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Enge Kontakte

aus DER SPIEGEL 31/1992

Die DDR-Blockpartei LDPD hatte engere Kontakte zu den Spionen der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) der Staatssicherheit als bisher bekannt. So lernte Manfred Gerlach, bis Anfang 1990 Chef der SED-treuen Partei, bereits 1949 in Moskau den langjährigen DDR-Spionagechef Markus Wolf kennen und traf sich später gelegentlich mit dem Top-Spion. Auch mit dem Wolf-Nachfolger, Stasi-Generaloberst Werner Großmann, vereinbarte der LDPD-Chef 1988 »gute Zusammenarbeit«. Die DDR-Partei erhielt von Erich Mielkes Spionen Unterstützung - »in Form von Hintergrundinformationen zu Entwicklungen in der BRD, interessanter Literatur und Presseberichten«. In seinen Memoiren »Mitverantwortlich« berichtet Gerlach zwar über die Kontakte, die kompromittierenden Details wurden aber aus dem ursprünglichen Manuskript gestrichen: Die Kontakte LDPD-HVA liefen »ohne die Zwischenstation ZK der SED« und brachten laut Gerlach auch Hintergrundinformationen über die westdeutsche FDP. Der Sinn der Streichungen: Die Umgehung der allmächtigen SED-Spitze macht klar, wie gut die Blockpartei mit der Wolf-Truppe stand. Außerdem hätten die Freien Demokraten nicht gern gelesen, daß ihr späterer Vereinigungs-Partner LDPD Spionagematerial über sie bekam. Gegen Gerlach, der nun der FDP angehört, wurde in Berlin bereits ein Parteiausschlußverfahren beantragt, weil er in frühen DDR-Jahren Parteifreunde an den sowjetischen Geheimdienst verraten haben soll.

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