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»Es gibt überall Verrückte«

aus DER SPIEGEL 32/1978

SPIEGEL: Herr Frangi, extremistische Palästinenser haben die PLO-Vertreter in London, Kuweit und in Paris ermordet und angekündigt, daß sie weitere Gefolgsleute von PLO-Chef Jassir Arafat liquidieren wollen. Müssen auch Sie um Ihr Leben fürchten?

FRANGI: Jeder von uns trägt das Risiko, sein Leben zu verlieren. Und was meine Sicherheit angeht, so ist das eine Sache der Bundesrepublik und der deutschen Polizei.

SPIEGEL: Fühlen Sie sich denn ausreichend geschützt?

FRANGI: Nein.

SPIEGEL: Haben Sie eine bessere Bewachung beantragt?

FRANGI: Die PLO und die Bundesrepublik erkennen sich nicht gegenseitig diplomatisch an. Deshalb können wir bei der Polizei nicht auf mehr Schutz bestehen.

SPIEGEL: Was sind das für Palästinenser, die auf ihre eigenen Vertreter Jagd im Ausland machen?

FRANGI: Der Irak hat diese Leute angeheuert, die angeblich Palästina befreien wollen. In Wirklichkeit haben sie bis jetzt mehr unserer Leute umgebracht als unsere Feinde.

SPIEGEL: Was bezweckt Bagdad mit seinem Terrorkampf gegen die PLO?

FRANGI: Auch die im Irak herrschende Baath-Partei verteidigt ihre Macht durch Terror. Es gibt dort keine Opposition, die es wagen würde, die Regierung zu kritisieren. Und dann bedient sich dieses Regime einer extremistischen Palästinensergruppe um den ehemaligen PLO-Mann Abu Nidal, die den Terror auf die arabische Ebene ausdehnt.

SPIEGEL: Will der Irak eine eigenständige Vertretung durch die PLO nicht zulassen?

FRANGI: Genau. Wir habe« mehr als 110 PLO-Büros in aller Welt, nur in Bagdad wurde keines zugelassen. Statt eines PLO-Büros hat der Irak einige Palästinenser ins Land geholt und sie mit Waffen ausgerüstet. Bagdad will uns nur weiter bevormunden. Ehrlich gesagt, wenn die Iraker Palästina für mich befreien, würde ich nie mehr in meine Heimat zurückkehren.

SPIEGEL: Daß der Irak Abu Nidal mit Waffen ausrüstet, kann die Anschläge gegen die PLO noch nicht erklären. Geht es nicht um die Palästinenser-Führung?

FRANGI: Abu Nidal selbst wurde vor vier Jahren durch einen Revolutionsrat innerhalb der Fatah zum Tode verurteilt, seitdem versteckt er sich im Irak und veranstaltet dort in Ausbildungslagern mit jungen Palästinensern eine Art von Gehirnwäsche. Die hören dann, Arafat sei ein Verräter, die PLO-Führung wolle einen Kompromiß mit dem Staate Israel machen.

SPIEGEL: Wie viele Palästinenser denken denn wie Abu Nidal?

FRANGI: Es gibt auch innerhalb der PLO, die rund 90 Prozent der Palästinenser vertritt, Meinungsverschiedenheiten. Doch selbst die restlichen zehn Prozent kann Abu Nidal nicht für sich beanspruchen. Auch bei den PLO-Gegnern lehnen ihn die meisten ab, weil er nur ein Instrument der Iraker ist.

SPIEGEL: Und wie wird die PLO die Kampfansage Abu Nidals beantworten?

FRANGI: Es gibt überall Verrückte. Aber es muß immer so sein, daß die Palästinenser nicht die gleichen Methoden benutzen. Ohne Terror dient man seiner Sache besser.

SPIEGEL: Aber die PLO hat sich noch letzten Donnerstag zu einem Terroranschlag auf dem Gemüsemarkt von Tel Aviv bekannt?

FRANGI: Es gibt das legitime Recht eines unterdrückten Volkes gegen die Unterdrücker vorzugehen. Das Ereignis, von dem Sie reden, zähle ich nicht als Terroranschlag.

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