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Emanuele Filiberto

aus DER SPIEGEL 49/2002

Emanuele Filiberto , 30, Savoyer-Prinz und theoretisch in Pole-Position im Rennen um den, freilich schon 1946 ausgemusterten, römischen Königsthron, hat seine potenziellen Untertanen heftig vergrätzt. Die organisierten Monarchistenfreunde sprechen von »Schande«, Zeitungen spotten über den »Gurkenkönig«. Anlass ist ein Werbespot für eingelegte Gurken, Paprika, Zwiebelchen und Oliven. »Wenn du dich wie ein König fühlen willst«, gurrt der Adelsspross auf der Terrasse einer Traumvilla an der Côte d'Azur und schiebt sich verheißungsvoll eine grüne Olive ins Nobel-Mäulchen, um dann den Sauer-Konserven-Fabrikanten zu empfehlen, der ihn engagiert hat. Einen Teil seiner Gage wolle er sogar spenden, wehrt sich der verhöhnte Werbeträger in Yellow-Press-Statements und macht die Sache dadurch eher noch peinlicher: An eine von ihm gegründete Stiftung »Prinz von Venedig« soll das Geld gehen und irgendwie dem interkulturellen Austausch dienen. Wie seinem Vater, Vittorio Emanuele, 65, und »allen männlichen Nachkommen« des ehemaligen Herrscherclans war auch dem letzten Hoffnungsträger der Italo-Royals bislang das Betreten des italienischen Bodens gesetzlich untersagt. Jetzt ist das Verdikt gefallen. Die lang ersehnte Heimkehr der Blau-Blut-Sippe verzögert sich allerdings noch ein wenig, weil Papa-Prinz sich beim automobilen Rasen durch Ägypten, geistreich Pharaonen-Rallye genannt, ein Bein brach und so die nötige Standfestigkeit für die geplante Jubelfeier in Neapel vorübergehend einbüßte. Deshalb hat sich Sohn-Prinz erst einmal allein, via Werbefernsehen, ins fremde Heimat-Territorium vorgewagt und sich dort schon einmal, wie die Zeitung »Libero« witzelt, »zum König der Mixed Pickles« krönen lassen.

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