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Briefe

FEINDFLUG
aus DER SPIEGEL 47/1963

FEINDFLUG

Daß Hitler seinen Freund Heß angestiftet hat, in England per Fallschirm Frieden zu machen, erscheint mir nicht so unwahrscheinlich. Dieser fabelhafte Führer hat die Briten ja schon falsch eingeschätzt, als er glaubte, sie würden erst gar nicht in den Krieg ziehen.

Bremerhaven ALBERT PETERSEN

... läßt sich darüber streiten, ob Heß wirklich ein so getreuer Gefolgsmann

Hitlers gewesen war, als er sich auf nach England machte. Das sollten die Alliierten sich einmal durch den Kopf gehen lassen. Denn es gäbe dann keine ernsten Gründe dafür, einen solchen Mann bis an sein Lebensende gefangenzuhalten.

Hollywood (USA) INGALA EISENKRÄMER

Es war im Januar oder Februar 1941, als ein höchstpersönliches Schreiben eines »Adjutanten des Stellvertreters des Führers« auf meinem Schreibtisch in der »Reichsstelle für Lederwirtschaft« landete (ich war damals Leiter der Abteilung Verbraucher-Schuhversorgung). In dem Brief wurde um eine Sondergenehmigung für ein Paar pelzgefütterte, elektrisch beheizbare Fliegerstiefel gebeten. Grund: Dem Stellvertreter sei bei seiner aufreibenden Tätigkeit ärztlich Ausgleichsflugsport in großen Höhen verordnet worden, für den solches Schuhwerk unentbehrlich sei.

Der Antrag konnte nicht abgelehnt werden: Der Amtschef, der Reichsbeauftragte für Lederwirtschaft, hatte auf ihm durch ein großes »Ja« mit dem dicken Behördenleiter-Grünstift die Bewilligung bereits verfügt; wohl oder übel mußte ich sie erteilen.

Gedanken allerdings durfte ich mir machen über die mir (bis zum 10. Mai) unerfindlichen Gründe für das eigenartige und für Heß langwierige Verfahren, hätte er doch meines Erachtens auch alles etwa Erforderliche als »Stellvertreter des Führers« schnell durch eine bloße Weisung an den »Reichsschatzmeister der NSDAP« aus dem guten Lederkontingent der Partei erhalten können.

Bonn WERNER LÜPKE

... dürften die folgenden Ausführungen des früheren Leiters der Auslandsorganisation der NSDAP, Gauleiter E. W. Bohle, von Interesse sein. Bohle: »Er (Rudolf Heß) bat mich, ihm bei der Abfassung seines Briefes an den Herzog von Hamilton zu helfen. Ich schlug vor, einen Frieden auf Grund der Situation von 1939 anzuregen, mit Besprechungen über die deutschen Kolonien usw. Heß versprach mir, mich nach England mitzunehmen, wenn er nicht allein fliegen sollte. Aber er landete allein in Schottland. Als offiziell festgestellt wurde, daß ich den Friedensappell übersetzt hatte, geriet Hitler in eine fürchterliche Wut. Jedermann rechnete mit meiner Hinrichtung. Aber dann erfuhr ich, daß Hitler alle Absichten seines Stellvertreters gekannt und ihm versprochen hatte, mich nicht zu bestrafen, wenn er Heß verleugnen mußte. Hitler war ein ausgezeichneter Schauspieler.«

Bingen WOLFGANG DELFS-FRITZ

Schade, daß wir deutschen Rußland -Soldaten nach Stalingrad 1943 - als die Stalin-Verbündeten im Westen noch keine Invasion gemacht hatten - nicht unsere Ostfront geöffnet und die Russen bis an den Ärmelkanal und Atlantik haben durchrollen lassen! Das wäre die richtige Antwort gewesen auf die hochmutige englische Zurückweisung deutscher Friedensvorschläge und auf das 1941 begonnene Verbrechen an dem selbstlosen Heß.

Oldenburg (Oldenb.) H. YORCK

Unter dem Bild meines Vaters Karl Haushofer steht sein Name und der Untertitel »Parteigenosse Nr. 7 ...« Wer nicht wüßte, daß Parteigenosse Nr. 7 eben Adolf Hitler war, könnte durch diese Betitelung des Bildes auf die Idee kommen, dieser Parteigenosse sei Karl Haushofer gewesen. Durch Anrufe von SPIEGEL-Lesern ist mir bestätigt worden, daß dieser Eindruck hier und da entstanden ist. Es ist also wohl gerechtfertigt festzustellen, daß Karl Haushofer aus zwingenden Gründen überhaupt nie Parteigenosse gewesen ist.

Im Text steht ferner, daß Albrecht Haushofer, wie sein Vater, bis 1944 von den Nazis unbehelligt blieb. In Wirklichkeit war Albrecht Haushofer bereits am 17. Mai 1941 in Berlin von der Gestapo verhaftet worden und blieb bis zum 14. Juli 1941 dort in Haft. Karl Haushofer wurde vom 17. bis 21. Mai 1941 zu Vernehmungen nach Berlin geholt.

Die Familie Haushofer stand von da an unter besonderer Post- und Telephonkontrolle. Meine Mutter schrieb in ihr

Tagebuch: »Folgen des Abflugs von R. H. machen sich geltend, teils in negativen, aber auch teils in positiven Erfahrungen mit anhänglichen und über Erwarten treuen Menschen.« Die Vorgeschichte der späteren Ermordung Albrecht Haushofers begann schon mit dem Flug von Heß.

Hartschimmelhof DR. HEINZ HAUSHOFER

... glaube ich, daß mit der Unterschrift »Parteigenosse Nr. 7 ...« unter dem Bild meines Großvaters Karl Haushofer in unfairer Weise ein falscher Eindruck herbeigeführt wird. Wer den Artikel liest, erfährt zwar, daß dies in Wirklichkeit Adolf Hitler war. Für den oberflächlichen Betrachter, besonders nachdem der auf selber Seite abgebildete Rudolf Heß tatsächlich Parteigenosse Nr. 16 war, bleibt's beim ersten Eindruck. Mein Großvater war nie Parteigenosse und hätte es sich auch verbeten, als solcher bezeichnet zu werden.

München RAINER HAUSHOFER

Heinz Haushofer

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