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Briefe

Erwägenswerter Vorschlag
aus DER SPIEGEL 16/1975

Erwägenswerter Vorschlag

(Nr. 15/1975, Energiepolitik)

Sie berichten über die Diskussion um die Finanzierung der Mineralölbevorratung aus Währungsreserven der Bundesbank. Mit dem Finger auf mich formulieren Sie, originell wie immer: »Ein FDP-Mann fiel um.« Richtig ist, daß mir der Vorschlag von meinem Kollegen Ehrenberg (SPD) zunächst erwägenswert schien. Richtig ist auch, daß ich ihn schließlich abgelehnt habe. Jedoch habe ich mich weder »beeilt«, dem Wirtschaftsminister Friderichs zu »assistieren«, noch bin ich vor dem »Lamento aus Frankfurt« in die Knie gegangen, wie Sie glauben machen wollen. Ich habe mir lediglich die Freiheit genommen, über den Vorschlag nachzudenken. Wenn Sie aber unbedingt einen »Umfaller« brauchen, so seien Sie wenigstens redlich genug, dem Leser auch mitzuteilen, daß ich -- wenn schon -- in einem Atemzug umgefallen bin, daß ich nämlich in meiner Plenumsrede am 20. Februar dieses Jahres die Attraktivität des Vorschlags zugab, ihn im nächsten Satz jedoch aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnte. Wörtlich: »Mir schien dieser Gedanke, Herr Ehrenberg, attraktiv ... aber ich kann mich dem Argument der Bundesbank nicht widersetzen, daß die Reserven da sind, um Verbindlichkeiten zu decken, auch wenn ich diese Verbindlichkeiten heute noch nicht bestimmen kann, und ich kann mich auch nicht dem Argument entziehen, daß man damit Präzedenzfälle nationaler und internationaler Art schafft. . .« Erst in der darauffolgenden Woche trug Bundesbankdirektor Schlesinger im Wirtschaftsausschuß die Bedenken der Bundesbank vor. Mit Minister Friderichs habe ich in diesen Tagen nicht über dieses Thema gesprochen.

Bonn DR. OTTO GRAF LAMBSDORFF MdB/FDP

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