1996

Ralf Bernd Abel, von der CDU bestellter Gutachter in der Bonner Enquete-Kommission »Sogenannte Sekten und Psychogruppen«, zum rot-grünen Streit über den Umgang mit Scientology

SPIEGEL: SPD und Grüne leisten sich in der Sekten-Kommission einen Kleinkrieg um den Umgang mit Scientology. Droht die Kommission zu platzen?

Abel: Warum sollte sie? Was in der Kommission passiert, spiegelt nur den Streit in der Gesellschaft wider: Wie soll eine Demokratie mit totalitären Ideologien wie Scientology umgehen, die nach Macht streben?

SPIEGEL: Die Hamburger Scientology-Beauftragte Ursula Caberta hat der grünen Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer unterstellt, sie trage womöglich arglos Informationen aus der Kommission an Scientology weiter.

Abel: So konkret ist dieser Vorwurf nicht gefallen. Natürlich muß jedes Mitglied der Kommission überlegen, was aus diesem Kreis nach außen dringen und wem solches Wissen nützen könnte. Wir haben keine Geheimnisse, aber man muß intern auch mal laut nachdenken dürfen.

SPIEGEL: Frau Vollmer, die sich für den Scientology-nahen Künstler Gottfried Helnwein einsetzt, hat behauptet, manche »Sektenjäger« würden den Sektenanhängern immer ähnlicher.

Abel: Solche Stellungnahmen, zumal von hochrangigen Politikern, können leicht aus ihrem Kontext gelöst und falsch verstanden werden. Frau Vollmer hat selbst eingestanden, daß sie von Scientology bisher noch zuwenig wisse. Vielleicht sollte man bei solchen öffentlichen Äußerungen lieber einen Gang zurückschalten.

SPIEGEL: Die Grünen fordern, die Scientology-Expertin Caberta aus der Kommission auszuschließen, die Sozialdemokraten machen Front gegen den vermeintlich zu unkritischen Grünen-Gutachter. Bleiben die Politiker am Ende unter sich?

Abel: Für einen Rauswurf von Gutachtern gibt es keinerlei Anlaß. Organisationen wie Scientology und andere versuchen schon jetzt, bei Politikern Stimmung zu machen. Die Arbeit der Kommission muß um so sachlicher sein. Es geht um Feststellungen und Fakten. Die Politiker sollen sich anschließend damit auseinandersetzen.

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