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Flick - ein Mann kauft die Republik

Der Vater Friedrich Flick zeigte sich genial im Geldeinnehmen, der Sohn beweist Talent vornehmlich im Ausgeben. Friedrich Karl Flick, dessen Familien-Name zum Symbol für die Bestechlichkeit der Politik durchs große Geld wurde, ist eine schillernde Unternehmerfigur - ein Mann, der mit dem Trauma des übergroßen Vaters nicht fertig wird; ein Konzernherr, der bisher vor allem durch seine Eskapaden auffiel. *
aus DER SPIEGEL 44/1984

Der graue Wintertag in München, Ende Januar des Jahres 1981, legte sich dem reichsten Deutschen schwer auf die Seele. Friedrich Karl Flick nahm ein Blatt Papier und schrieb: »Wie lange noch Verdummung mit mir?«

Die Geschäfte gingen nicht besonders gut, in allen Winkeln seines Firmenreiches quängelten die örtlichen Statthalter, sie wollten mehr Geld. Immer noch war in Bonn unklar, ob aus dem Zwei-Milliarden-Verkauf seiner Mercedes-Aktien am Ende nicht doch hohe Steuerzahlungen auf ihn zukämen.

Der trübsinnige Mann vor dem Blatt Papier hatte nur einen Trost: Die anderen waren schuld an seinem Leid. Seine hochbezahlten Manager im fernen Düsseldorf wollten »alles unter den Teppich kehren« und beschimpften die wenigen klarsichtigen Berater als »Defätisten«.

Flicks Zorn galt vor allem seinem ersten Angestellten, Eberhard von Brauchitsch. Der kümmerte sich, so fand Flick, um die falschen Dinge. Unablässig peile er das höchste Ehrenamt in der deutschen Industrie an, die Präsidentschaft beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), statt alle Kraft der Firma zu widmen. »Du nur BDI-Interesse« - abgehackt und böse stand der Satz auf dem Papier. Und: »Bin erschüttert, habe kein Vertrauen. Mir nur Sand in die Augen gestreut.«

Von draußen gesehen, ist Friedrich Karl Flick, während er die Notiz voller Wehleid schreibt, auf dem Höhepunkt seiner Macht. 45 000 Menschen, in mehr als 200 Firmen über den Globus verstreut, arbeiten für ihn. Sein Vermögen läßt sich nur grob abschätzen: Vielleicht sind es vier, vielleicht auch fünf oder sechs Milliarden Mark.

Von seiner Firmenzentrale in Düsseldorf-Oberkassel aus wird ein gewaltiger Industriebesitz verwaltet. Die Papierfabrik Feldmühle und das Chemie-Unternehmen Dynamit Nobel gehören dazu, die Edelstahlwerke Buderus in Wetzlar und die Panzerfabrik Krauss-Maffei in München. In den USA verfügt Flick über fast ein Drittel des gutverdienenden Mischkonzerns Grace.

Friedrich Karl Flick, oder FKF, wie der Eigentümer dieses Industrie-Imperiums intern heißt, sitzt außerhalb seines eigenen Firmenreiches noch in den Aufsichtsräten zweier der bedeutendsten Unternehmen der Bundesrepublik: bei Daimler-Benz und bei der Deutschen Bank. Zehn Prozent der Daimler-Aktien zählen zu seinem Vermögen.

In Bonn und anderswo hören zu jener Zeit, 1981, Politiker auf Flicks Kommando, das meist von Brauchitsch weitergibt. 25 Millionen Mark hat er allein in den siebziger Jahren an Parteien und Politiker verteilt und verteilen lassen: 15 Millionen an CDU/CSU, 6,5 Millionen an die FDP und 4,3 Millionen an die SPD, die ja nun mal den Kanzler stellt. FKF ist der Zahlmeister der Republik; sein Name wird, zwei, drei Jahre später, zum Synonym für die Käuflichkeit bundesdeutscher Politiker.

Doch hat sich alles gelohnt? »Die Freundlichkeiten Bonn gegenüber haben mir bisher nicht geholfen«, notiert Flick an jenem Januar-Tag voller Vorwurf und Selbstmitleid. Die Steuerbefreiungsaktion in der Bundeshauptstadt geht ihm zu schleppend voran.

Aber das ist es nicht allein. Seine Berater, voran von Brauchitsch, haben »mich voll auf Expansionskurs laufen _(Vor einem Portrait des Firmengründers ) _(Friedrich Flick. )

lassen«, hält der Konzernchef in dem schriftlichen Selbstgespräch fest.

Den reichen Mann beschäftigt ein Problem, das dem gewöhnlichen Bundesbürger lächerlich erscheinen muß: Er hat Angst, arm zu sterben. Flick-Kenner wissen noch einen anderen Grund für die Depression: Je älter der Firmenchef wird, um so öfter mißt er sich an seinem Vater Friedrich Flick.

