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Briefe

Einfach genial
aus DER SPIEGEL 52/1999

Einfach genial

Nr. 50/1999, Titel: Das Gehirn des Jahrhunderts - Wie Albert Einstein aus Gedanken ein Universum schuf

»Die Unterscheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist nur eine Täuschung, wenn auch eine hartnäckige.« Diese Quintessenz von Einsteins Theorie hat nicht nur ein neues Universum geschaffen, sondern das alte insoweit bestätigt, als demnach nur der Gegenwart wesentliche Bedeutung beizumessen ist: Vergangenheit und Zukunft sind Begriffe, Instrumente, Abstrakta, deren sich das unteilbare Selbst, die Seele, zur Daseinsbewältigung bedient.

WOLFENBÜTTEL HERMANN HÖLTJE

Eine Idee ist genial, wenn sie nur einfach, gegen den mehrheitlichen Wissensstand und vor allem richtig ist. Die Gleichsetzung von schwerer und träger Masse war eine solche Idee und ermöglichte die Verlagerung des gedanklichen Labors weg von der Erde in ein beschleunigtes Raumschiff. Die auf diese Art gewonnenen spekulativen Erkenntnisse wurden 1919 durch exakte Messungen bestätigt und veränderten ein Weltbild - so einfach ist das, und das ist eben genial!

ESCHWEGE AXEL JUNGEBLODT

Was hat mich dieser Beitrag gelehrt? Vielleicht das: Physik ist ein schwieriges Metier. Darüber zu schreiben ist offenbar noch schwieriger. Das findet wohl auch Ihr Autor: »Das Liebesleben des Physikers gibt nicht viel zur Lösung des Einstein-Rätsels her.« - Ach was.

KÖLN ISABELLA STOCK

Mit großem Interesse hab ich den Beitrag von Herrn Neffe über Albert Einstein gelesen und viele mir bisher unbekannte Details aus seinem Leben erfahren. Besonders interessant war, dass es Herrn Neffe gelungen ist, die theoretischen Leistungen von Albert Einstein in so anschaulichen Worten vorzustellen, dass auch ein Nicht-Physiker etwas verstehen kann.

LEETZA (SACHSEN-ANHALT) BRUNHILD KRÜGER

Ihr Artikel wirft die berechtigte Frage auf, was Einstein heute vom »Klonen« halten würde. Aber das ist eine Frage, über die viel spekuliert werden kann, ohne jemals eine Antwort zu bekommen. Wie er sein Privatleben geführt hat, wird jedoch mit Recht zur Nebensache im Vergleich zu seinen hervorragenden Leistungen.

WEDEL (SCHLESW.-HOLST.) BORIS KANDZIERSKI

Das »Gehirn des Jahrhunderts« hat sich sein Leben lang nicht nur mit naturwissenschaftlichen Fragen befasst, sondern auch mit gesellschaftswissenschaftlichen. Es ging ihm um die Frage »Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien?«, die er 1932 an Sigmund Freud richtete. Dieser schlug vor, die natürliche Empörung der Menschen quer durch alle Nationen gegen den Krieg zu nutzen, und war verwundert, warum es noch keine »allgemeine menschliche Übereinkunft« gibt, mit der das Kriegführen verworfen wird. »Ich bin überzeugt«, schrieb Einstein 1950 angesichts des nuklearen Rüstens verbittert, »die verantwortlichen Machthaber müssten ihre verhängnisvolle Haltung ändern, wenn Meinung und Wille der Mehrheit der Menschen wirksam zum Ausdruck gebracht werden könnten.« Dies gilt sicherlich auch noch im 21. Jahrhundert und mag als Vermächtnis und Aufgabe gelten, um den Gefahren verselbständigter Systeme begegnen zu können.

BERLIN ULF WOLTER

Ein würdigeres Denkmal, als die Stationen seiner Karriere und seines bewegten Lebens in einem sorgfältig recherchierten Rückblick aufzuzeigen, konnten Sie Albert Einstein nicht setzen.

FLENSBURG LUKAS J. KUZAK

Wer hat das in der Theorie der Allgemeinen Relativität formulierte Wesen der gekrümmten Raum-Zeit als vierdimensionalem Gebilde bis heute denn wirklich verstanden? Um zu Ergebnissen zu gelangen, die den normalen Menschenverstand oftmals in Grenzbereiche führen, entwarf Einstein immer wieder die von ihm geprägten »Gedankenexperimente« (zum Beispiel Zwillingsparadoxon). Hier blitzt und funkelt sein ganzer Einfallsreichtum. Mit diesen Experimenten hat er die Vordenker der Quantenmechanik wie etwa Niels Bohr immer wieder in arge Bedrängnis gebracht; gleichwohl konnten sich diese durch geschickte Interpretation stets aus Einsteins argumentativen Fängen befreien. Dadurch trug Einstein maßgeblich zum Siegeszug der Quantenmechanik bei, wenn auch unfreiwillig. Es gibt Strömungen, eine die Wirklichkeit erklärende Theorie in Einsteins Sinn zu erschaffen. Gleichzeitig wird versucht, die (mathematische) Unvereinbarkeit der Allgemeinen Relativitätstheorie mit der Quantenmechanik zu überwinden. Ob es aber eine grundlegende, eigenständig existierende Realität gibt - ohne deren Beobachtung -, ist letztendlich bis heute unklar.

MÜNCHEN DR. ALEXANDER SUYTER

Vielleicht wäre der 125. Geburtstag von Einstein im Jahre 2004 für die Bundesrepublik der Anlass, Einstein endlich angemessen zu ehren.

KASSEL PROF. DR. RICHARD VAHRENKAMP

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