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MILITÄRSEELSORGE Fidele Ignoranten

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aus DER SPIEGEL 35/1983

Gegendarstellung: In »DER SPIEGEL« Nr. 31 vom 1. August 1983 werden unter der Überschrift »Militärseelsorge - Fidele Ignoranten« Behauptungen in bezug auf meine Person aufgestellt, die nicht den Tatsachen entsprechen.

1. Die Behauptung, ich habe mich mit der gesamten Spitze der evangelischen Militärseelsorge auf einer Geheimklausur in Bonn gegen Dr. Martin ausgesprochen, ist falsch. Richtig ist: Eine geheime Klausur mit der gesamten Spitze der evangelischen Militärseelsorge hat es nie gegeben. Ebensowenig haben Gespräche der gesamten Spitze der Militärseelsorge über Dr. Martin stattgefunden.

2. Die Behauptung, in Pfarrer Martin müsse zum ersten Mal ein Militärgeistlicher gehen, weil er in den Verdacht geraten ist, anfällig für pazifistisches Gedankengut zu sein, ist falsch. Richtig ist, daß für die Nichtverlängerung des zum Jahresende 1983 auslaufenden Vertrags mit Dr. Martin für mich Gründe maßgebend waren, die mit seiner angeblichen Anfälligkeit für pazifistisches Gedankengut nichts zu tun haben.

3. In »DER SPIEGEL« wird behauptet, ich hielte Theologen, die sich mit

Schildern wie »Pfaffen ohne Waffen« ausrüsten, für »Fidele Ignoranten«. Diese Behauptung ist falsch. Ich habe vielmehr im Informationsdienst der Evangelischen Allianz idea Nr. 25/80 vom 27. 5. 1980 auf die Frage von idea: »Kann man von einem gestörten Verhältnis zwischen Bundeswehr und einem Teil der Pfarrerschaft sprechen?« gesagt: »Es gibt sicher Pfarrer, die Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen wären, wenn sie sich zu entscheiden hätten. Ich respektiere sie. Daneben aber gibt es nicht wenige, die aus einem fidelen Ignorantentum heraus, aus Unwissenheit und einem sehr verkürzten Denken von Frieden die Bundeswehr ablehnen.«

4. »DER SPIEGEL« gibt zur Begründung seiner Behauptung, daß meine Thesen von der Hardthöhe stammen könnten, ein Zitat von mir: »Unter den heutigen Bedingungen dient es dem Frieden mehr, wenn man Soldat in der Bundeswehr ist. Eine konsequente Entscheidung gegen den Wehrdienst würde zu einer Instabilität in Mitteleuropa führen« verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen wieder. Bei meinen Äußerungen im Rahmen eines Interviews (idea Nr. 25/80 vom 27. 5. 1980) handelt es sich um keine Thesen, sondern um meine persönliche in dem Interview länger begründete Entscheidung.

5. »DER SPIEGEL« behauptet, daß Pfarrer, nur weil sie »Wehrgeistliche« sind, schon eine Zulage vom Verteidigungsministerium bekommen. Das ist falsch. Militärgeistliche erhalten vom BMVg keinerlei amtsspezifische Zulagen.

6. Nach der Darstellung in »DER SPIEGEL« geriet der Münchener Pastor Martin »in dieses Klima ganz besonderer Religionsausübung« fast zufällig. Tatsächlich bewarb sich Dr. Martin am 19. 4. 1977, nachdem er als wissenschaftliche Hilfskraft am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr in München abgelehnt worden war, für die Militärseelsorge als evangelischer Pfarrer an der Hochschule der Bundeswehr in München.

7. Zu der Behauptung, die Militärgeistlichen hielten sich an den Komment für Truppentheologen, den 1969 der damalige Heeres-Inspekteur Albert Schnez entworfen habe, stelle ich fest: Der behauptete Komment für Truppentheologen aus dem Jahre 1969 wurde zu keiner Zeit von der Leitung der Militärseelsorge an die Militärgeistlichen als Weisung weitergegeben. Evangelische Militärgeistliche sind allein an ihr Ordinationsgelübde gebunden.

8. Die Behauptung, mein Dienst-Mercedes sei mit einem Stander bestückt, ist falsch. Richtig ist, daß mein Dienstwagen zu keiner Zeit über einen Stander verfügte.

12. August 1983

Dr. Lehming Militärbischof

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