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Fall-Taktik

aus DER SPIEGEL 52/1970

Mit einem diplomatischen Kunstgriff versuchen die Sowjets die Vier-Mächte-Gespräche über Berlin voranzubringen. Am letzten Donnerstag wurde in Bonn bekannt, daß Sowjet-Botschafter Abrassimow bei den Gesprächen am 10. Dezember einen Kompromiß-Vorschlag gemacht hat, der die von der DDR abgelehnten Auftragsverhandlungen zwischen beiden deutschen Staaten über den Berlin-Verkehr für den Fall überflüssig machen soll, daß sich Bonn nicht doch noch zu Gesprächen ohne förmlichen Auftrag bereitfinden sollte. Abrassimow sprach -- laut westlichen Diplomaten -- von der Möglichkeit einseitiger DDR-Maßnahmen auf den Zufahrtswegen, die dann von den vier Mächten -- als »in Übereinstimmung mit den Vier-Mächte-Beschlüssen über West-Berlin getroffen« -- zum Bestandteil der neuen Berlin-Regelung gemacht werden könnten. Die DDR ist bereit, im Transit-Verkehr auf die Kontrolle von Warentransporten zu verzichten und die Lastzüge zu plombieren. Die Kontrolle des Personenverkehrs soll auf einfache Identitäts-Überprüfung begrenzt werden. Außerdem will sich die DDR verpflichten, keine Reisenden mehr zu verhaften. Das Recht, einzelnen Personen die Durchreise zu verbieten, will sich Ost-Berlin allerdings nicht nehmen lassen.

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