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Briefe

EINTOPF
aus DER SPIEGEL 19/1961

EINTOPF

»Nieten-Brenner« - unter dieser Überschrift befaßte sich der SPIEGEL mit der Enthebung Kuno Brandels von seinen Ämtern als Pressechef der IG Metall und als Chefredakteur der Zeitungen, die die IG Metall für ihre Mitglieder herausgibt. Ich weiß nicht, ob man der jungem deutschen Demokratie einen Gefallen tut, wenn man den Vorsitzenden einer demokratischen Gewerkschaft mit einer so zwielichtigen Formulierung anspricht.

Ich bin überzeugt, daß der SPIEGEL genau orientiert ist über die Auseinandersetzungen, die seit Jahren zwischen dem Gesamtvorstand der IG Metall und Kuno Brandet stattfanden. Diese Meinungsverschiedenheiten hatten ihre Ursache nicht in unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Auffassungen, sondern in dem Tatbestand, daß Kuno Brandel als Sprecher der IG Metall und Verantwortlicher des Pressewesens immer wieder etwas anderes verkündete als die IG Metall eigentlich verkündet haben wollte. Kein Mensch kann von der IG Metall verlangen, ihren Gegnern die Möglichkeit zu geben, mit Hohn darauf hinzuweisen, daß bei ihr die rechte Hand nicht wisse was die linke tut.

Freiburg (Breisgau)

KURT HIRSCHMANN

Sie brachten einen Bericht über die: IG Metall den ich im Hinblick auf die darin enthaltenen Informationen, als das Kläglichste bezeichnen muß, was bisher in Ihrer Zeitschrift über uns geschrieben wurde. Ich fürchte, daß dadurch auch noch Ihr Ruf als gut informierte Zeitschrift Schaden erleiden muß Wahrscheinlich verlassen Sie sich wieder einmal darauf, daß der Leser Ihre Angaben meist nicht nachprüfen kann und man es also mit der Wahrheit einer »guten Sache« zuliebe, versteht sich - nicht so streng zu nehmen braucht. Die unmittelbar Betroffenen jedoch Wissen inzwischen, daß Objektivitat vom SPIEGEL zuviel verlangt ist. Wenigstens einen, Punkt, auf dem Sie herumreiten, möchte ich jedoch richtigstellen, auf die Gefahr hin, daß manche Leser Zweifel an der Unfehlbarkeit des

SPIEGEL befallen könnten. Sie betonen am Anfang wie am Schluß, daß gerade ich vor den Gremien unserer Organisation den Ausschluß Kuno Brandels verlangt hätte. Mit dieser Mutmaßung haben Sie völlig danebengegriffen. Seien Sie versichert, es ist nichts daran. Die Mitglieder unseres Vorstands und Beirats haben mir sogar wiederholt unaufgefordert bescheinigt, daß ich mein Möglichstes getan hätte, um in dieser Sache zu vermitteln. Der Vorschlag, Brandel nur seinen Geschäftsbereich zu entziehen, war das Ergebnis dieser Vermittlung und ist dann auch zum Beschluß erhoben worden.

Ich muß allerdings bekennen, daß ich diesen Vorschlag nicht dem SPIEGEL zuliebe unterstützt habe, sondern aus anderen Gründen. Immerhin können Sie daraus ersehen, daß auch die nach Ihrer Darstellung bei »vielen Funktionären« angeblich vorhandene Meinung, Brandel könne mich eines Tages vom Vorstandssitz verdrängen, bei meinem Verhalten keine Rolle gespielt hat - aus dem einfachen Grunde, weil diese »vielen« mitsamt ihrer Meinung ebenfalls nur in Ihrer journalistischen Phantasie existieren. Es ist wirklich ein »Zauberspiegel« (Marke »Fauler Zauber"), in den man da blickt!

Frankfurt

OTTO BRENNER

Es kann im Vorstand einer Einheitsgewerkschaft keine Diskussion über die Angleichung eines Gewerkschaftsprogramms an andere bestehende oder auch neue Programme geführt werden. Wie das Ausscheren eines Ministers aus den Beschlüssen seines Kabinetts nicht nur politische Folgen, sondern für ihn selbst auch persönliche Folgen haben wird, genauso ist es einem Gewerkschaftsvorstand nicht möglich, eigene Mehrheitsbeschlüsse durch ein Vorstandsmitglied ignorieren zu lassen.

Krefeld

KARLHEINZ GUTZMANN

Ich glaube nicht, daß der IG-Metall-Vorstand in der Sache Brandel anders handeln konnte, als den ehemaligen Chefredakteur von seinem Posten zu weisen. Gewiß ist es das gute Recht Brandels, Gedanken und Ideen der Art zu haben, wie sie in seinen Briefen an den Vorstand zum Ausdruck kamen. Als ehrlicher und couragierter Arbeitervertreter hätte er diese Gedanken jedoch auf dem Gewerkschaftstag vertreten und dafür werben müssen. Dort in Berlin war er jedoch still und mimte Zustimmung zu Ansichten und Beschlüssen, die - wie sich jetzt zeigt - seinen eigenen Bestrebungen entgegenstanden.

Konstanz

ERWIN REISACHER

Armer Kuno! Widerfuhr ihm doch das Mißgeschick, wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten seines Postens als Chefredakteur verlustig zu gehen. Natürlich gibt es dies bei der sogenannten freien, bürgerlichen Presse nicht. Dort kann ein Chefredakteur in wichtigen politischen Fragen völlig anderer Meinung als ein Verleger oder der Herausgeber sein und sie auch in dem von ihm redigierten Blatt vertreten. So würde es ganz sicher auch dem Verantwortlichen des »Industriekurier« einfallen, die Stellungnahme des BDI ständig abzuschwächen oder ins Gegenteil zu verkehren, und die Industrie würde Beifall spenden.

O gesegnetes Land eines freiheitlichen Journalismus, der nur seinem Gewissen und sonst niemandem verantwortlich ist. Bloß die böse IG Metall knechtet und knebelt die Meinungsfreiheit ...

Stuttgart

HELMUT CHRIST

Wahrlich ein prächtiges SPIEGEL-Bild, gezeichnet von einem Autor, der von gewerkschaftlichen Dingen, von der deutschen Arbeiterbewegung nicht den blassesten Dunst hat. Aufgehängt an knalligen Schlagworten zur Erbauung und zum Troste jener kapitalistischen Ellenbogenathleten, denen die IG Metall und ihr Vorsitzender schon lange ein schmerzlicher Pfahl im fetten Konjunkturfleisch ist. Es ist ein Glück für die deutschen Metallarbeiter, für den DGB schlechthin, daß es noch Männer wie Brenner gibt, die sich durch die Phraseologie großbürgerlich-klerikaler Unternehmerkreise und ihrer Vasallen nicht das Hirn vernebeln lassen.

Hagen (Westfalen)

JOHANNES RAEDER

Brenner

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