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INDIEN / JOGIS Eintrittspreis zurück

aus DER SPIEGEL 28/1966

In einem russischen Film spielte er den Rasputin, in Hollywood diente er den Stars als Leib-Jogi; sogar Josef Stalin will er in die Geheimnisse indischer Meditations-Gymnastik eingeweiht haben.

Mitte Juni organisierte Laxman Sandra Rao, 77, der berühmteste unter Indiens Fakiren, Mystikern und Jogis, ein Spektakel, das seinen Ruf um die ganze Welt tragen sollte: Er werde, so verkündete Rao, über das Wasser schreiten wie Christus auf dem See Genezareth.

Im Joga-Land Indien faszinierte Raos Wunder-Verheißung selbst die aufgeklärte Staats-Prominenz. Präsident Sarwapalli Radhakrischnan wünschte ihm persönlich »viel Erfolg für Ihre Anstrengungen«. Nehru-Tochter und Premier Indira Gandhi und Innenminister Gulzarilal Nanda baten Fakir Laxman zur Audienz.

Am 12. Juni zahlten tausend prominente Besucher zwischen 100 und 400 Mark Eintrittsgeld für Raos Auftritt in einem Dorf nahe Bombay.

Rund um ein behördlich überprüftes Spezialbecken drängten sich ausländische Fernsehteams, ein halbes Hundert Presseleute, Filmstars, Parapsychologen und der Parlamentspräsident des Staates Maharaschtra:

Wunderjogi Rao bereitete sich mit Meditationen auf seine Wasserwanderung vor. Dann schluckte er rostige Nägel, trank dazu ein Glas Salpetersäure und schritt schließlich über glühende Holzkohlen zum Bassin. Eine Viertelstunde lang verharrte er in tiefer Selbstversenkung am Beckenrand. Dann tat er seinen ersten Schritt - und plumpste ins Wasser.

Mühsam, arbeitete sich der gefallene Fakir an den Beckenrand. »Wegen eines Unfalls«, prustete er, »konnte ich mich nicht genug mit Luft aufblasen.« Er versprach, das Experiment demnächst zu wiederholen.

Doch die Wundergläubigen wollten darauf nicht warten. Sie drohten dem verhinderten Heiligen Prügel an. Raos Rettung: Er zahlte den Eintrittspreis zurück.

Fakir Rao: Vor dem Schritt aufs Wasser ein Mahl aus Nägeln und Salpetersäure

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