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MODERNES LEBEN Falsche Freunde

aus DER SPIEGEL 42/1992

Sie glitzern, aber als Geldanlage taugen sie nicht, und aus gutem Grund hat die gierige Lorelei Lee in »Blondinen bevorzugt« für falsche Klunker nur Verachtung übrig: Diamanten seien eines Mädchens beste Freunde - »I don't mean rhinestone«; Straß akzeptiert sie nicht. Vivienne Becker, Expertin für Modeschmuck, sieht das anders. Unechtes Geschmeide, das um die Jahrhundertwende bereits seine erste Blüte erlebte, sei als Ausdruck weiblicher Emanzipation zu werten: Die Frau werde nicht mehr als »wandelndes Schaufenster« und Ausstellungsstück männlichen Reichtums benutzt, sondern dürfe sich endlich an der schieren Ästhetik erfreuen - nur »der künstlerische Inhalt« zähle. Mehr als 600 Objekte, von der Jugendstil-Gürtelschnalle aus vergoldetem Messing bis zum Acryl-Armband der neunziger Jahre, sind vom 16. Oktober bis zum 10. Januar 1993 im Kölner Museum für Angewandte Kunst zu sehen. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, wie die Organisatoren glauben: Modeschmuck sehen sie als »symbolischen Ausdruck modernen Lebens«.

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