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ELFENBEINKÜSTE Entfesselte Demokratie

aus DER SPIEGEL 44/2000

Der Sturz des Generals Robert Gueï durch einen Volksaufstand nach den vom Militär manipulierten Wahlen in der vergangenen Woche bedeutet keineswegs einen Triumph der Demokratie. Denn anstelle der Konfrontation von Soldaten gegen Zivilisten fordern nun Auseinandersetzungen zwischen christlichen und muslimischen Bürgern zunehmend Opfer - in der Metropole Abidjan gingen Moscheen und Kirchen in Flammen auf, über 85 Menschen starben. Grund: Die Anhänger des muslimischen Oppositionspolitikers Alassane Ouattara, dessen liberale Sammlung der Republikaner (RDR) vom Urnengang ausgeschlossen war, fordern Neuwahlen. Die aber lehnt der Sieger der Wahl, Laurent Gbagbo von der sozialistischen Ivoirischen Volksfront (FPI), kategorisch ab. FPI- und RDR-Anhänger lieferten sich Straßenschlachten. Als ein Mob Ouattaras Haus in Abidjan angriff, flüchtete der Politiker über eine Mauer in die direkt angrenzende Residenz der deutschen Botschafterin Karin-Elsa Blumberger-Sauerteig. Ouattaras RDR wird als Mitglied der Liberalen Internationale von der Friedrich-Naumann-Stiftung unterstützt. Gbagbos FPI gehört der Sozialistischen Internationale an und erhält Hilfe von der Friedrich-Ebert-Stiftung. In der Hoffnung, dass doch noch eine Regierung der nationalen Einheit zu Stande kommt, unterstützt die Bundesregierung weder Gbagbo als Präsidenten noch Ouattaras Forderung nach Neuwahlen. Dagegen haben die USA, Südafrika und die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) für Ouattara Partei ergriffen, während die ehemalige Kolonialmacht Frankreich Gbagbos Sieg anerkennt.

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