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Briefe

Ersatzteillager Mensch?
aus DER SPIEGEL 52/2002

Ersatzteillager Mensch?

Nr. 50/2002, Medizin: SPIEGEL-Gespräch mit dem Chirurgen Christoph Broelsch über Prämien für Organspender und eine Lockerung des Transplantationsgesetzes

Beim Lesen des Interviews bekomme ich den Eindruck, dass es sich bei der Organspende um ein rein wirtschaftliches Problem handelt: Der Mangel an der Ware »Organ« führt zu Engpässen beim Absatz. Die Bereitstellung der Ware muss also durch finanzielle Anreize gefördert werden. Wenn das nicht ausreicht, müssen neue Quellen erschlossen werden. Daraus ergeben sich für mich folgende Fragen: Sind »hirntote« oder gerade gestorbene Menschen Ersatzteillager? Wie teuer ist ein friedvolles, geschütztes Sterben? Ist es unsozial, in Würde zu sterben, ohne Organe zu spenden? Und an den Professor: Haben Sie selber einen Organspendeausweis?

OSTERHOLZ-SCHARMBECK RENATE FOCKE

Professor Broelsch fordert eine grundlegende Änderung des deutschen Transplantationsgesetzes. Recht hat er! Wegen miserabler Gesetzeslage, wegen des hausgemachten Organmangels müssen etwa drei kranke Menschen pro Tag sterben. Blicke in viele andere europäische Länder (etwa Italien, Luxemburg, Österreich) erhellen, wie es geht. Wer dort zu Tode kommt, auch der deutsche Urlauber, und zu Lebzeiten nicht widersprochen hat, der ist auch ohne Organspendeausweis Spender. So werden Organmangel und Organhandel aufgelöst. So bleibt die Lebendspende die Ausnahme. So wird Leben gerettet und geschont. So wird das gemacht!

DORTMUND DR. MICHAEL BALKE

EMPFÄNGER EINER LEBER-LEBENDSPENDE

Aasgeier oder nicht Aasgeier, das ist hier die Frage. Seit ich im September 18 geworden bin, beschäftige ich mich mit dem Pro und Contra eines Organspendeausweises. Nachdem ich allerdings Herrn Broelsch und seine Meinung etwas näher kennen gelernt habe, tendiere ich verstärkt dazu, schnellstens eine Verweigerung der Organspende zu unterschreiben, allein, um zu vermeiden, ungefragt und womöglich noch lebend, meine Innereien loszuwerden. Entscheidungsfreiheit sollte bleiben - ohne Lockmittel Geld und Gesetze, die einem das »Ja« in den Mund legen!

NÖBDENITZ (THÜRINGEN) MARLENE HOFMANN

Seit es Spenderausweise gibt, trage ich stets einen bei mir. Die Bereitschaft der Bürger zur Organspende lässt sich leicht verbessern. Nur wer seine Spendenbereitschaft anzeigt, erhält das Recht, bei Bedarf Organe zu empfangen. Alle anderen werden mit einer Sperrfrist belegt. Wer nicht bereit ist zu spenden, sollte auch kein Organ erhalten.

SIEGEN (NRDRH.-WESTF.) MICHAEL LINDEN

Professor Broelsch verkündet voller Empörung: »Jedes Jahr sterben in Deutschland einige tausend Menschen, weil sie kein Organ bekommen.« Er vergaß zu erwähnen: »Jedes Jahr sterben in Deutschland mehrere tausend Menschen, weil ihnen ein Organ transplantiert wurde.« Wann endlich kommt die große, unparteiische Statistik, ob und welche ärztlichen Eingriffe zu mehr Glück und Gesundheit führen oder im Gegenteil das Leben armseliger und kürzer machen?

LINDAU DR. KLAUS ZOBEL

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