Der Vergleich fällt für den Sohn miserabel aus. Der Alte verfügte über alle Gaben, um ein Industrie-Imperium zu errichten und zusammenzuhalten. Der Junge gebietet fast nur noch über ein Werkzeug aus dem Handwerkskasten des Vaters: Er streut Geld über das Land, um Menschen zu kaufen, die ihm und seiner Sache dienen könnten.

Aus den Tagesgeschäften hält sich Flick raus. Das Lesen von Akten und Bilanzen, die Lieblingsbeschäftigung seines Vaters, ist ihm ein Greuel.

Als die Düsseldorfer Konzernzentrale noch mit einer Schar hochbezahlter Kräfte besetzt war - nach Beginn der Flick-Affäre entließ der Chef nahezu das gesamte Management -, gestaltete sich die Geschäftsführung oft wie eine Schnitzeljagd. Abgesandte aus Düsseldorf reisten quer durch die Welt, um Flick auf einem seiner diversen Wohnsitze eine Entscheidung abzuringen.

War der Chef zu Hause in München, hatten es die Bediensteten nicht leichter. Telexe blieben liegen, der Chef ließ sich Wochen Zeit, um ja oder nein zu sagen.

Für Münchner Einwohner ist Flick nahezu unsichtbar. Sein Haus in der Pienzenauer Straße neben der Isar - dort wohnt auch Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann - fehlt im Stadtadreßbuch. Die 600 Quadratmeter Wohnfläche sind mit drei Dächern und Panzerglasfenstern geschützt. Die würden auch einem Trommelfeuer aus Nato-Gewehren standhalten. Herr und Haus werden von zwei Dutzend Wachtposten und professionellen Leibwächtern beschützt. Ein vietnamerfahrener Spezialist der US-Eliteeinheit Green Berets führt die Truppe an.

Die von außen asiatisch anmutende Villa enthält eine Schwimmhalle, einen Atombunker, zwei Stromaggregate und zahlreiche Vorratskammern für Delikatessen, Rotwein und Weißwein. Der Münchner Antiquitätenhändler und Flick-Spezi Rudolf Neumeister sorgte zusammen mit dem Innenarchitekten Siegward Graf Pilati für die Innenausstattung. Die Gesamtkosten schätzten Kenner auf 28 Millionen Mark.

Von zwölf beweglichen Videokameras beäugt, nähert sich der Haus- und Konzernherr in einem gepanzerten Mercedes 500 dem Eigenheim und verschwindet hinter dem automatisch geöffneten Tor. Ein Messingschild kündet vom Besitzer der gespenstischen Villa: »Flick Industrieverwaltung KGaA«. Eine Nachbarin mutmaßt: »Vielleicht gibt es den ja gar nicht.«

Der bevorzugte Aufenthaltsort des Münchners war lange Zeit seine Yacht »Diana II«. Die holländische Spezialwerft C. van Lent & Zonen hatte das Schiff - 63 Meter lang, 10 Meter breit - für etwa 20 Millionen Mark gebaut. Als Vorbild diente dabei ein ähnliches Schiff des saudiarabischen Königs Chalid.

Mit dem Bau der Yacht verband Flick einen Freundschaftsdienst: Der Münchner Party-Altstar und Flick-Gefährte James Graser wurde mit insgesamt 460 000 Mark dafür entlohnt, daß er die Fertigung des Schiffes überwachte.

Da Flick trinkt - und zwar nicht so diszipliniert wie Harald Juhnke, sondern, wie »Bild« letzte Woche bekanntgab, »das ganze Jahr hindurch Unmengen von kleinen Bierchen und sehr altem Rotwein« -, mußte die »Diana II« öfter aus der Luft per Hubschrauber mit Nachschub versorgt werden. Eingeweihte wissen von versteckten »Diana«-Ankerplätzen im Mittelmeer, an denen der Meeresgrund einem Flaschengrab gleicht. Inzwischen hat Flick die _(Mit Zahn-Ehefrau Annemarie. )

Yacht wieder verkauft, um Geld zu sparen.

Probleme mit dem Alkoholnachschub gibt es öfter zu bewältigen. Wenn Flick beispielsweise in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsmitglied und Großaktionär der Firma Daimler-Benz die Mercedes-Filiale in Brasilien besuchte, mußte das dortige Management die richtige Weinsorte einfliegen lassen.

Zusammenkünfte mit Managern, Gespräche über Geschäfte meidet Flick, wenn er ihnen irgendwie ausweichen kann. Berater vom Fach hat er in München kaum. Juristische Fragen, die neuerdings häufiger zu bewältigen sind, klärt der Rechtsanwalt Detlef Wunderlich, der Flicks Vertrauen durch die Abwicklung einer Scheidung gewann. Der ehemalige Mercedes-Chef Joachim Zahn, der 1980 noch 250 000 Mark Honorar bezog, ist wieder in seiner Gunst gestiegen. Das gilt auch für Günter Max Paefgen, der bereits seit Beginn der fünfziger Jahre dem Hause dient.

