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Filmisch gesagt: Klamotte

aus DER SPIEGEL 17/1949

Unzählige rote Katzen klebten an den Münchener Litfaßsäulen. Heinz Rühmanns zweiter Nachkriegsfilm »Das Geheimnis der roten Katze« wurde mit fast vorkriegsmäßigen Werbemitteln gestartet.

In 38 Tagen ist der Film nach der Idee des Kriminalfilmfachmannes Erich Engels - der sich nicht nur durch sein -s von dem früheren Engel der Münchener Kammerspiele unterscheidet - heruntergekurbelt worden. Bei einer Probeaufführung bogen sich die anwesenden Beleuchter vor Lachen. Helmut Weiß, Regisseur und Drehbuchautor, konstatierte zufrieden: »Gehobener Blödsinn, filmisch gesagt: Klamotte. - Das sollte der Film auch sein.«

Echt klamottenhaft sollte der Film eigentlich beginnen. Weiß hatte einen Vorspann geplant, in dessen Verlauf Heinz Rühmann in einer verstaubten Mottenkiste einen alten Filmstreifen finden und entrollen sollte. In der endgültigen Fassung verzichtete der Regisseur auf diesen Anfang. Von den übrigen 2650 belichteten Zelluloidmetern blieb fast alles erhalten. Nur einige Meter mußten weggeschnitten werden. Daran war ein Affe schuld. Er sollte Heinz Rühmann in einer Szene die Perücke vom Kopf reißen. Der Affe wurde wütend und biß Trude Hesterberg in den Arm.

»Der Film ist ein hundertprozentiger Rühmann«, frohlockte Frau von Laak, die weißhaarige Besitzerin des Luitpold-Theaters und Vorsitzende des Verbandes bayrischer Filmtheater, als sie mit der »roten Katze« die »Rathaus-Lichtspiele« in der Münchener Weinstraße eröffnete. Frau von Laak machte die Begrüßungszeremonie kurz und bat anschließend die anwesende Einweihungsprominenz um Vorschußbeifall für Heinz Rühmann.

Der Abschlußbeifall kam hauptsächlich aus den Reihen der Comedia - Gäste. Die Kritik, die nicht viele Plätze bekommen hatte, verhielt sich skeptisch. Als Gunter Groll, Filmrezensent der Süddeutschen Zeitung und ungekrönter König der Münchener und süddeutschen Filmkritiker, nach der Aufführung freundlich aber bestimmt die Einladung zum Premieren-Festessen abschlug, wußten Eingeweihte, wie die Kritik am nächsten Tage ausfallen würde. Sie fiel so aus.

Die meisten Besucher fanden Heinz Rühmann zwar echt, aber abgestanden. Man erinnerte sich an den Rühmann-Film vor vielen Jahren »13 Stühle«. Damals waren die Dialoge witziger, die Situationskomik war neuer und nicht so offensichtlich. Die Schuld suchte man bei Regie und Drehbuch.

Ein Diamant mußte sich siebenmal stehlen lassen, um endlich dem stellenlosen Schauspieler André, Heinz Rühmann, der in der Kaschemme »Rote Katze« aus Versehen zum Gangster gestempelt wird, in die Hände zu fallen.

Das happy end bescherte André-Rühmann zusätzlich noch die schöne Millionärstochter Gloria, Angelika Hauff. Der Regisseur ersparte Rühmann keine publikumswirksame Pein, weder knallende Backpfeifen, Riesenperücke, Vollbart, Frauenkleider, noch ein Vollbad im Straßenanzug. Außer einem Aeffchen und dem Millionärsehepaar (Trude Hesterberg und Jakob Tietke) bemühte sich Gustav Knuth als schurkig-lächelnder echter Verbrecher um die notwendigen Effekte.

Trotz der Einfallslosigkeit auf der Leinwand war man sich einig, daß der Film seinen Weg und Geld machen werde. Dafür bürgt Heinz Rühmann, der Komiker.

Man sprach dem Film auch einige Meriten zu: er brachte Gustav Knuth und Angelika Hauff aus der Schweiz und aus Brasilien nach Deutschland zurück. Dafür sorgte Heinz Rühmann, der Produzent.

Werner Bochmanns Lied vom Ping-Pong-Pinguin untermalte den Heimweg der Kinobesucher musikalisch.

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