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Ausstellung Eiserne Nabelschnur

aus DER SPIEGEL 31/1994

In jedem Spielzeug verbirgt sich ein Kunststück, so sicher wie in jedem Mann ein Kind. Wie ließe sich diese These besser beweisen als mit Hilfe der Eisenbahn: »Züge, Züge - die Eisenbahn in der zeitgenössischen Kunst« heißt eine Ausstellung, die noch bis zum 4. September in Esslingen und Göppingen zu sehen ist und sich vor allem an Kunstliebhaber wendet. Der Maler Wolf Vostell läßt eine Dampflok im meerblauen Untergrund Kopfstand machen; Nagel-Spezialist Günther Uecker inspirierte eine Zugreise durch Sibirien und die Mongolei zu roten und gelben Aquarell-Farblandschaften; und der Holländer Teun Hocks überspringt in seinem Bild auf verwirrende Weise die Grenze zwischen Wirklichkeit und Miniatur. Um deutlich zu machen, daß es hier um Kultur und nicht einfach um Vergnügen geht, philosophiert das von September an auch im Handel erhältliche Ausstellungsbuch von der Eisenbahn als eiserner »terrestrischer Nabelschnur, die ihre rasante Transportfähigkeit immer noch an die Bodenständigkeit unseres Erdendaseins zurückbinden kann«.

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