Paefgen, dessen leicht angewinkelte Kopfhaltung ihm in der Düsseldorfer Zentrale den Spitznamen »Schräg« eintrug, war 1980 entmachtet worden. Er hatte sich mit von Brauchitsch zerstritten und einige allzu eigennützige Geschäfte betrieben.

Nach Flicks Säuberungsaktion in der Düsseldorfer Zentrale ist Paefgen wieder gefragt. Flick-Bedienstete erzählen von häufigen und lautstarken Ferngesprächen mit dem schwerhörigen Paefgen, der oft von seinem nordspanischen Domizil die Geschäfte führt.

Unverzichtbarer Berater in allen Lebenslagen ist der Münchner Kunsthändler Rudolf Neumeister. Der Antiquar gehört neben James Graser und einem Holzhändler zur Flick-Stammtischrunde im Münchner »Bratwurst-Glöckl«. Darüber hinaus hört der Milliardär auf ihn auch in geschäftlichen Fragen.

Als Flick in den siebziger Jahren das Stahlwerk Maxhütte im bayrischen Sulzbach-Rosenberg verkaufte, zählte Neumeister zu den wichtigsten Ratgebern des Konzernchefs.

Flick zögerte wochenlang mit der Entscheidung. Nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten war der Verkauf vernünftig: Mit Stahl war kaum noch Geld zu verdienen. In Düsseldorf drängten von Brauchitsch und der damalige Flick-Manager Hanns Arnt Vogels, heute Chef von Messerschmitt, Bölkow, Blohm (MBB) in München, auf eine positive Entscheidung.

Doch Flick traute sich nicht. Zu jener Zeit liefen in Bonn die ersten Steuerbefreiungsanträge, mit deren Hilfe jene zwei Milliarden Mark steuerfrei wiederangelegt werden sollten, die Flick beim Verkauf von Mercedes-Aktien erlöst hatte. Die Anträge waren nur mit der Begründung durchzubringen, daß Flick die Milliarden »volkswirtschaftlich besonders förderungswürdig« ausgab. Da machte es sich nicht gut, wenn gleichzeitig ein mickriges Stahlwerk in der strukturschwachen Oberpfalz verkauft wurde.

Die endgültige Entscheidung fiel in einer denkwürdigen Nacht. Flick war auf einer Zechtour. Lange nach Mitternacht klingelte in Düsseldorf bei Vogels das Telephon. Flick verlangte, mit schwerer Zunge, daß der aus dem Bett aufgescheuchte Vogels einem Zechkumpan die Verkaufspläne über das Autotelephon erläuterte.

Vogels erläuterte, der Mann verstand, oder auch nicht. Jedenfalls tat er sein Einverständnis halbdeutlich über das Autotelephon kund. Daraufhin gab Flick dem schlaftrunkenen Manager die Order, das Stahlwerk für 270 Millionen Mark zu verkaufen.

Die Geschichte läßt ahnen, daß die Kommunikation zwischen München und Düsseldorf oft schwierig war. Flick beklagte sich darüber, daß der Arbeitsrhythmus der Manager, auch die Arbeitszeit, so gar nicht mit der seinen korrespondierte.

Die Schaffenskraft des wohlhabendsten Deutschen erreicht ihren Höhepunkt stets am Abend. So kam und kommt es, daß seine bevorzugte Beschäftigung die Teilhabe am Nachtleben ist. Und dabei gibt er sein Bestes.

Für ein schlichtes »vorweihnachtliches Beisammensein« mit seinem Troß aus Skilehrern und Leibwächtern ließ er eben mal acht Musiker aus Mexiko einfliegen. Oder er lieh sich aus dem Mehr-Stern-Restaurant Tantris die Exoten-Kapelle Lello Tartarino aus, um im geliebten Franziskaner gleich selber auf die Pauke zu hauen.

Zur Ausflugsgaststätte Hinterbrühl bringt er neben einer echten Oktoberfest-Schießbude den Freund James Graser mit, der zum xten Mal sein »Dudlhofer«-Gastspiel aufführen darf.

Bisweilen zerlegten Flicks Gorillas bessere Münchner Lokale, zerdepperten Glas und Geschirr. Ein Reporter der »Quick« notierte über die Flick-Clique, daß sie »gelegentlich wie eine Horde Barbaren in ihre Stammlokale einzufallen pflegt«.

Operettenhaft mutet auch das rein Familiäre bei Flick an. Anfang der sechziger Jahre, als die Kindfrau Lolita noch zu den Kultfiguren der westlichen Gesellschaft gehörte, heiratete der damals 37jährige die Münchner Abiturientin Elga Reinbold, damals 19, im romantischen Wildbad Kreuth.

