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Briefe

Erhabene Ziele, kleinere Interessen
aus DER SPIEGEL 29/1994

Erhabene Ziele, kleinere Interessen

(Nr. 28/1994, Polemik: Hellmuth Karasek über Reich-Ranicki und Biermann)

Ich habe Verständnis dafür, daß ein SPIEGEL-Redakteur ohne Ressort um seine Rolle im Literarischen Quartett kämpft. Wir haben neben den erhabenen Zielen alle auch unsere kleineren Interessen. Insofern hätte sein Artikel nicht im Kulturteil erscheinen sollen, sondern unter der Rubrik: Berufliches/Soziales. Es wäre jammerschade, wenn Marcel Reich-Ranicki jetzt aufhören würde, öffentlich Bücher auf die Fernseh-Waage zu legen. Ohne den scharfen Kritiker wäre die beliebte Literatursendung ein Flop. Die Zuschauer würden gähnen und zu RTL rüberreiten, wenn statt seiner der stumpfe Komparse Karasek die Hauptrolle in diesem Literatenkrimi übernehmen müßte. Hellmuth Karasek jammert obendrein darüber, daß der angesehene Büchner-Literaturpreis gelegentlich an die falschen Kandidaten vergeben wird. Der Meinung bin ich auch und habe deswegen vor drei Jahren vorgeschlagen, Marcel Reich-Ranicki mit diesem Preis auszuzeichnen. Keiner von uns kann wissen, ob er ihn je kriegt - nur eines ist sicher: Auf die Idee, dem Literaten Karasek diesen Preis anzuhängen, wird nicht mal ein Witzbold im Sommerloch kommen. *UNTERSCHRIFT: Hamburg WOLF BIERMANN

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