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GROSSBRITANNIEN Fass ohne Boden

aus DER SPIEGEL 41/2003

Während das Verteidigungsministerium über die Kosten der Invasion und Besatzung des Irak eisern schweigt, hat jetzt das renommierte Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) eine Untersuchung zu dieser Frage vorgelegt. Demnach werden die drei Milliarden Pfund (4,3 Milliarden Euro), die Schatzkanzler Gordon Brown im März für den Regimewechsel im Irak eingeplant hatte, spätestens Ende November verbraucht sein. »Jeder weitere Monat«, sagt der Londoner IISS-Verteidigungsökonom Mark Stoker, »kostet den Steuerzahler mindestens 100 Millionen Pfund.« Nach seinen auf früheren britischen Kampfeinsätzen basierenden Berechnungen habe die Vorbereitung der Invasion umgerechnet rund eine Milliarde Euro gekostet, der Krieg selbst weitere 2,3 Milliarden. Dabei halten die Briten ihre 15 000 im Irak stationierten Soldaten, die gerade um 2500 Mann verstärkt werden, ohnehin kurz. Sie kosten pro Kopf nicht einmal halb so viel wie ihre mit hohen Risikozulagen bedachten und relativ luxuriös untergebrachten amerikanischen Waffenbrüder. Während Premier Tony Blair die Vermutung, die Besatzung könnte sich über fünf Jahre hinziehen, gerade zurückgewiesen hat, ist der IISS-Experte skeptischer. »Im gesamten nächsten Jahr wird es sicher keine finanzielle Entlastung geben«, prognostiziert Stoker. Er verweist darauf, dass etwa im Kosovo viereinhalb Jahre nach dem Ende der Kämpfe noch immer Nato-Soldaten stationiert seien. In die Bredouille bringen die Besatzungslasten insbesondere Brown, der bereits Investitionen in Schulen und Krankenhäusern mit rekordverdächtiger Neuverschuldung finanzierte, aber gleichzeitig vergangene Woche auf dem Labour-Parteitag versicherte, er werde dafür sorgen, dass die Truppen im Irak »nicht schutzlos und schlecht ausgerüstet« dastünden. Labour-Kritiker dagegen halten den schwer kalkulierbaren Irak-Einsatz für »in hohem Maße Besorgnis erregend«.

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