Die zweite Frau, mit Namen Ursula Reuther, war die Tochter eines Oberförsters aus der Oberpfalz, die Flick wie in einem Heimatfilm auf der Jagd in der Steiermark kennengelernt hatte. Mit den beiden Töchtern Alexandra und Elisabeth sowie einer Abfindung von 7,5 Millionen Mark wechselte sie zu einem Filmkaufmann aus dem »Karajan-Klüngel« - wie es in der Flick-Umgebung heißt.

Über die Gründe der Trennung gab Flick wortkarg zu verstehen, daß ihm die Förstertochter einfach zu viel redete. »Ich hab''s nur nicht so gern, wenn man mich gleich überfällt, wenn ich heimkomme, gar Fragen stellt.« Nach wechselhaften Verbindungen ist Flick derzeit mit der Hotel-Empfangsdame Ingrid Ragger liiert.

Im Jahr seiner zweiten Scheidung, 1975, trennte sich Flick auch von dem größeren Teil seiner Mercedes-Aktien. Nach Scheinverhandlungen und geschickt gestreuten Gerüchten, wonach der Schah des Iran Mercedes aufkaufen wollte, griff schließlich die Deutsche Bank zu und übernahm 29 Prozent der Daimler-Aktien für gut zwei Milliarden Mark.

Flick führte das entscheidende Gespräch mit dem damaligen Bankchef Franz-Heinrich Ulrich im Schweizer Wintersportort St. Moritz. Ein paar Monate später schenkte er Ulrich zu dessen 65. Geburtstag ein Gemälde von Karl Hofer; es hatte 85 000 Mark gekostet.

Als Franz Josef Strauß acht Wochen später sechzig wurde, wurde Flick-Freund Neumeister wieder tätig: Für das Strauß-Präsent - das silberne Pferd von Meister Jeremias Ritter - berechnete der Kunsthändler 60 000 Mark.

Geld war nie das Problem im Hause Flick, um so weniger nach dem Mercedes-Verkauf. Flick zahlte nun nicht nur seine zweite Frau, sondern auch seine Neffen Gert-Rudolf ("Muck") und Friedrich Christian ("Mick") sowie deren Schwester Dagmar mit netto 200 Millionen Mark aus.

Es begann damals die ausschweifende Zeit des Friedrich Karl Flick. Einem Suchtkranken gleich, gab er jährlich für seine privaten Vergnügungen 20 bis 30 Millionen Mark aus. Als wollte er den Schatten des alten Friedrich verscheuchen, der drei Jahre zuvor verstorben war, demonstrierte er seine Männlichkeit in den verschiedensten Disziplinen.

Beim Tennisspielen, Radfahren, Skilaufen und Bergsteigen zeigte er eine für Begleiter »erschreckende Kondition«. In seinem Jagdrevier am Großen Bösenstein bei Rottenmann in der Steiermark schoß er gern und gut auf den balzenden Auerhahn. War ihm nach Größerem zumute, flog er zur Löwenjagd nach Afrika. Seinem Hang zu Feuerwaffen frönt FKF zu Hause auf dem Münchner Olympia-Schießstand, der von einer seiner 200 Firmen, der Dynamit Nobel, langjährig gepachtet wurde.

Zu einer denkwürdigen Feierlichkeit, selbst für Flick-Verhältnisse, kam es nach einem besonderen geschäftlichen Erfolg. In Bonn waren die ersten Steuerbefreiungen genehmigt worden, als die Fete in Düsseldorf stieg.

Aus München flog Flicks Clique ein. Der starke Sepp aus Österreich war mit von der Partie, der mit einem Handkantenschlag nicht nur einen Maßkrug zerschmettern kann, sondern noch den darunter stehenden Tisch.

Auch Flicks Leibmasseur war, wie üblich, herbeizitiert worden. Er trank sich vor Freude über Flicks vorteilhafte Händel alsbald unter einen Tisch.

Urplötzlich konnte Flick nach derartigen Ausschweifungen die Erinnerung an den Vater und dessen kärgliche Lebensführung überfallen. In diesen Phasen nahm der Sohn demonstrativ Fencheltee aus einer Thermosflasche zu sich und erläuterte die historischen Zusammenhänge: »Bei meinem Vater war es Fachingen oder Vichy.« Penibel wie der Papa ließ er zuweilen je nach Inhalt die Stullenpäckchen beschriften, wenn es zum Flick-Picknick ging.

Während jedoch der Vater allein in seinem Haus am Bodensee der Lektüre von Bilanzen nachging, braucht Flick junior erheblich mehr Auslauf. Neben seiner Münchner Residenz besitzt er eine 30-Zimmer-Villa Neue Hohbeck in Düsseldorf-Meerbusch, ein geräumiges Anwesen in Seeshaupt am Starnberger See, den Hof Sauersberg bei Bad Tölz, das idyllische Haus Grüneck in Wildbad Kreuth, ein Jagdhaus in Rottenmann in der Steiermark, ein Schloß bei Paris, eine Villa an der Cote d''Azur, ein Penthouse in New York sowie einen größeren Landsitz in den Vereinigten Staaten.

