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RECHTSCHREIBREFORM »Erst mal gar nichts«

Von Hans-Jörg Vehlewald
aus DER SPIEGEL 43/1997

Rolf Wernstedt, 57, niedersächsischer SPD-Kultusminister und Vorsitzender der Kultusministerkonferenz, zum Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg gegen die Einführung der Rechtschreibreform in Niedersachsen

SPIEGEL: Die Lüneburger Richter haben Ihre Übergangsregelung zur neuen Rechtschreibung als rechtswidrig abgelehnt. Ist das das Aus für die Reform in Niedersachsen?

Wernstedt: Nein, ich stehe zu der Reform. Zur Zeit lernen Erstkläßler in Niedersachsen - wie in anderen Bundesländern auch - ausschließlich die neue Schreibweise. Die Grundschulen im Lande haben sich zudem darauf verständigt, auch in den übrigen drei Klassenstufen die neue Schreibweise zu lehren. Die alte Schreibweise - etwa »daß« statt »dass« - führt aber nicht zu einem Fehler im Diktat. Der Lehrer schreibt lediglich an den Rand, daß sich die Schreibweise geändert hat.

SPIEGEL: Was wird sich für die Schüler jetzt ändern?

Wernstedt: Erst mal gar nichts, wir haben Herbstferien. In diesen zwei Wochen wollen wir uns auch mit den anderen Bundesländern verständigen. Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen oder Sachsen handeln nach der Logik der Lüneburger Richter gleichfalls rechtswidrig. Durch den Gerichtsbeschluß müssen wieder die alten Regeln Grundlage im Unterricht sein. Wir suchen jetzt einen Weg, den Schülern zugleich die neue Schreibweise beizubringen, schon um ihnen die Chancengleichheit mit Schülern anderer Bundesländer zu garantieren.

SPIEGEL: Auf die endgültige Einführung der Reform hat das jetzige Urteil keine Auswirkung? Immerhin haben die Lüneburger Richter auch dagegen »gewichtige Bedenken« geäußert.

Wernstedt: Über die Reform, wie sie die Kultusminister zum 1. August 1998 verabschiedet haben, entscheidet voraussichtlich im Frühjahr das Bundesverfassungsgericht. Bei aller Kritik an Details: Ich hoffe, daß Karlsruhe die zehnjährige Arbeit an der Reform nicht mit einem Schlag kaputtmacht.

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