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Artikel 77 / 87

Briefe

Fleißig weitergestrickt
aus DER SPIEGEL 44/1987

Fleißig weitergestrickt

(Nr. 43/1987, Waterkantgate: Barschels Tod und seine Folgen) *

Wenn der SPIEGEL Korruption und Sumpf der »Neuen Heimat« aufdeckt... guter SPIEGEL! Wenn der SPIEGEL den Dauersumpf und den von der CDU produzierten Saustall aufdeckt ... böser SPIEGEL!

Berlin HANS FÜLDNER

Mein Gerechtigkeitssinn erlaubt es mir nicht, die Volksbestürzung über Barschels Tod mitzumachen.

Ich finde, daß die vielen Selbstmordopfer unter Schülern oder Arbeitslosen die sich von ausweglosen Situationen zum Tod getrieben fühlen, auf vielen Gebieten zum Umdenken führen, Bestürzung hervorrufen sollten, stumm machen müßten. Der SPIEGEL hat meiner Meinung nach weiterhin die Pflicht dunkle Affären unserer Gesellschaft aufzudecken, und sollte nicht durch Vorwürfe, die im Zusammenhang mit Barschels Tod gefallen sind, eingeschüchtert werden.

Bochum YVONNE MÖLLEKEN

In »diesem unserem Lande« gibt es immer noch Leute, die den grundgesetzlichen Auftrag der Presse nicht kennen. In den USA wurden Journalisten mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, die Nixons Machenschaften aufdeckten, die diesen zum Rücktritt zwangen. So schnell Dr. Barschel die Karriereleiter emporkam; so schnell zog er auch die Konsequenzen. Dies kann nicht Schuld der Presse sein, die ihrem Auftrag nachkam.

Höchberg (Bayern) WOLFGANG SCHLEELEIN

Von Herrn Augstein ist jetzt zu erwarten, daß er seinen Chefredakteur Böhme kommentarlos feuert und diesen gewissenlosen Schreibtischtäter die Begründung der fristlosen Entlassung in den Leserbriefen nachlesen läßt.

München HANS-DIETER SCHIMANK

Mit dem Selbstmord von Uwe Barschel ist diese Affäre noch lange nicht beendet. Die CDU strickt ja schon fleißig weiter an der Hetzkampagne gegen die SPD und Björn Engholm. Wir alle sollten aufpassen, daß es den Herren Geißler und Kohl nicht gelingt, von den skandalösen Aktivitäten ihrer Parteifreunde in Schleswig-Holstein unter dem Vorsitzenden Gerhard Stoltenberg abzulenken. Für eventuelle Neuwahlen kann ich der CDU schon jetzt einen Wahlslogan empfehlen: Nichts ist unmöglich, CDU.

Warstein (Nrdrh.-Westf.) THORSTEN EHLING

Ich glaube, daß weder die meisten Politiker der CDU noch der SPD eine so schlimme Sache für möglich gehalten hätten. Hieraus erklärt sich auch die geringe Reaktion der Herren Nilius und Jansen auf die Bemerkung des offensichtlich als windig bekannten Herrn Pfeiffer. Ich halte Herrn Engholm für einen überdurchschnittlich sensiblen Menschen, der bestimmt sofort reagiert hätte, wenn er früher informiert worden wäre.

Husberg (Schlesw.-Holst.) UWE ASCHENBACH

Ich möchte Sie bitten, weiterhin sehr gut auf unsere Christen im Unionsverband aufzupassen .

Essen MICHAEL WEHNER

Die Schmutzkampagnen der politischen Rechten gegen die SPD und die Grünen sind ja bekannt, die Ausfälle des Heiner

Geißler dienen hier als gutes Beispiel. Barschel nun als Opfer und nicht als Täter darzustellen, wie es die Unionsnahe Presse tut - »Bild« sah ihn schon wegen Meineides zunächst im Gefängnis und erzählt jetzt seine Lebensgeschichte -, gehört doch wohl in die Verdummungskampagne der Union. Nachdem einer von denen erwischt wurde, fährt man nun eben die Mitleidstour. Man muß den Eindruck haben, als genieße die CDU/CSU in Deutschland Narrenfreiheit.

