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FIAT 850 COUPÉ: PORSCHE-VERSCHNITT AUS TURIN

Der SPIEGEL veröffentlicht die Ergebnisse einer Untersuchungsreihe, in der Jeweils 3000 Automobilbesitzer über Vorzüge und Mangel der von ihnen gefahrenen deutschen und ausländischen Modelle befragt werden. Die sechsundzwanzigste Umfrage gilt dem Fiat 850 Coupé. Die befragten Coupé-Besitzer haben mit ihren Wagen in 14 Monaten durchschnittlich 21 498 Kilometer zurückgelegt.
aus DER SPIEGEL 49/1967

Fiats Klein-Coupé ist trotz beachtlicher Fahrleistungen ganz sicher kein Objekt für Sportfahrer aus Überzeugung. Sie bespötteln den Westentaschen-Gran-Turismo aus Turin als »Porsche-Verschnitt«.

Um so begeisterter reagierten jene Automobilisten, denen sportlicher Look und ein günstiger Preis mehr bedeuten als atemraubende Beschleunigung. Ihnen geht die Form über alles -- unter den Kaufgründen war das gefällige Blechkleid mit nicht weniger als 86,6 % stärkstes Erwerbsmotiv.

»In dieser Klasse«, erläuterte eine Architektin, »ist er der einzige Wagen, der meinem Formgefühl entspricht.« Der Markterfolg des 850er-Coupés erklärt sich dennoch nicht allein aus seiner »Stilsicherheit in der Formgestaltung« (so ein Dekorateur), seiner »gelungenen«, »bildschönen« und »sportlichen« Linienführung. Zusätzlich honorierten die Käufer, daß es sich bei dem Fahrzeug um eine »eigenständige Konstruktion aus einem Guß« handelt und nicht -- wie bei vielen anderen Herstellern -- um eine »auf Coupé gequälte Limousine

Viele sehen darin so etwas wie ein Gütesiegel für ein eigenes sportliches Image, unter dem sie ihre Vorstellungen vom sportlichen Fahren verwirklichen können. Für sie ist das Fiat-Coupé daher »keineswegs ein Talmi-Sportwagen«, wie ein Zahnarzt formulierte.

Das Gewicht dieser Kaufüberlegungen wird durch den ungewöhnlich großen Abstand zum zweiten Kaufgrund deutlich: 44,2 % betrachteten das Fiat-Coupé als sportliches Fahrzeug von besonderer Wirtschaftlichkeit. Es verhieß ihnen mit niedrigen Steuern, relativ mäßigen Versicherungskosten und sparsamem Verbrauch Fahrleistungen bis in den Bereich der Mittelklasse*. Weitere 40,6 % verlockte der günstige Kaufpreis. Für dieses Geld gäbe es »kein vergleichbares Auto an Wirtschaftlichkeit, Fahrvergnügen, Qualität und Leistung«. Die zweckmäßige Ausstattung war für 28,6 % ein Kaufmotiv. Bei einem so preiswerten Sportwagen überzeugen in der Tat sportgerechte Schalensitze, ein Sport-Lenkrad, ein gut ablesbarer Tachometer und ein sportlich kurzer Schaltknüppel mehr als variable Scheibenwischergeschwindigkeiten, ausreichende Ablagemöglichkeiten und Verstellbarkeit von Sitzlehnen.

Ohne nähere Erläuterungen nannten 28,1 % »Sportlichkeit« als Kaufgrund -- offenbar ein von Gefühlen und Vorstellungen bestimmtes Argument: Die Aura der Sportlichkeit in einem aggressiv-sportlich wirkenden Auto (bevorzugte Farbe: Rot) hebt den Besitzer vom Limousinenfahrer ab.