In der neuen Welt bietet noch die Mitgliedschaft im »Cyford Cay Club« auf den Bahamas die Möglichkeit zur Zerstreuung. Die Liste der Klubmitglieder verrät, daß Flick unter Ebenbürtigen ist: Sein Freund Helmut Horten steht ebenso darauf wie Peter Cadbury (Schokolade), Morgan Firestone (Reifen), Henry Ford (Autos), John Haig (Whisky) und John F. Hennessy (Cognac).

Flicks Renommee in Amerika hat freilich durch die deutsche Steuer- und Schmiergeld-Affäre gelitten. Das US-Magazin »Newsweek« erinnerte seine Leser an jene Tradition des Hauses Flick, die hierzulande selten beschrieben wird: »Seine Familie besitzt eines der großen Vermögen Europas, das zum Teil mit Sklavenarbeit aus Rüstungsaufträgen der Nazis aufgebaut worden ist.«

Die Tradition des Hauses benutzte verblüffenderweise auch Eberhard von Brauchitsch, Flicks langjähriger erster

Angestellter, in seiner Verteidigung gegen den Vorwurf der Bestechung von Politikern. »Zuwendungen« an Politiker, so von Brauchitsch, habe es bei Flick schon in den dreißiger Jahren und auch von Anbeginn an in der Bundesrepublik gegeben.

Tatsächlich hatte Vater Friedrich 1931 alle Hände voll zu tun, um seinen Konzern vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Der Sohn eines bäuerlichen Holzhändlers hatte zunächst seinen Aufstieg in Oberschlesien begonnen. Stark genug, kaufte sich Flick dann bei der Gelsenkirchener Bergwerks AG ein. Doch mit der Weltwirtschaftskrise drohten Gelsenberg und damit der Flick-Konzern unterzugehen.

Flick senior fand einen Ausweg. Plötzlich wucherten aus dem Nichts Gerüchte, daß Franzosen Gelsenberg kaufen wollten. Der Reichskanzler Heinrich Brüning und sein Finanzminister Hermann Dietrich sprangen ein und nahmen, sozusagen als nationale Tat, Flick für 100 Millionen Mark die Gelsenberg-Aktien ab. Das war ein erstaunlicher Preis angesichts des Umstandes, daß der Börsenwert gerade 25 Millionen betrug.

Eine Erklärung wäre möglich: Brüning bekam von Flick 150 000 Mark, Dietrich sogar 950 000. Der Brüning-Nachfolger von Papen stand mit 100 000 Mark in den Flick-Büchern, genauso General von Schleicher.

Als die Nazis die Macht ergriffen, bewies der alte Flick seine Flexibilität. Er hatte mit der braunen Bewegung zunächst nicht viel im Sinn gehabt. Zum einen mißfiel ihm der sozialistische Flügel um Gregor Strasser, zum anderen interessierte ihn Politik ohnehin wenig - solange die Politiker ihn nur seine Geschäfte machen ließen.

Doch als die Nazis kamen, war Flick gerüstet. Sein Stellvertreter Otto Steinbrinck, ein U-Boot-Kommandant des 1. Weltkrieges, stand mit den Nazis auf bestem Fuße und war bald führendes Mitglied des »Freundeskreises des Reichsführers SS Heinrich Himmler«. Steinbrinck spendete im Auftrage seines Chefs Millionen für den Kameraden. Die Spenden für die Nazis summierten sich auf über 7,5 Millionen Mark.

Flick selbst kümmerte sich um den späteren Generalfeldmarschall Hermann Göring. Er war bei Göring, wie dessen engster Mitarbeiter während der Nürnberger Prozesse aussagte, »absolut Persona grata«. Er half Göring beim Aufbau des Stahlwerkes Salzgitter, das zu den besonderen Hobbys des NS-Potentaten gehörte. Zum Geburtstag von Göring glänzte Flick - auch die teuren Geschenke haben Tradition - mit größeren Aufmerksamkeiten, etwa dem Bild eines alten Meisters.

Göring war Flick bei einem der größten Arisierungs-Raubzüge der NS-Zeit behilflich: Der Konzernschmied konnte seinem Imperium den Besitz der tschechoslowakischen Familie Petschek anfügen. Die jüdischen Firmen-Inhaber verfügten über ein Drittel der deutschen Braunkohle-Vorräte.

