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PALMOLIVE Feuer an Bord

aus DER SPIEGEL 41/1966

An den Haken der Hochseeschlepper »Atlantic« und »Pacific« schlingert ein vom Feuer verwüsteter Luxusdampfer zum Abwracken gen Hamburg. Die 30 000 Tonnen große »Hanseatic«,

die am 7. September im New Yorker Hafen acht Stunden lang brannte, wird gerade rechtzeitig zu ihrer eigenen Auferstehung als westdeutscher Fernsehstar in der Heimat eintreffen.

Denn ein großangelegter Werbe-Feldzug für ein neues Rasierwasser »Hanseatic« der Hamburger Firma Palmolive konnte nicht mehr gestoppt werden. Mehr als eine Million Mark haben die Palmolive-Manager bereits in Produktion und Werbung investiert; auf den Packungen, in Anzeigen und Fernsehspots spielt das Geisterschiff unübersehbar die Star -Rolle. Motto: »Hanseatic Rasierwasser für Männer, die den Kurs bestimmen.«

Mit dem geborgten Glanz des zweitgrößten deutschen Passagierschiffes hatte sich das Seifen- und Reinigungsmittelunternehmen endlich einen guten Platz im deutschen Duftgeschäft erobern wollen. Von den 60 Millionen Mark, die westdeutsche Produzenten im vergangenen Jahr für Rasierwasser einnahmen, war für die Firma kaum etwas abgefallen. Das Palmolive-Rasierwasser (Marktanteil: unter zwei Prozent) war den Verbrauchern nicht fein genug; auf Befragen brachten sie es mit Bauern und Briefträgern in Verbindung.

Ein neues und teures Palmolive-Sortiment mit dem Markennamen »007« kam Ende 1965 gerade in einem Abschwung der Bond-Welle. Nach gutem Anfangserfolg versackte es wieder.

Die Romantik des Ozeandampfers erschien den Managern als rettender Ausweg. Am 21. Februar dieses Jahres trafen sie sich mit Axel Bitsch-Christensen, dem Hamburger Reeder der »Hanseatic«, im Anglo-German Club an der Alster zum Kontaktgespräch. Gegen das Versprechen, die Werbung werde dem Niveau des Transatlantik-Liners angepaßt, gab Bitsch-Christensen den Wasserfabrikanten freie Fahrt.

Heute, da der Werbestar Kurs auf das Abwrack-Dock nimmt, bleibt den Werbestrategen nur eine vage Hoffnung auf eine neue »Hanseatic«. Ankerplatz dieser Hoffnung: Wolfram Diebitsch, Mitinhaber der Agentur Markenwerbung International und zuständig für die »Hanseatic«-Kampagne, ist Nachbar von Bitsch-Christensen in Hamburgs Elbvorort Rissen und einer von 212 privaten Geldgebern, die den geplanten Passagierschiff-Neubau des Reeders mit insgesamt 30 Millionen Mark mitfinanzieren helfen.

Das neue Schiff soll zwar nach dem Willen des Hamburger Senats, der für ein Drittel der Baukosten bürgt, »Hamburg« heißen. Aber die privaten Spender treffen sich Mitte dieses Monats und werden möglicherweise einen anderen Namen vorschlagen. Palmolives Produktchef Dr. Peter Arends: »Es liegen der Reederei viele Telegramme und Briefe vor, die energisch fordern, daß der traditionsreiche Name ,Hanseatic' erhalten bleibt.«

Brennende »Hanseatic« in New York

Ein Geisterschiff für Männer ...

»Hanseatic«-Anzeige von Polmolive

... die den Kurs bestimmen

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