19,6 % erwarben den Wagen wegen seiner mehr als 135 km/h Höchstge-

* Die angegebenen Prozentzahlen ergeben eine größere Summe als 100, weil oft mehrere Kaufgründe angeführt werden. Das gilt auch für andere Punkte der Befragung.

schwindigkeit -- dem ersten technischen Kaufgrund. 17,4 % waren von der allgemeinen Leistungsfähigkeit des Zweisitzers beeindruckt. 17,0 % waren auf ein rasch beschleunigendes, 13,0 % auf ein handliches und wendiges Fahrzeug erpicht. 12,5 % hatten sich wegen des sparsamen Motors zum Kauf entschlossen.

Die weiteren Kaufgründe:

geringe Außenabmessungen (10,3 %);

gute Fahreigenschaften (8,9 %);

die Tatsache, daß der Fiat ein echter Zweisitzer ist -- »ideal für zwei, die ohne Verwandtschaft verreisen wollen« (7,1 %);

Qualität der Verarbeitung (6,7 %).

Im Fahrbetrieb erwies sich der Wagen, wie erwartet, als sparsam im Benzinverbrauch:

Rund ein Drittel der befragten Besitzer kam mit weniger als acht Liter Super-Benzin auf 100 Kilometer aus. Auch der Durchschnittswert aller Verbrauchsangaben liegt mit 8,32 Liter Super-Benzin auf 100 Kilometer recht niedrig.

Die Straßenlage halten 86,2 % der Befragten für gut oder gar für ausgezeichnet:

Doch selbst Verteiler von Bestnoten machen kritische Einschränkungen. Sie gelten einem Umstand, zu dem ein Studienreferendar anmerkte: »Ungünstige Achslastverteilung und zu schmale Spur ergeben keine optimale Straßenlage.« Vor allem wenden die Besitzer ein, das Coupé sei »spürbar seitenwindempfindlich«. Außerdem macht sich »in scharf gefahrenen Kurven eine deutliche Übersteuerungstendenz« bemerkbar. In diesen Fällen neige das Heck zum Ausbrechen, was nur durch bestimmte Fahrtricks, etwa durch »gefühlvolles Gegensteuern«, zu verhindern sei.

In Selbsthilfemaßnahmen hat sich freilich gezeigt, daß die ungünstigen Eigenschaften des Wagens gemindert werden können. So

meint ein Maschinenbautechniker, die »vom Heckmotor bedingte Seitenwindempfindlichkeit kann durch 20 kg Gepäck (im vorderen Kofferraum) ausgeglichen werden«. Andere kommen mit Ballast wie Sandsäcken und Eisenplatten (bis zu 40 Kilogramm Gewicht) im Fiat-Bug zu ähnlichen Resultaten. Aufwendige Maßnahmen scheinen ergiebiger zu sein, vor allem das Umrüsten auf Gürtelreifen.

Bei der Beurteilung der Federung -- -- neigen auch günstig urteilende Besitzer oft zu der Meinung, sie wirke mitunter doch ein wenig zu hart. Manche Fahrer, denen die Federung im Auto-Alltag »gerade richtig« abgestimmt scheint, wünschen sie sich »für lange Strecken etwas weicher«. Außerdem reiche das Schluckvermögen der Federung, besonders vorn, nicht immer aus. Manche fühlen sich von Nickschwingungen belästigt. Die Anmerkung eines Maschinenschlossers verrät die zwiespältige Grundeinstellung einiger Besitzer in diesem Punkt: »Zu hart -- aber wohl richtig für ein Sportauto.«

Mit der ihnen gebotenen Beschleunigung sind die Fiat-Eigentümer offenbar recht zufrieden:

Den Besitzern leuchtet ein, daß bei einem Hubraum von 850 Kubikzentimeter, einer Leistung von 47 PS und einem Gewicht von rund 730 Kilogramm »nicht sehr viel mehr herauszuholen« ist. Ein Diplom-Ingenieur findet die Beschleunigung »absolut gesehen, nicht übertrieben gut, aber für einen 850-ccm-Wagen ist sie recht ordentlich«. Voraussetzung für rasches Beschleunigen ist nach Ansicht vieler Fahrer, das Coupé recht hochtourig zu fahren: »Die reine Anfahrbeschleunigung ist nicht begeisternd, dafür aber ab 3500 Umdrehungen pro Minute um so besser« (so ein Student).