Kurz vor Ende des Krieges gebot Flick über das größte private Industrie-Imperium im Reiche Adolf Hitlers. »Niemand«, lobte Goebbels'' Wochenzeitung »Das Reich«, »hat die Ernennung zum Wehrwirtschaftsführer mehr verdient als Friedrich Flick.«

Am 13. Juni 1945 half Flick all das Geld nicht mehr. Die Amerikaner verhafteten ihn auf seinem Alpenwohnsitz in der Nähe von Bad Tölz. Gemeinsam mit Steinbrinck und seinem Vetter Konrad Kaletsch wurde Flick angeklagt. Der Vorwurf: Sklavenarbeit, Plünderung und Inbesitznahme jüdischer Betriebe.

Flick bekam sieben Jahre. Die relativ milde Strafe erklärte der US-Hauptankläger Robert H. Jackson: »Ich bin gegen derartige weitere Prozesse.« Der Grund: Die Amerikaner hatten inzwischen den neuen Feind im Osten ausgemacht und wollten ihre eigene Rüstungsindustrie nicht durch harte Urteile gegen deutsche Rüstungsproduzenten verschrecken.

Als der US-Hochkommissar John McCloy Flick im August 1950 nach fünfjähriger Haft begnadigte, hatte der alte Herr bereits seinen 67. Geburtstag hinter sich. Doch das Beste im Leben des Friedrich Flick sollte erst noch kommen.

Draußen war inzwischen die Christlich-Demokratische Union entstanden, in der Flick bestens repräsentiert war. Sein ehemaliger Privatsekretär Robert Tillmanns gehörte ebenso zu den Gründungsmitgliedern der CDU wie Odilo (genannt Odi) Burkart, ein leitender Mitarbeiter des Konzerns. Tillmanns sollte es bald sogar im Kabinett Konrad Adenauers zum »Bundesminister für besondere Aufgaben« bringen.

Als Flick selbst aus Landsberg entlassen wurde, waren zwar drei Viertel seines Imperiums den Russen in die Hände gefallen, aber er besaß noch die Maxhütte in Bayern, ein Hochofenwerk in Lübeck und Kohle an der Ruhr.

Flick erkannte als einer der ersten Industriellen, daß künftig mehr Geld in der verarbeitenden Wirtschaft als in der Grundstoffindustrie zu verdienen sei. Ganz konsequent trennte er sich von seinem Kohlebesitz. 1954 hatte er rund 280 Millionen Mark flüssig und kaufte sich in aller Stille zunächst bei Daimler-Benz, später bei der Feldmühle und Dynamit Nobel ein.

Zu Flicks wichtigsten Helfern beim Übergang vom Dritten Reich in die zweite Republik gehörte der Bankier Robert Pferdmenges, zugleich Intimus des Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Pferdmenges hatte bereits während der NS-Zeit in einigen Flick-Aufsichtsräten gesessen. Später nahm der Kölner Bankier mehrere Mandate für den Konzernchef wahr, als der nach seiner Entlassung noch durch einige Auflagen an seiner vollen Entfaltung gehindert war.

Der vielseitige Pferdmenges kümmerte sich in den frühen Jahren der Republik zugleich um die finanzielle Ausstattung der konservativen Parteien. Auf eine Anregung Adenauers hin wurde die »Staatsbürgerliche Vereinigung« (SV) _(Links; daneben Otto Steinbrinck und ) _(Konrad Kaletsch. )

gegründet. Die älteste und größte Geldwaschanlage der Republik bediente ausschließlich bürgerliche Parteien wie CDU/CSU, FDP, DP und BHE mit Bargeld.

Zu den Gründervätern der SV gehörten Bankiers und Industrieführer von Rang. Das Präsidentenamt übernahm AEG-Chef Friedrich Spennrath, als Beisitzer fungierte Pferdmenges.

Alle Mitglieder des BDI-Ablegers waren sorgsam ausgesucht, die Aufnahmebedingungen so streng wie bei einer geheimen Loge. Wenn auch zunächst als Zweck des Vereins die »Förderung des demokratischen Staatswesens« in der Bundesrepublik ausgewiesen war, so verfolgte die SV als Tarnorganisation für Steuermanipulationen vor allem ein Ziel: mit Millionen-Spenden die SPD von der Macht fernzuhalten.

Die Spendensammler übernahmen das Inkasso bei rund 50 Großunternehmen aus der Industrie, dem Handel, bei Banken und Versicherungen. Allein 1972 und 1976, vor Wahlen zum Deutschen Bundestag, kamen 78,5 Millionen Mark in die Kassen der SV.

Das Haus Flick ließ es sich nicht nehmen, neben den Zuweisungen an die SV selbständig tätig zu werden. Überliefert sind aus den frühen fünfziger Jahren wg.-Zahlungen an den langjährigen CDU-Minister Gerhard Schröder sowie an die FDP-Politiker Ernst Achenbach und Hans Wolfgang Rubin.

