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Briefe

Erfahrungen bestätigt
aus DER SPIEGEL 22/1979

Erfahrungen bestätigt

(Nr. 20/1979, SPIEGEL-Titel »Gutes Geld für schlechte Zähne")

Es würde nicht schwerfallen, Ihren verantwortlichen Redakteur davon zu überzeugen, daß sein Artikel in den Papierkorb und nicht in eine Wochenzeitschrift gehört, die vorgibt, objektiv zu berichten.

Nicht zu leicht hätte ich es allerdings mit der Tatsache, das in allen Nachbarländern der Patient zehn bis zwanzig Jahre früher mit einem herausnehmbaren Zahnersatz versorgt wird, als in unserem Lande.

Köln DR. 1. SALDEN

Zahnarzt

Zahnärzte sind im Grunde akademisch aufgemotzte Handwerker, wobei mir ein qualitätsbewußter kostenehrlicher Handwerker lieber ist als ein eingebildeter Akademiker-Kollege.

Wächtersbach (Hessen) ROLF PERRIN

Nach Ihrer Logik, unredliche Machenschaften Einzelner zu verallgemeinern, müßten alle deutschen Journalisten copyright verletzende Griffelanspitzer sein. Alaaf!

Husum (Schlesw.-Holst.)

DR. MATTHIAS SCHENKE Zahnarzt

Nach 18 Jahren zahnärztlicher Tätigkeit in Schweden bin ich 1973 in die Bundesrepublik umgesiedelt. Zu dem Titel möchte ich die Beteiligten beglückwünschen.

Der Inhalt deckt sich fast völlig mit den gleichen von mir gemachten schlechten Erfahrungen, und ich hoffe, daß durch Ihre Initiative endlich ein Umschwung in der antiquierten Denkungsweise der entsprechenden Gremien hervorgerufen wird.

Eine rationelle und gründlich vorbeugende konservierende Behandlung der Patienten läßt sich leider nicht nach Durchschnittswerten durchführen.

Wanderup (Schlesw.-Holst.)

DR. HANS A. HANSEN

Meine Forderung: Nehmt den Zahnärzten endlich die schlechten Zähne und damit die Arbeit weg. Putzt Euch richtig die Zähne! Putzt Euren Kindern nach jedem Bonbon die Zähne!

Kassel DR. ULRICH KOLLMAR

Zahnarzt

Gegen den SPIEGEL werde ich bei mutwilligem Wiederabdruck von Zedelmaiers Vexierbild ("Wo ist hier Geist und warum nicht?') gerichtlich vorgehen -- wegen Verbreitung unzüchtiger Miniaturen.

Die Originalsprüche dieses Chefkomikers der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung erscheinen mir hingegen als durch und durch reines Füllungsmaterial für die Verwendung in der tagtäglichen Praxis nicht ungeeignet.

Persönlich gelingt es mir neuerdings immer häufiger, durch bloßes Zitieren Zedelmaierscher Texte bei meinen Patienten ein so verblüffendes Maß an Taubheit zu erzielen, daß sich selbst größere Eingriffe schmerzlos durchführen lassen.

Berlin MICHAEL HEINZE

Zahnarzt

Wenn Herr Knellecken im SPIEGEL von einem Stundenlohn um fünf Mark spricht, so hat er einen Knall. Persönlich bin ich beim Mitschreiben der Zeiten meiner Behandlung auf 500 Mark gekommen. Daß mir die Kappen schon dreimal rausgeflogen sind, muß wohl am Preis gelegen haben.

Oberstdorf (Bayern) PETER C. BLEY

Eine Neubewertung zahnärztlicher Leistungen wäre sicherlich wünschenswert, dürfte aber schwierig sein, denn: wer soll sie kontrollieren? Und: Kann noch mehr bürokratische Kontrolle die Leistung des Einzelnen wesentlich verbessern?

Dusseldorf DR. MED. DENT. HORST LANDAU

Krankenkassen verhindern mit ihrem Patientenklassensystem anerkannte Präventivmaßnahmen und die beste Zahnerhaltungstherapie.

Auch die von Ihnen so gelobte Parodontalbehandlung wird für die meisten Patienten von der Krankenkasse grundsätzlich zum Gutachter gesandt. Gleiches gilt für den von Ihnen angesprochenen Zahnersatz, der grundsätzlich vorher von den Kassen auf einem beschwerlichen Weg, der oft ein ganzes Jahr in Anspruch nimmt, genehmigt werden muß.

Hier wird der Arzt zum Anwalt seiner Patienten, ohne Honorar, versteht sich. So wurde mir zum Beispiel eine 300-Kilometer-Anfahrt und eine Verhandlung mit sechs anderen Kollegen mit dem Streitwert unter 17 Mark zugemutet. Zeitaufwand einen halben Tag, Schriftverkehr ungefähr 60 Seiten. Ich erwarte Ihren Artikel: »Krankenkassen, viel kassieren, wenig zahlen«.

Münden (Nieders.) BUSSO HENNECKE

Zahnarzt

Bei der geschilderten Notlage der Zahnärzte schießen uns die Tränen in die Augen. Als Mitarbeiter einer großen Krankenkasse werden wir künftig Sammelbüchsen für diesen Personenkreis aufstellen. Sicherlich haben unsere Mitglieder hierfür großes Verständnis und werden entsprechend freudig spenden.

Lünen ROLF LUDWIG

HERIBERT KOCH

Solange ich denken kann, war ich sehr intensiv mit der Pflege meiner Zähne beschäftigt, das beinhaltete auch den regelmäßigen Besuch meines Zahnarztes. Siegessicher ging ich eines Tages in die Zahnklinik. Ich machte den Mund auf, eine Bekannte guckte hinein, holte den Oberarzt und röntgte meine Zähne. Ergebnis: Zehn (!) Zähne mußten dringend behandelt werden, teils weil die Kronen nicht ordnungsgemäß gearbeitet waren (zu hoch, Karies darunter, kein richtiger Abschluß zum Zahnfleisch), die von meinem Arzt beschliffenen Zähne vollkommen falsch beschliffen waren, und unter der Zahnfüllung ein Kariesherd bis fast zur Wurzel war.

Ich wechselte natürlich den Zahnarzt, der elf Zähne sanierte. Seither geht mein Zahnfleisch nicht mehr zurück.

München RENATE ULLRICH

Anläßlich der SPIEGEL-Serie fiel mir in der hiesigen Tageszeitung die beiliegende Anzeige auf.

Oldenburg (Nieders.) ROLF ESKUCHEN

Leute! Wer meint, vierzig Patienten durchschleusen zu müssen, ist selbst schuld. Wir versuchen mit vier fleißigen Helferinnen 15 Patienten zu behandeln; und darauf dann gegen 20 Uhr mit dem letzten Patienten, neben einem dankbaren Händedruck, einen Dujardin! Übrigens: Zahnheilkunde zu treiben, macht Freude (immer noch, trotz zweifacher Wirbelsäulenoperation).

Ouersweier (Bad.-Württ.)

DR. MED. DENT. WERNER REDDIG Zahnarzt

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