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Briefe

Falsch programmiert
aus DER SPIEGEL 22/1972

Falsch programmiert

(Nr. 19/1972, Ingenieursflucht bei der Post)

Was ist mit dem SPIEGEL los? Hat er seine Saure-Gurken Zeit? Oder ist das Thema »Miese Gage« für Ingenieure im öffentlichen Dienst wirklich so aktuell, daß es sich für den SPIEGEL lohnt, sich damit zu befassen? Ich meine, ja! Die zunehmende Unzufriedenheit ist nicht nur bei den Post-Ingenieuren, sondern bei allen Ingenieuren im öffentlichen Dienst anzutreffen, also für den SPIEGEL -- Anwalt aller Getretenen, Entrechteten und Unzufriedenen -- ein dankbares Feld der Beackerung und des publizistischen Beistandes.

Münster (Nrdrh.-Westf.) HEINZ MASSMANN

1. Vorsitzender des VDPI

Als Ingenieur bei der Deutschen Bundespost kann ich Ihrem Artikel nur beipflichten und mich wundern, mit welcher Gelassenheit Postkunden diese Zustände hinnehmen.

Recklinghausen (Nrdrh.-Westf.) H. WAHL

Der Kern Ihres Artikels trifft den Nagel auf den Kopf und steht im krassen Widerspruch zu den Werbeplakaten der Post, die in poppiger Aufmachung den Ahnungslosen animieren; Programmiere Deine Zukunft als Ingenieur bei der Bundespost. Bei der gegenwärtigen Besoldungsordnung kann man nur jeden Studienwilligen, der noch nicht in die Stipendienabhängigkeit geraten ist, warnen: Ingenieur bei der Post -- falsch programmiert.

Hamburg LUTZ PETEREIT MANFRED RUNKEL KLAUS VETTER

Paragraph 22 der Bundeslaufbahnverordnung fordert als Einstellungsvoraussetzung für den gehobenen Verwaltungsdienst lediglich die mittlere Reife, für den gehobenen technischen Dienst -- also gleiche Einstufung -- jedoch zusätzlich zwei Jahre Industriepraktikum und sechs Semester Studium oder neuerdings die Fachhochschulreife (zwei zusätzliche Schuljahre) und sechs Semester Studium. Eine offensichtliche Ungerechtigkeit, gegen die die Ingenieure der Bundespost seit Jahren vor tauben Ohren protestieren. Da sich mit solchen Bedingungen auf dem freien Arbeitsmarkt kein Ingenieur ködern läßt, bietet die Post schon Schülern Stipendien-Vertrage gegen achtjährige Dienstzeitverpflichtung an. Bis der hoffnungsfrohe Jung-Ingenieur im Beamtenrechts-Dschungel erkennt, worauf er sich eingelassen hat, sitzt er schon mit 15000 bis 20 000 Mark Schulden in der Falle.

Teheran (Iran) K. THIESEMANN

Der Artikel ist nur zu unterstreichen! Die Ingenieure bei der Bundespost sind heute noch Einstellungsvoraussetzungen unterworfen, die dem Ausbildungsstand in keiner Weise Rechnung tragen. Die Behörde vergleicht Laufbahnen des nichttechnischen und technischen Dienstes, obwohl Tätigkeitsmerkmale und Berufsvorstellungen völlig voneinander abweichen. Es werden hier Maßstäbe angewandt, die in den Einzugsjahren der Technik noch hingenommen werden konnten, aber durch die Entwicklung schon längst überholt sind.

Karlsruhe RUDOLF GUSHURST

Ing. grad.

Die Post ist leider mit ihrem Besoldungs- und Laufbahnwesen in der Zeit des Generalpostmeisters Heinrich von Stephan stehengeblieben. Die berechtigten Forderungen der Ingenieure sind wahrscheinlich in der jetzigen Zeit nur noch mit radikalen Mitteln durchzusetzen.

Nieder Mörlen (Hessen) EDGAR BRENDEL

Ing. grad.

Wie von Ihnen eindrucksvoll dargestellt, ist die Besoldung der im öffentlichen Dienst stehenden Ingenieure Ursache für den teilweise erheblichen Personalfehlbestand. Daß auf Grund dieser Umstände auch Außenstehende in Mitleidenschaft gezogen werden (zum Beispiel: Antragsteller auf Telephonanschluß), ist bedauerlich. Dieses brauchte nicht der Fall zu sein, wenn das Ergebnis einer besonders geförderten Bildungspolitik mit einer angemessenen Vergütung parallel laufen würde. Wie anders wäre es wohl sonst zu verstehen, daß zum Beispiel von 900 direkt angeschriebenen Ingenieuren im bayrischen Raum nicht einer der werbenden Behörde auch nur geantwortet hat?

Hamburg OSKAR MEYER

Vorsitzender des Zentralverbandes der Ingenieure des öffentlichen Dienstes e. V.

Hier wird wohl wieder mal gespart -- koste es, was es wolle.

Darmstadt (Hessen) GERHARD RICHTER

Zur Ehre der für die Post politisch Verantwortlichen und auch der des Innenministeriums sollte auch gesagt werden, daß eine zeitgemäße Besoldung der Ingenieure im öffentlichen Dienst bislang weniger an der Ignoranz dieser Herren als vielmehr am Widerstand der sich aus gehobenen Verwaltungsbeamten und Juristen im höheren Staatsdienst zusammensetzenden Ministerialbürokratie -- vornehmlich im Innenministerium -- gescheitert ist. Denn diese um den Status quo im Besoldungsgefüge wachenden Herren können sich nicht daran gewöhnen, daß die nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte Einstufung der Ingenieure in das Besoldungsgefüge des öffentlichen Dienstes auch dadurch nicht »richtiger« geworden ist, daß sich die Ingenieure das 40 Jahre lang haben gefallen lassen -- eben weil sie allein durch ihre Tätigkeit zu Teamwork und Kooperation viel stärker neigen als zum verwaltungstechnischen Heckenschützenkönig.

Darmstadt (Hessen) EBERHARD PAULI

Die Hauptschuld liegt meines Erachtens beim Innenminister, der einfach die Bedeutung der Ingenieure nicht erkennen und wahrhaben will. Besonders verwunderlich ist diese Tatsache, wenn man bedenkt, daß der gleiche Minister dem Umweltschutz so große Bedeutung beimißt. Will er etwa den Umweltschutz ohne Ingenieure erreichen?

Münster (Nrdrh.-Westf.) WOLFGANG DRESSLER

Nach dem Artikel über die Personalmisere bei der Bundespost muß ich mich wohl bei dieser bedanken, daß meinem Telephonantrag bereits nach eineinhalb Jahren Wartezeit entsprochen werden soll.

West-Berlin INGEBORG SCHMID

Arbeitsplatzwahl für Ingenieure (grad.): Nie Bund oder Länder. Ausnahme: a) Geld spielt keine Rolle; b) Beschäftigung sonstwo nicht möglich; c) persönliche Leistungsfähigkeit geschmälert.

Köln OTTO DEMMER

Wahrscheinlich werden wir in spätestens fünf Jahren bei der weiter steigenden Abwanderungsquote von Postingenieuren und der damit verbundenen Telephonmisere die ersten Buschtrommler Europas sein.

Darmstadt (Hessen) HEINZ DIETER RUDOLPH

Falls noch mehr Ingenieure die Post verlassen, werden vielleicht statt Fernsprechbücher bald Signalflaggen verteilt.

West-Berlin GISELA STIELER

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