Kein Wunder, daß die Angelegenheiten des Hauses Flick bald wieder bestens geordnet waren. Zwar drängelten die alliierten Kommissare noch eine Weile auf eine Liquidation des Flickschen Restreiches. Doch die Bundesregierung machte »gegen diese Maßnahme Bedenken geltend«, meldeten die Zeitungen.

Die Bedenken fanden Gehör. Nichts wurde liquidiert. Acht Jahre nachdem Flick aus dem Landsberger Gefängnis entlassen worden war, gratulierte Konrad Adenauer anläßlich Flicks 75. Geburtstag zum »großen und staunenswerten Lebenswerk«. Flick hatte es im Greisenalter noch einmal geschafft: Wieder war er der reichste Mann im Staate.

Es wurde für den Alten Zeit, an die Nachfolge zu denken. Flick stellte zunächst den Juristen und Mannesmann-Direktor Wolfgang Pohle als Generalbevollmächtigten ein. Pohle hatte ihn während der Nürnberger Prozesse vertreten und verfügte über erstklassige Beziehungen zur neuen deutschen Politik. Für die CDU zog der Flick-Helfer 1953 in den Bundestag ein. Später wechselte er auf Vermittlung von Franz Josef Strauß zur CSU und bekleidete, prädestiniert wie kein zweiter, bei der bayrischen Regierungspartei das Amt des Schatzmeisters.

Die zweite Neubesetzung im Hause Flick hieß Otto A. Friedrich, ein erfolgreicher Industrieführer während der NS-Zeit. Vom Flick-Sprungbrett schaffte Friedrich den Sprung auf den Präsidentenstuhl der Deutschen Arbeitgeber-Verbände.

Flicks ältester Sohn Otto-Ernst erfüllte die Hoffnungen des Vaters nicht. Der Sprößling erwarb zwar 20mal das Sportabzeichen. Aber die Bemühungen, es dem übermächtigen Vater zu zeigen, bewirkten das Gegenteil: Der Alte hielt seinen Sohn für einen Versager und klagte ihn am Ende, gegen eine Abfindung von 100 Millionen Mark, aus der Firma.

Flicks Zweitgeborener Rudolf war bereits zu Beginn des Rußland-Krieges als Soldat gefallen. Es blieb Friedrich Karl, das »Bürschchen«, wie Flick den jüngsten Sohn nannte.

Friedrich Karl hatte Betriebswirtschaft studiert und in der Bundesrepublik sowie in Amerika Erfahrungen gesammelt. Doch für Flick blieb er das Bürschchen, dem er noch in den sechziger Jahren mit über 100 000 Mark aus einer vertrackten Frauengeschichte helfen mußte.

Derartige Dinge irritierten den Alten ebenso wie die Bemühungen des Sohnes um einen akademischen Grad. Vater Friedrich hielt es für Zeitverschwendung, daß der Sohn durch eine Arbeit über den »Qualitätswettbewerb im marktwirtschaftlichen System« zum Dr. Flick promovierte.

Die Zweifel an der Qualifikation des Sohnes führten den alten Flick zu einem alten Bekannten der Familie: Eberhard von Brauchitsch hatte mit Friedrich Karl während der Berliner Kindertage in der Sandkiste gespielt und war von Vater Flick ebenso wie der eigene Sohn kurz vor dem Zusammenbruch ins bayrische Bad Tölz verfrachtet worden.

Von Brauchitsch arbeitete sich rasch ein. Doch dann kam es zum Krach mit Friedrich Karl. Der Sohn spürte die Konkurrenz. Überdies gerieten die Ehefrauen der beiden Jugendfreunde heftig aneinander. Brauchitsch wechselte 1971 in die Dienste des Verlegers Axel Springer.

Doch ein Jahr später endete das fast 90jährige Leben des Friedrich Flick. Vom Totenbett aus rief FK von Brauchitsch zurück. Axel Springer verstand die Notwendigkeit und ließ v.B. ziehen - nicht ohne ihm auch weiterhin ein stattliches Beraterhonorar zu zahlen.

Als Friedrich Karl seinen Jugendfreund 1982 endgültig feuerte, fand v. B. nochmals Aufnahme bei Springer. Der Verleger gab ihm zu seinem Beratervertrag Wohnung und Büro in Berlin. Erst als Anklage gegen von Brauchitsch erhoben wurde, löste Springer offiziell den Vertrag. v. B. kümmert sich freilich immer noch als Geschäftsführer um die private Vermögensverwaltung des Verlegers.

In den frühen siebziger Jahren arbeiteten Friedrich Karl und v. B. zunächst bestens zusammen. Nach dem Tod des Alten half v. B., die Alleinherrschaft des Sohnes abzusichern.

Dann setzte das Duo zu seinem Herkules-Werk an: Um die Steuerbefreiung für die Daimler-Milliarden durchzudrücken, mußte die traditionelle Spenden-Maschinerie des Hauses Flick auf höchste Touren gebracht werden.

