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FERNSEH-GERICHT.

aus DER SPIEGEL 4/1966

Im Hamburger NDR-Funkhaus hat sich gegen den Intendanten Gerhard Schröder (SPD) eine Fronde formiert. Führende Mitarbeiter haben die Amtsführung und das menschliche Verhalten des NDR-Chefs beanstandet: Schröders Gebaren habe ihr Vertrauen zur Anstaltsleitung erschüttert. Ausgelöst wurde der Hauskrach unter anderem durch einen Zwist zwischen Intendant Schröder und NDR-Programmdirektor Dr. Hans Arnold. Nach dem Verbot der Satire »Hallo Nachbarn!« - an dem Schröder mitbeteiligt war - hatte Arnold den Vize-Intendanten Freiherrn von Hammerstein-Equord (CDU) telephonisch um ein vertrauliches Gespräch mit ihm und dem Leiter der Hauptabteilung Zeitgeschehen, Joachim Fest, gebeten. Dieses Telephonat war jedoch vom Hammerstein -Sekretariat in das Zimmer des Intendanten Schröder durchgestellt worden, wo der Vize mit seinem Chef plauderte. Während Arnold sich allein mit dem Stellvertreter verbunden glaubte, hörte Schröder über eine eingeschaltete Lautsprecheranlage mit. Von Schröder später zur Rede gestellt, antwortete der Programmdirektor ausweichend. Nach eigener Darstellung entgegnete darauf der Intendant: Er, Schröder, habe doch das Gespräch mit dem Freiherrn von Hammerstein mitgehört. Arnold aber vernahm es anders: Nicht von mithören, sondern von »mitgeschnitten« sei die Rede gewesen. Der NDR-Verwaltungsrat will jetzt klären, ob der NDR-Chef Telephongespräche seiner Mitarbeiter auf Tonband festhält. Die Schröder -Gegner glauben ihrem Programmdirektor und wollen gegenüber dein Verwaltungsrat erklären, daß die Basis für eine gedeihliche Zusammenarbeit mit dem Intendanten nicht mehr gegeben ist.

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