Die erreichbare Geschwindigkeit begutachten die Befragten spürbar zurückhaltend:

Das Werk nennt »über 135 km/h«. als Höchstgeschwindigkeit. Nicht wenige Fahrer berichten, ihr Wagen erreiche und halte 140 km/h, einige überschreiten selbst diese Grenze noch ein wenig. Auf den ersten Blick überrascht, daß die Fahrer trotz derartiger Möglichkeiten zurückhaltend urteilen. Die Anmerkungen verraten den Grund: Längst nicht alle wagen, die erreichbare Höchstgeschwindigkeit über längere Strecken zu fahren. Sie fürchten, die Kühlung reiche bei hohen Dauergeschwindigkeiten nicht aus.

Etlichen Fiat-Fahrern ist die Drehzahl von etwa 6000 Umdrehungen pro Minute bei rund

140 km/h auch rein gefühlsmäßig zu hoch. Sie sorgen sich um die Lebensdauer ihres Motors.

Die Wirkung der Fußbremse findet den uneingeschränkten Beifall der Befragten:

Nur gelegentlich verlangen Fahrer Scheibenbremsen an allen Rädern und insgesamt größere Bremsen. Die Mehrheit ist vollauf zufrieden: »Das Beste am Wagen sind die Bremsen« (so ein Dekorateur). Die Bremsen seien standfest und spurtreu, auch bei Not- und Vollbremsungen.

Um die Lage und Erreichbarkeit der Handbremse ist es beim Fiat-Coupé besser bestellt, als die Prozent-Urteile vermuten lassen: Die Fahrer zeigten sich über einen Mangel vergrämt, der sie böse notieren ließ: »Die Handbremse liegt günstig, aber sie hat keine Kraft.« Es handele sich offenbar »nur um ein Zierstück«. Die Folge: »An einer steilen Straße kann nur mit Vorsicht geparkt werden.« Andere Befragte, denen die Greifkraft genügte, ärgerten sich trotzdem: Die Handbremse müsse »zu oft nachgestellt werden«.

An der Sicht nach vorn hat dagegen kaum einer etwas auszusetzen:

Nur Sitzriesen und langbeinige Fahrer, die ihren Schalensitz weit zurückschieben müssen, klagen über ungünstige Sichtverhältnisse vor der Ampel.

Weniger glücklich sind die Befragten über die Sicht nach hinten:

Viele rügen, was einer der Besitzer so formulierte: »Die Sicht nach hinten mit der schrägen, optisch schönen Heckscheibe ist sehr begrenzt.« Man müsse sich »beim Einparken auf das Gefühl verlassen. Exakte Parkmanöver im Rückwärtsgang seien zumeist »nur bei offener Tür möglich«.

Auch der Außenspiegel gewährt offenbar keine ausreichende Sicht nach rückwärts. Die Fahrer meinen, er wäre »unglücklich angebracht« und sei »zu klein«. Außerdem verstellt er sich leicht, weil die »Rückspiegelbefestigung eine mißlungene Konstruktion ist«.

Auf die Frage nach der vom Scheibenwischer bestrichenen Fläche --

-- reagierten die Fahrer mit handfester Kritik. Sie bemängeln zunächst, daß der linke Wischer nicht weit genug ausschlägt, denn »die linke Wischfläche endet zehn bis 15 Zentimeter vor dem Dachpfosten«. Daher, schrieb ein Angestellter, »habe ich in scharfen Linkskurven das Gefühl, als ob ich unter Wasser fahre«.

