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»Er wirkt so«

Die CDU-nahe Düsseldorfer »Rheinische Post« nach dem CSU-Landesparteitag Ober den Vorsitzenden der bayrischen Polit-Christen:
aus DER SPIEGEL 29/1970

Strauß Kanzlerkandidat? -- Das ist ein Irrtum. Denn er ist nicht nur begabt wie kaum ein anderer deutscher Politiker, sondern er zwingt auch zur Skepsis wie kaum ein anderer. Er steht sich gleichsam selbst im Wege. Er nährt das Mißtrauen, das von seinen Gegnern und Feinden verbreitet wird. Sie sagen ihm nach, er sei machtbesessen und maßlos. Strauß bestreitet das, und manch einer möchte es ihm glauben. Aber die Lautstärke seiner Parteitagsreden und sein gelegentlicher verbaler Umgang mit politischen Gegnern wecken Zweifel. So ist schließlich für seine Beurteilung in der Öffentlichkeit nicht mehr entscheidend, ob er wirklich machtbesessen und maßlos ist; er wirkt so, er präsentiert sich so, das genügt ... Strauß ist kein unschuldiges Opfer infamer Gegner, Er hat selbst an seinem Ruf gebastelt und tut es weiter. Wer so laut redet und wer innenpolitische Gegner so angeht wie er, wer in der Opposition anfängt, geradezu erbarmungslos zu wirken, der findet möglicherweise südlich der Mainlinie Beifall und Wählerstimmen, aber der weckt anderswo kein Vertrauen, sondern Zweifel.

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