Spenge (Nrdrh.-Westf.) ANDREAS HAHN

Man sollte dem coolen Dr. Kribben der so zäh an seinem Privatberuf klebt die Möglichkeit geben, diesen Beruf noch recht lange weiterhin auszuüben. Es war für mich an einem Tag zuviel, *___zu sehen, wie Kribben auf einem Bild des »Abendblatts« ____die Schleswig-Holstein-Fahne hißte; *___im SPIEGEL zu lesen, daß er der erste sein werde, der ____die härtesten Konsequenzen gegen Barschel fordere; *___im Fernsehen mitzuerleben, wie er vor dem neben ihm ____sitzenden stellvertretenden Ministerpräsidenten Schwarz ____pietätvoll den Tod Barschels bekanntgab.

Hamburg G. HESSE

Arme CDU, das wird nie was- Katholik und Kölner Kribben als MP in Schleswig-Holstein hat so wenig Chancen wie ich als Evangelischer in Rom als Papst.

Bad Schwartau (Schlesw.-Holst.) H. H. ALBA

Früher pflegten Leute im Pensionsalter, oder älter, frei nach Pfeiffer (der mit den drei »f") zu sagen: »Ich bin ein alter Mann und gehe abends früh zu Bett.« Heute macht uns Alte ein anderer Pfeiffer munter und hellhörig! Denn Bilder und Erinnerungen, selbst erlebte, aus den letzten Jahren der Weimarer Republik und dem Dritten Reich tauchen auf, wenn man, als Gast aus der Lausitz, den politischen Stil der »christlichen« Konservativen miterlebt, im freiesten Deutsch-Staat, den es je gab. Ganz abgesehen, daß dazu in Deutschland nicht allzuviel gehört (wenn man bedenkt, was vorher war und noch ist), es erschüttert uns Brüder und Schwestern doch beträchtlich, welche Methoden in »Sumpf und Saustall« gerade recht zum Machterhalt sind.

Essen H. STOLKA

Die Suche nach anderen politischen Umgangsformen wird sich darin erschöpfen, daß die sogenannte CDU bei der Auswahl ihrer Medienreferenten demnächst etwas vorsichtiger sein wird.

Hamburg FRANK L. LUDWIG

Diese Regierungspartei wie auch die dazugehörigen Koalitionsparteien sind für mich zumindest vorläufig nicht mehr wählbar.

Neuburg (Bayern) GERHARD KÜPPERS

Unter Bezugnahme auf Ihre verdienstvollen Ermittlungen in Sachen Barschel/ Pfeiffer erlaube ich mir den Hinweis, daß Ihre Tätigkeit eine verfassungsrechtliche Grundlage hat, worauf bisher noch nicht hingewiesen wurde. Es handelt sich um das Grundrecht auf Information: Art. 5 Abs. I GG. Die gegen den SPIEGEL erhobenen Angriffe sind daher unberechtigt. Üben Sie weiterhin im Auftrage des Volkes zur Verwirklichung des Grundrechts auf Information Ihre Tätigkeit aus.

Ulm ERWIN FISCHER Rechtsanwalt

Photo hin, Photo her, ich persönlich bin weder über das Erscheinen noch das Nichterscheinen empört, ich, und sicherlich mit mir eine Mehrheit demokratiebesorgter Menschen, fordere von unabhängigen Journalisten aller Medien intensive Recherchen und saubere, politisch unbeeinflußte Berichterstattung über dunkle Machenschaften in unserer Republik. Befürchtend, daß dies nicht immer geschieht, lautet mein Kommentar: Kämen alle Skandale und Affären, Korruption und Polit-Krimis in der BRD »ungeschminkt« ans Licht der Öffentlichkeit, die »Hotel-Badewannen« in Bonn und München würden nicht ausreichen.