Auch der Anpreßdruck der Wischerblätter genügt den Anforderungen der Fahrer nicht. Bei hoher Geschwindigkeit »heben sich die Scheibenwischer von der Scheibe ab«. Außerdem »laufen die Wischer bei starkem Regen zu langsam« (so eine Lehrerin). Umgekehrt verdroß es andere Fahrer, daß die »Scheibenwischer bei Nieselregen unnötig schnell laufen«, wie ein Diplom-Ingenieur notierte. Daher sollte »die Wischergeschwindigkeit am besten stufenlos regelbar sein, mindestens aber zweistufig sein

Ein Ärgernis bildet auch der Scheibenwascher: Der Gummi-Druckknopf stelle »für ein so schnelles Auto eine recht primitive Lösung« dar. Der Druck reiche nicht aus, den Waschstrahl auch bei höherer Geschwindigkeit auf die Scheibe zu bringen. Allgemeine Forderung: Fiat möge das Auto mit einer wirkungsvolleren Waschanlage (pneumatisch oder elektrisch) ausstatten.

Die Gängigkeit und Schaltbarkeit des Getriebes wird sehr unterschiedlich bewertet:

Befragte Besitzer eines Mercedes-Benz 230 SL gaben der Schaltbarkeit ihres Getriebes zwar eine noch schlechtere Note (nur 29,3 % für ausgezeichnet und 39,0 % für gut). Und selbst eingeschworene VW-Fahrer mochten der besten Note beim VW 1300 nur 25,8 % und beim VW 1500 S nur 23,5 % zubilligen. Vom Porsche-Getriebe, das 60,0 % allein für die Höchstnote verbuchen konnte, trennt den kleinen Fiat eine Differenz von rund 22,0 % -- und mindestens elftausend Mark.

Manchen Fahrern ist der knappe Schaltknüppel im Fiat-Coupé immer noch zu lang, anderen kommt die Schaltung »trotz System Porsche ein wenig englisch« vor -- sie sei »etwas schwergängig«. Auch wirke die Schaltung unangenehm »rauh« oder »hart«, für einige Fahrer wiederum »nicht unbedingt störend«.

Einig hingegen sind sich die Befragten in ihrer Kritik am ersten Gang und am Rückwärtsgang. Die Synchronisation des ersten Gangs sei »unbefriedigend«, da sie das Schalten häufig »nur bei stehendem Wagen, nicht aber bei langsamer Geschwindigkeit« zulasse. Der Rückwärtsgang dagegen scheint besonders weiblichen Fiat-Besitzern wegen des erforderlichen Kraftaufwands Schwierigkeiten zu bereiten.

68,8 % der befragten Fiat-Besitzer halten den Wendekreis (9,60 Meter) für erfreulich klein, 30.2 % bezeichnen ihn als ausreichend, und nur 1,0 % glauben, er sei zu groß. Beim vollen Einschlagen der Lenkung haben einige Coup& Besitzer gelegentlich bemerkt, daß die »Reifen am Blech schaben«.

Die Beurteilungsprozente für die Lage der Bedienungsschalter sind gute Durchschnittswerte:

Nicht wenige beklagen sich gleichwohl, daß »für ein Radio kein Platz vorgesehen« sei. Radio-Montage im Ablagefach rechts bedeute eine Gefahr für den Fahrer, weil er sich zur Bedienung des Radios weit zur Seite beugen müsse.

Unzufrieden sind die Coup&-Fahrer auch mit der Lage der beiden Hebel für Lüftung und Heizung. Beide »erfordern jedesmal eine Verbeugung«. Das sei auch bei Gewöhnung »mit angelegten Sicherheitsgurten nicht mehr zu machen«.

Die meisten Rügen gelten der Schaltergruppe links am Armaturenbrett, in der drei Kippschalter zusammengefaßt sind: der Hauptlichtschalter, der Schalter für die Instrumentenbeleuchtung und der Scheibenwischerschalter. Wegen ihrer einheitlichen Form könnten sie nach Ansicht der Befragten nur zu leicht verwechselt werden -- bei Nacht und Regen eine unfallträchtige Gefahr.

