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El Salvador: Fragwürdiger Friede

aus DER SPIEGEL 2/1992

Die Unterschrift unter die vorläufige Friedensvereinbarung zwischen der salvadorianischen Regierung und der Guerillaorganisation FMLN hat Präsident Alfredo Cristiani mit Teilen seiner eigenen rechten Arena-Partei und den Militärs, den eigentlichen Machthabern im Lande, entzweit. Der Staatschef hatte dem Abkommen von New York nur zugestimmt, weil die USA gedroht hatten, künftig die Militärhilfe zu streichen und Wiederaufbauhilfe für das nach zwölf Jahren Bürgerkrieg zerstörte Land zu verweigern. Nun sollen die Streitkräfte von Soldaten gesäubert werden, die an Menschenrechtsvergehen beteiligt waren. Darunter sind auch die Offiziere Orlando Zepeda, Elena Fuentes und Inocente Montano, die laut Untersuchungen einer US-Kommission im November 1989 für die Ermordung von sechs Jesuitenpriestern in San Salvador mitverantwortlich waren. Ausgerechnet Verteidigungsminister Emilio Ponce, der im Verdacht steht, damals als Stabschef den Befehl für das Massaker an den Geistlichen gegeben zu haben, soll die Säuberung durchsetzen. Doch die Offizierskaste will die verabredeten »freiwilligen Versetzungen in den vorzeitigen Ruhestand« nicht hinnehmen. Schon demonstrierten die rechten Kräfte im Land, wie wenig sie gesonnen sind, die Vereinbarungen einzuhalten: Minuten nach der Vertragsunterzeichnung ging im Wagen eines ausländischen Journalisten eine Bombe hoch, Soldaten drangen in Wohnungen von Journalisten ein und durchsuchten Häuser von Gewerkschaftern.

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