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Briefe

Einfach nervtötende Kritik
aus DER SPIEGEL 5/1995

Einfach nervtötende Kritik

(Nr. 3/1995, Singapur: Erich Wiedemann über Moral und Demokratie im südostasiatischen Musterstaat)

Wir waren erst kürzlich für ein paar Tage in Singapur und haben uns sehr wohl gefühlt. Keine Spur von Polizeistaat, lediglich beim Ausfüllen der Einreisekarte, auf der man im Falle des Mitführens von Drogen sein Todesurteil unterschreibt, kam ein leichtes Unbehagen auf. Dafür keine Hundescheiße auf den Trottoirs, kein Sprayer-Vandalismus, keine Drogenszene, keine Angst vor Überfällen, vorbildlich saubere und billige Verkehrsmittel und kein Ladenschlußgesetz. *UNTERSCHRIFT: Berlin HANS-JOACHIM und BARBARA JUNGE

Kritik und das Fehlen von Menschenrechten an dem Beispiel des 18jährigen Amerikaners festzumachen ist einfach nervtötend. Ich halte einen 18jährigen für durchaus in der Lage zu wissen, was Recht und Unrecht ist. Ich kann nicht in Singapur leben und behaupten, ich hätte noch nicht mitbekommen, welche Strafen auf gewissen Dingen lasten. *UNTERSCHRIFT: Paderborn IRINA BUSCHMANN

Sie haben zwar einige der »lustigeren« Widersprüche dieser geldspuckenden Retortenrepublik herausgearbeitet, die wirklich verheerenden Praktiken des Regimes jedoch nicht alle genannt: den berühmten »Internal Security Act«, der es den Staatssicherheitsorganen erlaubt, ohne Gerichtsbeschluß zu verhaften und zeitlich unbeschränkt einzusperren; die materielle Vernichtung von (einer der wenigen) Oppositionsabgeordneten oder die von der Regierung inszenierten Schauwahlen. *UNTERSCHRIFT: Singapur HANS DIESEL *BEILAGE: Die Gesamtauflage dieser SPIEGEL-Ausgabe enthält eine Beilage der Deutschen Post AG, Bonn.

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