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PERSONALIEN Erhard Eppler, Kurt Bauer, Adolf von Thadden, Günter Wetzel, Gerhard Maria Feldzahn, Frank Sinatra, Raymond Patriarca, Dick Balch

aus DER SPIEGEL 32/1972

Erhard Eppler, 45 (r.), SPD-Entwicklungshelfer, kollidierte mit einem Genossen. Als Linksaußen beim Fußballschauspiel zwischen Sozialdemokraten aus Stadt und Umland seines Wahlkreises Heilbronn vorletzten Sonntag auf dem örtlichen »Union«-Platz gelang dem Politkicker in der Schlußminute der Ausgleichstreffer zum 1:1 -- dank massiven persönlichen Einsatzes: Im Zweikampf mit Neckarsulm-Stadtrat Kurt Bauer, 38, war der »McGovern in Bonn« (Springers »Welt": »... verwechselt den Staat mit einer Erziehungs- und Wohlfahrtsanstalt") zuvor gestürzt. Sann Juso-Freund Eppler, dem die Opposition im kommenden Wahlkampf die Rolle des Buhmanns zugedacht hat: »Die CDU/CSU sähe mich am liebsten ständig am Boden.«

Adolf von Thadden, 51. Ex-NPD-Führer und »momentan in der Politik im zweiten Glied«, haßt mehr noch als das »Neue Deutschland« die bürgerliche »Hannoversche Allgemeine Zeitung« -- das »infamste, niederträchtigste und widerwärtigste Blatt im deutschen Sprachraum einschließlich DDR« (Thadden). Bei den Nationaldemokraten« so hatte die Zeitung vergangene Woche gemeldet, herrsche »offenbar Unklarheit darüber«, ob Thadden wieder für den Bundestag kandidiere. Davon, so der NPD-Edelmann, sei »nie die Rede gewesen«. Gleichwohl mag Thadden, seit er statt Rechts-Bewußtsein Immobilien verkauft, das Blatt nicht missen: Vorletzten Sonnabend placierte er ("Die Geschäfte beginnen zu gehen") ein Zwölfzeilen-Inserat (Abb.). Günter Wetzel, 50, Gewissenstäter. trug zur Klärung eines Geheimnisses bei. Der Staatssekretär -- von Verteidigungsminister Georg Leber gefeuert. daraufhin aus der SPD ausgetreten und inzwischen bei der CDU gelandet -- war kaum von der Hardthöhe verschwunden, da fand sich in seinem Dienstzimmer ein Stapel wichtiger Akten -- unbearbeitet und, so ein hochgestellter Beamter, »ein bis eineinhalb Meter hoch«. Der Wetzel-Kollege: »Das waren alles dünne Entscheidungsvorlagen. In den paar Monaten, in denen Wetzel hier war« gingen Akten zu ihm rauf und tauchten meist nicht wieder auf. Das ganze Haus hat gerätselt, wo die Sachen waren.«

Gerhard Maria Feldzahn, 42, Arzt und SPD-Katholik in Bad Mergentheim. konnte ein Gelübde nicht einlösen, das er vor den Kommunalwahlen vergangenen Oktober abgelegt hatte: Für den Fall seiner Wahl hatte der Mediziner damals die Teilnahme an einer zweitägigen Wallfahrt ins 45 Kilometer entfernte Walldürn gelobt. Feldzahn siegte mit der höchsten Stimmenzahl als Gemeinderat. doch die Kirche verwehrte ihm das Wahl-Wallen« weil er möglicherweise die Gelegenheit zu SPD-Propaganda nutzen könne; um den Gläubigen nicht in Gewissensnöte zu stürzen. wurde er sodann von dem Gelübde freigesprochen. Die Mergentheimer Bürger aber erfuhren nichts davon und glaubten, der Arzt wolle sich drücken. Denn: CDU-MdL und Stadtrat Albert Reuter hatte »die Lokalpresse zum Totschweigen der Geschichte vergattert« ("Stuttgarter Zeitung"). Feldzahn über den kirchlichen Freispruch: »So gesehen hat mich Gott als rein erkannt, während 160 Sünder aus Mergentheim wallfahren mußten.«

Frank Sinatra, 54 (o.), Star a. D., wollte »eines mal ganz deutlich sagen: Ich bin kein Bürger zweiter Klasse«. Vor dem Ausschuß zur Verbrechensbekämpfung des US- Repräsentantenhauses empörte sich der Sohn sizilianischer Einwanderer darüber, daß er seit Jahren ständig irgendwelcher Kontakte zur Unterwelt verdächtigt werde. Anlaß der Anhörung vorletzte Woche in Washington waren die Behauptungen eines verurteilten Gangsters, wonach Sinatra für den wegen Mordkomplotts einsitzenden Ostküsten-Mafiaboß Raymond Patriarca, 63 (o. r.), sowohl bei multimillionären Hotelprojekten in Miami und Las Vegas als auch bei der dubiosen Pferdesport-Gesellschaft Berkshire Downs in Massachusetts als Strohmann fungiert habe. Musik-Rentier Sinatra: »Ich kenne Patriarca überhaupt nicht.« Der Mafioso: »Der einzige Platz, an dem ich Sinatra je gesehen habe« ist der Fernsehschirm.

Dick Balch, 40. Autohändler in Seattle (US-Bundesstaat Washington). bringt seine Wagen unter den eigenen Hammer. Weil ihn der stockende Absatz der Vertragsmarken Chevrolet und Fiat immer mehr in die roten Zahlen trieb, suchte der Kaufmann Heil in unkonventioneller Fernsehwerbung: Kostümiert als Teufel schlägt Balch mit einem 5,5 Kilogramm schweren Schmiedehammer auf Windschutzscheiben, Scheinwerfer und Stoßstangen fabrikneuer Autos ein« läßt dazu ein irres Lachen ertönen und fragt abschließend: »Wenn Sie Ihrem Autohändler nicht trauen können, wem dann?« Die Zehn-Sekunden-Spots in lokalen TV-Sendern zahlten sich sofort aus. Im ersten Halbjahr 1972 setzte er bereits 1596 Wagen im Wert von etwa 4,5 Millionen Dollar ab. Einige der lädierten TV-Fahrzeuge finden -- repariert -- sogar Absatz zu erhöhten Preisen. Balch: »Für ein Auto muß man eben mehr bezahlen, wenn es im Showgeschäft war.«

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