Zur Ausgabe
Artikel 51 / 96

UNO-TRIBUNAL Erweiterte Vorwürfe

aus DER SPIEGEL 39/2001

Die Chefanklägerin des Haager Kriegsverbrecher-Tribunals Carla Del Ponte treibt den inhaftierten Slobodan Milosevic jetzt mit Verfahrenstricks in die Enge: Anfang Oktober wird sie eine erweiterte Anklageschrift gegen den Ex-Staatschef vorlegen und die Vorwürfe gegen ihn, die sich bislang lediglich auf Mord und Vertreibung im Kosovo beziehen, auf Völkermord und Kriegsverbrechen in Bosnien und Kroatien ausdehnen. Damit drängt Del Ponte auf eine beschleunigte Einzelbehandlung Milosevics vor Gericht, in dessen Anklageschrift bisher die mutmaßlichen Verbrechen von drei weiteren Serben-Politikern und eines Generals im Kosovo mitbehandelt werden. Die Mitbeschuldigten, darunter der ehemalige serbische Innenminister Stojiljkovic wie auch der derzeitige Präsident von Serbien Milutinovic, befinden sich nicht einmal im Gewahrsam des Haager Tribunals. Erst Anfang September haben sowohl die serbische Regierung wie auch eine Kammer des Parlaments bekräftigt, dass sie die Immunität der Politiker höher einschätzen als den Haftbefehl des Uno-Tribunals. Deshalb komme eine Auslieferung nicht in Frage. Del Ponte will mit ihrer erweiterten Anklageschrift gegen Milosevic deshalb vor Gericht auf eine Abtrennung seines Verfahrens drängen. Dem Ex-Staatschef würde damit als oberstem Einzeltäter in drei Ländern der Prozess gemacht. Die Haager Kammer muss dem Antrag der Anklägerin allerdings noch zustimmen. Unterdessen wurden vom Gericht für Milosevic drei Pflichtverteidiger bestellt, obwohl der prominente Angeklagte offiziellen Rechtsbeistand weiterhin ablehnt. Die Juristen sollen wenigstens für eine ordnungsgemäße Überstellung der Verfahrensschriftstücke sorgen.

Zur Ausgabe
Artikel 51 / 96
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.