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Briefe

FABELHAFT
aus DER SPIEGEL 6/1961

FABELHAFT

Der mir in Ihrem Artikel »Sagte kein einziges Wort« gemachte Vorwurf, ich hätte in meiner einstigen Eigenschaft als Justizminister Referendare zu einer aktiven Beamtenbestechung veranlaßt, reicht an meine Stiefelsohlen nicht heran. »Niedriger hängen!« pflegte Friedrich II zu sagen. Im übrigen stelle ich fest, daß mein Sohn Clemens im Examen weder von Herrn Becker noch

von Herrn Geller geprüft worden ist. Die von mir damals getroffenen Maßnahmen zur Reform des juristischen Prüfungswesens in Nordrhein-Westfalen, die zum Teil auch in einem Landesgesetz ihren Niederschlag fanden, waren eine staatspolitische Notwendigkeit erster Ordnung.

Friedenweiler DR. RUDOLF AMELUNXEN

Ministerpräsident a. D.

Ich will Ihnen eine Fabel erzählen. Bei afrikanischen Negerstämmen mußten im 18. Jahrhundert alle jungen Männer, die Krieger werden wollten, prüfungshalber einen Affenbrotbaum erklettern. Der Stamm der Swazis hatte den höchsten Baum - so hoch, daß zahlreiche Kandidaten vor Erreichen der Baumspitze herunterpurzelten. Der Häuptling der Swazis, der den Kriegernachwuchs gefährdet sah, wollte gern die Baumkrone kappen, damit die Jungneger nicht mehr so hoch klettern müßten. Da aber ein gewisser Mtoto, der Sohn des Häuptlings, sich auch auf die Prüfung vorbereitete, beschloß sein Vater, den Baum vorerst unverkürzt stehenzulassen. Und erst als Mtoto die Spitze erreicht und die Prüfung bestanden hatte, wurde die Baumkrone abgehauen. Die alten Weisen der Swazis, aber lobten den Häuptling, weil er gerecht gehandelt habe.

Düsseldorf DR. CLEMENS AMELUNXEN

Amelunxen

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