Zur Ausgabe
Artikel 68 / 119

Ende der Stalingrad-Armee

aus DER SPIEGEL 31/1992

Mit dem Abzug der ehemals sowjetischen Truppen aus der einstigen DDR verschwindet die ruhmreiche 62. Armee - einzige aller 69 Sowjetarmeen des Zweiten Weltkriegs, die mit dem Lenin-Orden ausgezeichnet wurde. Der Abgang aus Thüringen, der bis zum Jahresende abgeschlossen sein soll, fällt zusammen mit dem »traurigen Jubiläum« (Militärzeitung Roter Stern) ihrer größten Heldentat: der Verteidigung Stalingrads. Im September vor 50 Jahren übernahm Generalleutnant Wassilij Tschuikow den Befehl über die 62. Armee und schwor: »Wir werden Stalingrad halten oder hier sterben.« Der zum Marschall beförderte Tschuikow führte die 62., die später ehrenhalber zur 8. Gardearmee umbenannt wurde, bis zum Sieg in Berlin; er selbst wurde 1982 auf eigenen Wunsch nicht an der Kremlmauer, sondern auf dem seinerzeit heiß umkämpften Mamajew-Hügel in Stalingrad begraben. In der Stadt, die heute Wolgograd heißt, wollte die 8. Gardearmee jetzt als Garnison Zuflucht finden. Doch der Wolgograder Stadtrat hat gegen den Widerstand des russischen Parlaments entschieden, die Aufnahme seiner Verteidiger von 1942/43 zu verweigern. Der Verband wird aufgelöst, sein Kampfbanner kommt ins Museumsdepot.

Zur Ausgabe
Artikel 68 / 119
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.