Zur Ausgabe
Artikel 11 / 108
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

KRIMINALITÄT Falsche Ärzte

aus DER SPIEGEL 9/2007

Beschäftigte von Deutschlands größter Zeitarbeitsfirma Randstad und etlichen anderen Unternehmen sind jahrelang von einem Maurer, einem Bäcker und mindestens vier anderen ärztlichen Laien medizinisch begutachtet und behandelt worden. Die angeblichen Ärzte standen im Dienst des 1991 gegründeten Recklinghausener Werksarztzentrums, das pro Monat mehrere tausend Menschen in ganz Deutschland untersucht hat und mit Dumpingpreisen zum Marktführer aufstieg. Zu den Auftraggebern des Zentrums zählen neben Randstad auch die Firmen Coca-Cola, Degussa und Manpower. Die falschen Mediziner nahmen etlichen hundert Menschen Blut ab, schrieben Krankenscheine aus und führten Impfungen durch. Die dafür nötigen Handgriffe brachten sie sich bei »privaten Spritzenkursen« im Selbstversuch bei. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung und wirft dem Gründer des Werksarztzentrums, Roland S., zudem Abrechnungsbetrug und Steuerhinterziehung vor. Sein Anwalt Thomas Hermes erklärt zu den Vorwürfen der Körperverletzung, einige Auftraggeber hätten »nicht explizit nach einem Arzt verlangt«. S., der in Untersuchungshaft sitzt, wurde für sein unternehmerisches Engagement mehrfach ausgezeichnet und unterhält eine Wagenflotte, zu der ein Bentley, ein Ferrari und etliche andere Luxuskarossen zählen.

Zur Ausgabe
Artikel 11 / 108
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.