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»Feierliches Glockengeläute angeordnet«

Wie führende deutsche Katholiken Hitler und den Krieg priesen
Von Rudolf Augstein
aus DER SPIEGEL 43/1997

Die für die Gefangenen bestellten Geistlichen werden selbstverständlich nicht in das Gebiet des Untersuchungsrichters eingreifen, vielmehr den Sträfling zur absoluten Wahrhaftigkeit und Anerkennung der staatlichen Obrigkeit verpflichten und so zur inneren Umstellung und Besserung der Gefangenen mithelfen. Wir Bischöfe bitten Sie, Herr Reichskanzler, das grausame, eines Kulturstaates unwürdige Beichtverbot aufzuheben ...

Die deutschen Bischöfe an Hitler am 20. August 1935, nachdem Heydrich die Ohrenbeichte in Gefängnissen und KZ verboten hatte

Die Besichtigungsfahrt wurde im Lager Aschendorfer Moor beendet, wo der Bischof in der schön ausgeschmückten Vortragsbaracke, in der man einen Altar aufgebaut hatte, eine Ansprache an die Gefangenen hielt, in der er die durch den Glauben auferlegte Pflicht zum Gehorsam und zur Treue gegenüber Volk und Staat besonders hervorhob. Zum Schluß seiner Ansprache brachte er ein dreifaches Sieg-Heil auf Führer und Vaterland aus.

Die »Kölnische Volkszeitung« Nr. 182 vom 4. Juli 1936 über den Besuch Bischof Wilhelm Bernings in den Konzentrationslagern seiner Diözese

Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat den Anmarsch des Bolschewismus von weitem gesichtet und sein Sinnen und Sorgen darauf gerichtet, diese ungeheure Gefahr von unserem deutschen Volk und dem Abendland abzuwehren. Die deutschen Bischöfe halten es für ihre Pflicht, das Oberhaupt des deutschen Reiches in diesem Ansinnen mit allen Mitteln zu unterstützen, die ihnen aus dem Heiligtum zur Verfügung stehen.

Gemeinsames Hirtenwort der deutschen Bischöfe vom 24. Dezember 1936

Die Großtat der Sicherung des Völkerfriedens gibt dem deutschen Episkopat Anlaß, Glückwünsche und Dank namens der Diözesanen aller Diözesen Deutschlands ehrerbietigst auszusprechen und feierliches Glockengeläute am Sonntag anzuordnen.

Telegramm der Deutschen Bischofskonferenz an Hitler zum Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei am 1. Oktober 1938

In dieser entscheidungsvollen Stunde ermuntern und ermahnen wir unsere katholischen Soldaten, in Gehorsam gegen den Führer, opferwillig unter Hingabe ihrer ganzen Persönlichkeit ihre Pflicht zu tun. Das gläubige Volk rufen wir auf zu heißem Gebet, daß Gottes Vorsehung den ausgebrochenen Krieg zu einem für Vaterland und Volk segensreichen Erfolg und Frieden führen möge.

Die deutschen Bischöfe im »Martinusblatt« vom 17. September 1939

... namens der Oberhirten aller Diözesen Deutschlands Ihnen zum Geburtstag die herzligsten Glückwünsche darzubringen. Es geschieht das im Verein mit den heißen Gebeten, die die Katholiken Deutschlands am 20. April an den Altären für Volk, Heer und Vaterland, für Staat und Führer zum Himmel senden.

Kardinal Adolf Bertram, Erzbischof von Breslau, in einem Gratulationsschreiben an Hitler zu dessen 51. Geburtstag am 20. April 1940

Gerade als Christen sind wir entschlossen, unsere ganze Kraft einzusetzen, damit der endgültige Sieg unserem Vaterland gesichert werde. Gerade als gläubige, von der Liebe Gottes durchglühte Christen stehen wir treu zu unserem Führer, der mit sicherer Hand die Geschicke unseres Volkes leitet.

Von Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes, gelobter Hirtenbrief des Ermländer Bischofs Maximilian Kaller am 25. Januar 1941

Damit komme ich zum Trost, den wir gerade am heutigen Tag brauchen, aber auch zur besonderen Ehrung, die wir unseren gefallenen Kriegern schulden ... Sie wollten in einem neuen Kreuzzug mit dem Feldgeschrei »Gott will es« den Bolschewismus niederringen, wie es vor wenigen Jahren der spanische Befreier Franco in einer Rede zu Sevilla mit christlicher Zielsetzung rühmte. Für Europa starben sie, um die drohende rote Flut abzuwehren und einen Schutzwall zu bilden für die ganze westliche Welt.

Hirtenbrief von Clemens August Graf von Galen, Bischof von Münster, am 15. März 1942

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