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Briefe

Euphorisch oder ängstlich
aus DER SPIEGEL 5/1999

Euphorisch oder ängstlich

Nr. 3/1999, Titel: Sensationsfund in der Gauck-Behörde - Markus Wolfs letztes Geheimnis

Es ist höchst unwahrscheinlich, daß diese jetzt aufgedeckte Schlamperei der GauckBehörde und mit ihr kooperierender Dienststellen der Bundesrepublik nur auf Fahrlässigkeit und Einfalt im Umgang mit diesem brisanten Material zurückzuführen sein soll. Wesentlich einleuchtender wäre, daß zahlreiche Beteiligte aus allen Regierungen der Nachkriegszeit ein großes Interesse daran hatten und noch haben, ihre »Mitwirkung« am Verrat von Geheimnissen an die Stasi nicht publik werden zu lassen. Das würde auch das geringe Interesse mancher ehemaliger westdeutscher Regierungsmitglieder an einer Wiedervereinigung »zur Unzeit« und die gezielt schlechten Prognosen für ein derartiges Ereignis nachvollziehbar erklären.

WUPPERTAL DR. CHRISTIAN CLAUSEN

Agenten eines annektierten Staates zu enttarnen ist genauso Rechtens wie das Fahnden nach fremden Agenten im eigenen Land. Haben sich aber Ost- und Westdeutschland vereint, so müssen auch Ost- und Westagenten gleich behandelt werden. Entweder MfS-Unterlagen und BND-Unterlagen auswerten oder Generalamnestie.

MAINZ TIM WILBERT

Michael Sontheimer behauptet, als stellvertretende Leiterin des Referats Auswertung Sowjetunion des BND hätte ich seinerzeit »Wind davon bekommen«, daß der ehemalige stellvertretende Auswertungsleiter der HVA, Dr. Heinz Busch, zum BND übergelaufen war, und ich hätte meinen »Führungsoffizier in Ost-Berlin davon informiert«. Diese Behauptung ist rundweg

* Im bayerischen Zirndorf.

falsch. Ich konnte damals Ost-Berlin schon deshalb nicht informieren, weil ich erst viel später als die HVA, nämlich circa Mitte März 1990, vom Seitenwechsel Buschs erfahren habe; der BND behandelte diesen Fall erheblich diskreter als den Schalck-Golodkowskis. Die HVA hingegen war darüber sehr rasch im Bilde, weil Busch, wie Sontheimer selbst berichtet, einem dienstlichen Auftrag nicht nachgekommen war. Im übrigen hatte ich damals in der HVA auch keinen Führungsoffizier mehr, den ich hätte informieren können; der eine war längst aus dem Amt geschieden und damit aus der Verbindung herausgelöst, der andere mittlerweile verstorben. Die Wahrheit über den Fall Gabriele Gast berichte ich in meinem Buch »Kundschafterin des Friedens«, das im März erscheinen wird.

NEURIED (BAYERN) DR. GABRIELE GAST

Diese schweißtreibende Arbeit mit der Legende »Stasi« ist ihrem Mythos nur zuträglich. Man schmückt ihn nämlich aus; mit neuen Geschichten und neuen (alten) Namen. Die, die es wirklich interessiert, sind entweder euphorisch oder ängstlich. Aber im Ernst: Zuletzt gibt man sich doch hier Nachhilfeunterricht in Sachen Spionage.

EUTIN SASCHA VON MITSCHKE-COLLANDE

* Im bayerischen Zirndorf.

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