Befragt über die Qualität der Verarbeitung, wettern die Fiat-Fahrer vor allem über Lackschäden und mangelnde Haltbarkeit der Lackierung, obwohl sie nach ihrer Tadel-Liste mit unsorgfältiger Montage der elektrischen Anlage sowie mit undichten Karosserien weit mehr

Scherereien hatten. Da dennoch ziemlich genau zwei Drittel der Besitzer Bestnoten für die Verarbeitung erteilen, liegt der Verdacht nahe, daß die liebenswerten Eigenschaften des Wagens das offensichtliche Unbehagen über Verarbeitungsmängel gedämpft haben:

Die Ausstattung, einer der wichtigen Kaufgründe, hat die Fahrer offenkundig auch im praktischen Gebrauch nicht enttäuscht:

Vermißt wird vor allem ein Zigarettenanzünder. Der Aschenbecher ist den meisten zu klein. Auch mangele es an Ablageraum für Fahrer und Beifahrer. Für die Innenbeleuchtung gäbe es sicher einen besseren Platz als unten am Armaturenbrett, wo »nur die Knie der Beifahrerin beleuchtet« würden. Außerdem würde es Fiat sicher nicht ruinieren, wenn die Werk-Sattler die Sitze auf Wunsch statt mit Kunstleder ("Im Winter kalt, im Sommer klebend-heiß") mit besser geeigneten Stoffen bezögen.

Die Wirksamkeit der Heizung erwies sich unerwartet als eine Stärke des Wagens -- das Urteil Ausgezeichnet verbucht hier den höchsten Wert der ganzen Befragung:

Auch im Vergleich zu den Resultaten bei Limousinen -- zwischen 25 und 50 % für Ausgezeichnet -- ist das Ergebnis außergewöhnlich günstig. Die Besitzer bemängeln lediglich, daß sich die Heizleistung nicht befriedigend dosieren lasse. Einer schrieb: »Wirkt selbst im Schwarzwaldwinter noch schweißtreibend.« Ein anderer notierte: »Kräftig, schnell einsetzend, geruchlos -- ganz große Klasse.«

Auf dem Gebiet der Belüftung -- -- vermissen die Fahrer eine wirkungsvolle Dauerentlüftung. Die hinteren Ausstellfenster könnten den Wagen nicht oder jedenfalls nicht zugfrei entlüften. Auch die vorderen Ausstellfenster wären dafür, besonders bei Regen, nur bedingt verwendbar. Vielen wäre offenbar geholfen, würde Fiat auch für das 850er-Coupé auf Wunsch ein Schiebedach liefern. Einhellig loben die Besitzer die drehbaren Luftdüsen auf dem Armaturenbrett, deren Luftstrom sich im Sommer mit Hilfe des Gebläsemotores verstärken läßt.

In der Begutachtung von Fahrkomfort und Bequemlichkeit urteilen die Befragten vielleicht ein wenig uneinsichtig, wenn nicht gar ungerecht. Die Summe der Noten Ausgezeichnet und Gut weist zwar 86,0 % aus (Porsche: 83,3 %), aber das Urteil Gut steuert dazu beinahe zwei Drittel bei:

Einige scheint zu verdrießen, daß die Rückenlehne nicht verstellbar ist. Andere machten offenbar ihrem Unmut Luft über die Härte der Federung und die Lautstärke des Motors. Die schwache Quote für die Bestnote scheint jedoch zur Hauptsache auf der unangemessenen Forderung nach vier vollwertigen Sitzen zu beruhen. Viele Besitzer wollen sich offensichtlich selbst nicht eingestehen, daß ihr Fahrzeug im Grunde nur ein Zweisitzer ist. Und sie sind verärgert, daß ihnen die Firma offiziell zwei Notsitze anbietet, die zwei normal gewachsene Mitteleuropäer in der Tat rasch in Sitznot bringen können.

Erfreut sind die Fahrer jedoch über die »gute, feste Sitzposition«. Sie sichern »ermüdungsfreies Fahren auch auf langen Strecken«. Einer merkte sogar an: »Ähnliches findet man erst wieder bei Volvo.«

Die Noten für die Bewertung des Kofferraums --

-- machen deutlich, daß bei einem kleinen Sportwagen dieser Konzeption der Raum für Gepäck zu kurz kommen muß. Manche fordern, den Kofferraum unter der Vorderhaube durch »anderweitige Unterbringung des Reserverads zu vergrößern« -- aber niemand weiß zu sagen, wo das fünfte Rad seinen neuen Platz finden könnte.