Würzburg KARL HEINZ KLAIBER

BRIEFE

Abgenutzter Amtsteppich

(Nr. 43/1987, Personalien) *

Die geplanten Maßnahmen gelten nicht etwa einem privat genutzten »Heim ' des Ehepaars Kohl, sondern ausschließlich dem Repräsentationstrakt der Amtswohnung des Bundeskanzlers. An dem Bungalow ist seit der Errichtung vor über zwanzig Jahren kaum etwas verändert worden. Die jetzt vorgesehenen Umbauten dienen dem Zweck, den vorhandenen Raum besser zu nutzen. So wird der bis jetzt offene Innenhof nach der Überdachung bei offiziellen Veranstaltungen einbezogen werden können. Zur Erneuerung der Teppiche ist zu sagen, daß die vorhandenen Teppiche nach bald zwanzigjähriger Nutzung beziehungsweise Abnutzung wirklich keinen guten Eindruck mehr machen. Von den für 1988 jetzt insgesamt veranschlagten Mitteln waren übrigens fast zwei Drittel bereits für dieses Jahr bewilligt.

Bonn DR. EDUARD ACKERMANN Bundeskanzleramt

BRIEFE

Künstliche Apartheid

(Nr. 41/1987, SPIEGEL-Gespräch mit dem Philip-Morris-Chef Günter Wille über die Anti-Raucher-Kampagne) *

Mit seinen fadenscheinigen und ausschließlich am Profit orientierten Argumenten

hat mich der Philip-Morris-Chef fast davon überzeugt, daß Rauchen ein wirksames Mittel zur Verhinderung von Krebs ist.

Berlin DIETRICH MASTEIT

Man bekommt als Lungenarzt ja einiges zu hören an Ausflüchten auf die Frage: Keine Angst vor Lungenkrebs? Eine dämlichere Antwort als die des Herrn Wille ist mir noch nicht untergekommen. »Ich lebe zu gerne, als daß ich mir permanent darüber Gedanken mache, wie mein Leben endet. Ich hoffe, daß es möglichst lange dauert.« Da bleibt selbst dem Vogel Strauß die Luft weg: Wer lange raucht, lebt lange. Verdrängung aus Dummheit oder skrupelloser Zweckoptimismus - oder beides? Haltet den Dieb, die Luftbelastung! Ja, gibt es denn eine stärkere Luftbelastung als durch inhalierten Tabakrauch? Sucht ist, was bei Entzug Abstinenzerscheinungen macht. Herr Wille kann ja mal versuchen, drei Wochen lang nicht zu rauchen - wenn er es schafft, kann er mitreden.

Dinslaken (Nrdrh.-Westf.) DR. MED. HELLMUTH WOLFGANG MÜLLER Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde

Die nichtrauchenden Mitmenschen durch den blauen Dunst zu schädigen und sie im gleichen Atemzug (Lungenzug) dafür um Toleranz zu bitten, halte ich schlicht und einfach für den Gipfel der Unverschämtheit!

Tuttlingen (Bad.-Württ.) MARKUS HAUSER

Woher nimmt eigentlich Frau Ministerin Süssmuth ihr Recht, den rauchenden Mitbürger in unserer Gesellschaft immer mehr zu bevormunden und ins gesellschaftliche Abseits zu stellen? Hier wird von Staats wegen eine künstliche Apartheid geschaffen, die geradezu ungeheuerlich ist. Genau die gleiche Gesundheitsministerin setzt sich zu Recht dafür ein, daß zum Beispiel Aids-Kranke nicht aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Bei den Rauchern scheint die Ausgrenzungsstrategie aber angebracht zu sein.

Dachau (Bayern) UWE SIEMS JR.

Was mich betrifft, so fühle ich mich durch rasende, rücksichtslose respektive rechthaberische Autofahrer bei weitem mehr gefährdet und belästigt als durch Raucher.

