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Exklusives Wissen

aus DER SPIEGEL 37/1989

Bundesumweltminister Klaus Töpfer muß sich den Vorwurf gefallen lassen, seine Pflichten als oberster Atomaufseher vernachlässigt zu haben. In einem Schreiben beschuldigt der schleswig-holsteinische Energieminister Günther Jansen (SPD) den Christdemokraten, ihm aus politischen Gründen »vorhandenes sicherheitsrelevantes Wissen« vorenthalten zu haben. Der Bonner Minister hatte vorletztes Wochenende per Telefax »Zweifel« an der Funktionstüchtigkeit der »Radialschieber in Siedewasserreaktoren« geäußert. »Bundesaufsichtlich« und öffentlichkeitswirksam verlangte Töpfer, bis zu einer entsprechenden Nachrüstung »den Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Brunsbüttel auszusetzen«. Doch die nach Ansicht von Reaktorexperten gefährlichste Schwachstelle in den veralteten Siedewassermeilern Brunsbüttel, Isar I und Philippsburg war im Bonner Umweltministerium seit langem bekannt. Bereits im August vergangenen Jahres waren bei einer Prüfung im Atomkraftwerk Isar I, so ein Vermerk, zu »hohe Schließzeiten« der Absperrvorrichtung festgestellt worden, die bei Leitungsbruch Kühlwasserverlust und damit eine mögliche Kernschmelze verhindern soll. Das Bayerische Umweltministerium, so eine Notiz, informierte »umgehend« Töpfer, damit »die Aufsichtsbehörden in den anderen Bundesländern Kenntnis erhielten«. Während die Kieler lange ahnungslos blieben, wurden in den Atomkraftwerken Isar I (Bayern) und Philippsburg (Baden-Württemberg) schon Hilfsmotoren geschaltet. Doch auch die bergen Sicherheitsrisiken. Der Empfehlung der Hersteller, völlig neue Hydraulik-Systeme einzubauen, wollten die Atomstromer nicht folgen - wegen zu hoher Kosten.

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