Auch mit der Größe des Benzintanks (30 Liter) sind die Fahrer nicht einverstanden:

»Selbst bei einem Verbrauch von nur 8,5 bis 9,5 Liter muß ich etwa alle 300 Kilometer tanken«, formulierte ein Fahrer die Tank-Sorgen, die offenbar alle plagen. Die Mitnahme eines Reservekanisters ist nach den Erfahrungen der Fiat-Besitzer kaum eine brauchbare Lösung, da sie zwangsläufig das Kofferraum-Problem noch mehr verschärfe. Viele rügen zudem, daß der Tank neben dem Motor im Heck liegt. Schon aus Gründen der besseren Gewichtsverteilung würden sie begrüßen, wenn ein größerer, 40 oder 45 Liter fassender Tank im Bug eingebaut würde.

Das Motorengeräusch bezeichnen nur 32,7 % der befragten Coup&-Besitzer als niemals störend. Erträglich ist es für weitere 53,0 %, während 143 % es für zu laut halten.

52,5 0/0 fühlen sich von störenden Geräuschen in ihrem Fiat nicht beeinträchtigt. Von den übrigen werden 32,1 % durch undefinierbare, kommende und wieder verschwindende Geräusche belästigt. 13,4 % nennen die aus Kunststoff gefertigten Abdeckleisten der versenkbaren Türfenster oder die Türfenster selbst als Geräuschquelle. 6,1 % beschuldigen die Handbremse, deren Feststellknopf bei bestimmten Drehzahlen zu schwirren beginne.

Weitere Störgeräusche: Das Blech zwischen Auspufftopf und Motor gerät bei bestimmten Drehzahlen in deutlich wahrnehmbare Schwingungen (5,0 %); der unbesetzte Beifahrersitz wackelt (4,2 %); das Gebläse für Heizung und Lüftung läuft zu laut (4,2 %); die Bremssättel der vorderen Scheibenbremsen klackern und klappern (3,4 %); die Hebel der hinteren Ausstellfenster vibrieren (3,1 %); auch bei geschlossenen Fenstern machen sich Windgeräusche unangenehm bemerkbar (2,7 %)

Das Prozent-Ergebnis für den Kundendienst deckt sich im wesentlichen mit dem Resultat der letzten Besitzer-Befragung eines Fiat-Wagens (Fiat 500). Das Kundendienstnetz, so lobten die Befragten, sei relativ engmaschig und erstrecke sich über ganz Europa. Überall gebe es fachkundige Mechaniker, die mit dem Coupé umzugehen wüßten. In kleineren Werkstätten brauche kaum mit Wartezeiten gerechnet zu werden, auch sei der Kontakt mit dem Werkstattpersonal nicht so unpersönlich wie in den Großbetrieben der gängigen deutschen Fabrikate.

Als ungünstig empfanden die Fiat-Besitzer, daß Arbeitsmoral und Gewissenhaftigkeit nicht in allen Werkstätten des Fiat-Service zu finden sind. Gelegentlich wird beanstandet, daß Löhne und Reparaturpreise selbst unter Berücksichtigung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung das Maß des Zumutbaren überschritten hätten.

Von Fall zu Fall scheint auch die Ersatzteilversorgung nicht ganz so schnell zu funktionieren, wie die Besitzer es erwarten. Kleine bis mittlere Werkstätten seien offenbar aus finanziellen oder räumlichen Gründen nicht in der Lage, für die vielen Fiat-Typen ausreichende Ersatzteile auf Vorrat zu haben.

Von den befragten Besitzern eines Fiat 850 Coupés würden sich einen Wagen des gleichen Fabrikats

wieder kaufen 63,3 %

vielleicht wieder kaufen 27,7%

nicht wieder kaufen 9,0 %

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