Wuppertal DIRK ROTHE Nichtraucher

BRIEFE

Unentgeltlicher Abschied

(Nr. 42/1987, Personalien) *

Im SPIEGEL vom 12. Oktober 1987 wird über meine Steuerschuld in Deutschland in Höhe von ca. DM 138000 aus meiner Tätigkeit als Intendant der Hamburgischen Staatsoper seit 1985 berichtet. Sodann wird das Bemühen des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg dargelegt, mich von dieser Verbindlichkeit durch Gewährung eines Honorars von DM 400000 für Ausrichtung des Hafengeburtstages beziehungsweise durch Zahlung von DM 138000 für zwei zusätzliche Inszenierungen zu entlasten.

Die Darstellung des SPIEGEL erweckt den Verdacht, ich hätte mir auf Kosten der Allgemeinheit vom Hamburger Senat ungerechtfertigte Vorteile zur Tilgung meiner Steuerschuld versprechen lassen wollen. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Steuerschuld ist bei Abschluß meines Intendantenvertrages 1985, als ich kurzfristig einsprang, weder .von der Stadt noch von mir vorausgesehen worden. Gemeinsam hatten wir uns darauf verlassen, daß entsprechend der Situation während meiner ersten Intendanz an der Hamburgischen Staatsoper (1959 bis 1973) die Besteuerung nach den Sätzen in der Schweiz erfolgen werde, wo ich meinen Hauptwohnsitz habe (Anrechnungsverfahren nach deutsch-schweizerischem Doppelbesteuerungsabkommen). Entsprechend ist von der Hamburger Finanzbehörde bis zum Einspruch des Bundesfinanzministers auch verfahren worden. Unter diesen Umständen ist der Senat meines Erachtens verpflichtet, mich von der unvorhergesehenen Steuerschuld in Deutschland freizuhalten.

Mein Angebot, die künstlerische Leitung für den 800. Hafengeburtstag zu übernehmen, erfolgte davon völlig unabhängig als »Liebeserklärung an die Stadt und sollte mein Abschiedsgeschenk sein. Über ein Honorar wurde deshalb zu keinem Zeitpunkt gesprochen. Im letzten Jahr meiner Intendantenzeit

(bis 31. 8. 88) sollte ich ursprünglich noch eine Inszenierung und eine Komposition für die Hamburgische Staatsoper machen. Die ehemalige Kultursenatorin Schuchardt hatte mir hierfür im März 1987 ein Honorar von DM 150000 angeboten. Dieses Angebot habe ich jedoch nicht angenommen. Ich werde noch die Jazzoper »Cosmopolitan Greetings« komponieren und auch das unentgeltlich.

Hamburg PROF. DR. ROLF LIEBERMANN

Herr Prof. Liebermann hat recht, der SPIEGEL hat nicht den Eindruck erwecken wollen, Prof. Liebermann habe sich zur Abgeltung von Steuerschulden zusätzlich Honorare versprechen lassen. -Red.

BRIEFE

Blamable Vorlagen

(Nr. 42/1987, Medien: Das Imperium des Leo Kirch) *

Der SPIEGEL-Bericht über die gewaltigen Kapitalschlachten um die Vorherrschaft auf dem Medien-Weltmarkt muß den Regisseur einer großen Unitel-Produktion erstaunen, der sich seinerzeit in der Zwangslage sah, die ausgefallenen Auftrittshonorare eines Wiener Staatsopernsängers, dessen Filmvertrag abgelaufen war, aus eigener Tasche begleichen zu müssen, wollte er den Musikfilm im Ausland termingerecht fertigstellen. Da nach der erfolgreichen Sendung mein Ersuchen um Rückerstattung der blamablen Vorlagen offenbar nicht bis in die »Kutscherkammer« des Medienmonarchen gedrungen schien und nicht einmal mit einem freundlichen Dankschreiben quittiert wurde, bleibt dem Betroffenen nur der Trost, eine Millionenproduktion des Kirch-Imperiums - wenn auch mit materiellen Einbußen - mit- und restfinanziert haben zu dürfen.

Cureggia (Schweiz) ARTHUR MARIA RABENALT Unitel-Regisseur

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