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BUCERIUS Erster Schritt

aus DER SPIEGEL 12/1970

Der Betriebsrat des Hamburger Verlages Gruner + Jahr fordert von seinem Verleger Dr. Gerd Bucerius »die Trennung vom Partner Bertelsmann«. Er hält die »Kapitalverflechtung mit dem Haus Springer«, durch Bertelsmanns Drittel-Beteiligung bei Springer entstanden, für »untragbar«. Und Bucerius selber hielt das Geschäft, wie er hausintern kundtat, ebenfalls für »unerträglich«.

So überrascht wie die »Stern«-Redakteure, die alsbald die »Auflösung dieser Verbindung« zwischen ihrem Hause und Springer/Bertelsmann forderten, konnte Bucerius freilich nicht sein. Denn er wußte von der geplanten Transaktion Springer/Bertelsmann bereits vor Unterzeichnung des Kaufvertrages.

Er trug es schweigend, John Jahr sen., Bucerius-Partner im Gruner + Jahr-Verlag, zum SPIEGEL: »Er hat mit mir nicht darüber gesprochen.« Gleichwohl erfuhr Mitverleger Jahr von der Vor-Kenntnis seines Partners und sprach »am Telefon darüber ... mit Bucerius«.

Das Gespräch war offenbar nicht erschöpfend. Denn Verleger Jahr -- wie Bucerius Anteilseigner von 37,5 Prozent bei Gruner + Jahr -- ist noch heute auf die Mutmaßung angewiesen, das Verhalten von Bucerius sei »irgendwie Im wohlverstandenen Interesse des Hauses« gewesen.

Ernst Naumann, Geschäftsführer des von Gruner + Jahr übernommenen Kindler & Schiermeyer-Verlags, künftig Vorsitzender der Gruner + Jahr-Geschäftsleitung, zeigte trotz sachlicher Bedenken Verständnis »für die Motive, die ihn dabei bewegt haben Dazu John Jahr sen.: Bucerius habe es wohl »aus persönlichen Gründen« für richtig gehalten, »wenn die Macht Springers beschnitten wird«. Marion Gräfin Dönhoff, Chefredakteurin des liberalen Bucerius-Blattes »Die Zeit«, hält die tolerante Attitüde des Verlegers gegenüber Bertelsmanns Größe daher zwar für »merkwürdig«, aber zugleich »legitim«.

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