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PRESSE Erregte Schweizer

aus DER SPIEGEL 17/1999

Das Verlagshaus des Schweizer »Tages-Anzeiger« ("TA") geriet bei seinem Ausflug ins TV-Geschäft auf Abwege. Für ihr zusammen mit dem Fernsehmulti SBS geplantes Vollprogramm TV 3 (Start im September) schalteten die Eidgenossen im eigenen Blatt eine gewagte Stellenanzeige, in der potentielle TV-Moderatoren gefragt werden: »Nehmen Sie das Wort Schwanz in den Mund, ohne rot zu werden?« Gesucht werde jemand, der »leidenschaftlich gern über Erotik, Sex und Sinnlichkeit« redet. Soviel Verbalerotik löste in der Redaktion in Zürich Erregung aus, zumal Verleger Hans-Heinrich Coninx versichert hatte, in seinem TV werde es keinen Schmuddel geben. Feinsinnig glossierte ein »TA«-Autor daraufhin das Inserat und bekannte, die Zeitung habe es nun mal »nicht gerade mit dem Boulevard und damit auch nicht mit den Schwänzen«. So habe vor 20 Jahren ein Journalist 14 Jahre Schreibverbot erhalten, weil er Motorrad-Auspuffrohre mit »geil aufgestellten Schwänzen« verglichen hatte. Und erst 1998 stampfte der Verlag eine Jugendbeilage ein, weil dort in einem Comic »das Problem des Gummis und dessen an- und abschwellender Inhalt bildlich erörtert wurden«. Die TV-Aktion sei »weit unter Niveau«, erklärt »TA«-Chefredakteurin Esther Giersberger.

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