Jede zweite Kommune ohne Station Jede zweite Kommune in Deutschland hat noch keine Ladestation für E-Autos

Deutschlandweit werden viel mehr Elektroautos verkauft als Ladesäulen gebaut. Bund und private Anbieter streiten über Lösungen. Der Verkehrsminister sieht die Kommunen in der Pflicht.
Tanken in Deutschland? Sieht selten noch so aus – trotzdem fehlt es vielerorts an zukunftsfähiger Technologie.

Tanken in Deutschland? Sieht selten noch so aus – trotzdem fehlt es vielerorts an zukunftsfähiger Technologie.

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Malte Christians/ picture alliance / dpa

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) fordert die Kommunen auf, den Bau von Ladesäulen zu priorisieren. »Wenn es nicht gelingt, rechtzeitig flächendeckend Ladesäulen aufzubauen, drohen Schwierigkeiten«, sagte der FDP-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. »Wir brauchen Schnellladesäulen und Flächen dafür. Aber das muss vor allem vor Ort gelöst werden«, so Wissing.

Bundesverkehrsminister Wissing

Bundesverkehrsminister Wissing

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Arne Dedert / dpa

Jede zweite Kommune in Deutschland, zeigt eine Auswertung des Verbands der Automobilindustrie (VDA), hat keine einzige Ladesäule. Er »empfehle« Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, »das Theme sehr, sehr ernst zu nehmen«, sagte Wissing. Mobilität sei ein Alltagsbedürfnis der Menschen, dazu gehöre auch der Individualverkehr. »Auch die Automobilindustrie, die die Fahrzeuge verkaufen möchte, muss sich damit beschäftigen, wo die Ladesäulen herkommen.«

Verkauf wächst, Ausbau schleicht

Der Ausbau des Netzes verläuft deutlich langsamer als der Verkauf von Elektroautos. Man erlebe bei der Elektromobilität gerade »den Beginn eines exponentiellen Hochlaufs«, so Wissing. Bis Juni wuchs das Ladenetz deutschlandweit in jedem der vergangenen zwölf Monate um etwa 1400 neue Ladepunkte – im gleichen Zeitraum wurden monatlich rund 57.000 Elektro-Pkw inklusive Plug-in-Hybriden zugelassen.

Die Ursachen für den schleppenden Ausbau der Ladeinfrastruktur sind komplex. Lange war das Thema Elektromobilität für die Chefs der großen Automobilkonzerne Daimler, BMW und Volkswagen Nebensache – genau wie der Ausbau einer eigenen Ladeinfrastruktur. Die Ladesäulenverordnung der alten Bundesregierung nannten Verkehrsforscher ein »bürokratisches Monster«.

Ladesäule für Elektroautos an der Uni Hannover

Ladesäule für Elektroautos an der Uni Hannover

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Im vergangenen Herbst startete die erste Ausschreibung zum »Deutschlandnetz«, das noch der ehemalige Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf den Weg brachte. Bis 2023 soll der Bund den Bau von 1100 Schnellladeparks finanzieren, mit regulierten Abgabepreisen für den Strom. Dagegen wehren sich nun jedoch einige große Ladesäulenbetreiber, die in dem geplanten Gesetz ein unzulässiges Eingreifen des Staates in den Markt sehen. Sie reichten bei der EU-Kommission Beschwerde ein.

»Wir müssen viele Ideen sammeln und überlegen, wie wir jede einzelne gute Idee möglichst schnell realisieren können«, sagte Wissing. Die meisten Supermarktparkplätze beispielsweise hätten nachts keine Betriebserlaubnis, und somit falle dann der Zugang zu den Ladesäulen weg.

Der Großteil der Ladevorgänge, fast 80 Prozent, findet derzeit zu Hause oder am Arbeitsplatz statt.

jlk/dpa
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