Die Durchstechereien in Bonn, ob es Schmiergelder an die Politiker oder _(Anfang der Sechziger: mit Sohn Friedrich ) _(Karl, Mutter Marie, Vater Friedrich, ) _(Schwiegertochter Barbara, Sohn ) _(Otto-Ernst. )

Abendessen für Minister und Beamte waren, besorgte Eberhard von Brauchitsch. Er versprach seinem Firmenchef, er werde die »Schreihälse« aus SPD und FDP, die Flicks Jahrhundertgeschäft nicht zulassen wollten, »aus dem Wege räumen«.

Damit meinte der Flick-Vertraute die Bundestagsabgeordneten Böhme, Spöri, Funcke und Matthäus-Maier, die sich in ihren Fraktionen gegen die steuerfreie Wiederanlage des Erlöses aus dem milliardenschweren Verkauf des Flickschen Daimler-Benz-Aktienpakets sträubten.

Flick hätte sich keinen besseren Interessenvertreter als den gelernten Advokaten Eberhard von Brauchitsch wünschen können.

Brauchitsch, Abkömmling einer schlesischen Adelsfamilie und Neffe von Hitlers Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch, verfügt über alle Attribute, die schlichteren Volksvertretern Ehrfurcht einflößen.

Mit fast zwei Meter Größe und zwei Zentner Gewicht rückte sich Eberhard von Brauchitsch schon in bleibende Erinnerung. Sein erdrückendes Selbstbewußtsein und sein locker-lässiger Umgangston vermittelten den Politikern leicht den Eindruck, daß so wohl der Mann von Welt beschaffen sei.

Kernige Reden über Pflichtbewußtsein und anständige Gesinnung, über Leistung und den Segen der Marktwirtschaft brachten dem persönlich haftenden geschäftsführenden Gesellschafter des Milliardärs Flick die uneingeschränkten Sympathien der Konservativen ein.

Doch in den siebziger Jahren regierten die Sozialliberalen. So umfaßte die »Pflege der Bonner Landschaft«, wie v. B. seine Tätigkeit umschrieb, auch Freie Demokraten und Sozialdemokraten.

Geld spielte keine Rolle. Die schwarze Kasse quoll über von jenen Millionen, die von Brauchitsch über die katholische Steyler Mission dem Staat direkt abgeluchst hatte. Doch es fehlte dem Konzernchef und seinen Helfern auch nicht an herkömmlich verdientem Geld.

Aus internen Papieren geht hervor, daß die Flick-Firmen nach Abzug aller Investitionen im Schnitt jährlich 70 Millionen Mark bei der Düsseldorfer Dachgesellschaft abliefern mußten.

Flick selbst bediente sich auf eine seltsame Art, die ihm jetzt noch ein Steuerverfahren in eigener Sache eintrug. Ein Devisengeschäft über 105 Millionen Dollar, das zum Ankauf der Grace-Aktien gedacht war, lief zunächst auf die Firma. Doch als der Dollarkurs sich günstiger entwickelte als geplant, ließ Flick das Groß-Geschäft auf sein Privatkonto umbuchen. Die Steuerfahnder haben den Konzernchef inzwischen gebeten, den Gewinn über gut 21 Millionen Mark noch zu versteuern.

Von all den Millionen, so müssen es wohl Flick und von Brauchitsch gesehen haben, blieb etwas übrig für den guten Zweck.

Brauchitsch fand nie etwas dabei, »private Mittel für gesellschaftspolitische Zwecke einzusetzen«. Denn »ein Konzern« wie Flick, beschreibt Ex-Flick-Manager Manfred Nemitz die Philosophie des Unternehmens, »lebt nicht im luftleeren Raum«. Er ist »staatlichen Einflüssen und Tendenzen ausgesetzt, die man entweder für gut befindet oder denen man entgegenzusteuern sucht«.

Brauchitsch bekannte auch freimütig, daß während der sozialliberalen Regierungszeit vor allem rechte Flügelmänner der FDP wie Friderichs, Lambsdorff und Möllemann besonders gefördert wurden. Die nämlich sollten die unternehmerfeindlichen Kreise in der SPD »eindämmen«.

Doch auch Genossen profitierten von den Segnungen des Hauses Flick, wenn es galt, mit Geldzahlungen den Einfluß der Linken in der SPD zu neutralisieren (siehe Seite 34) oder durch gezielte Spendenzahlungen innerparteiliche Flügelkämpfe zu beeinflussen.

Was da geschah durch das Haus Flick, wie da von einem Konzern Dutzende von Politikern ausgehalten wurden - das ist heute, da alles rauskommt, den Manager- und Unternehmer-Kollegen des FKF und des v. B. überaus peinlich. So, beteuern sie, gehe es zwischen Wirtschaft und Politik denn doch nicht überall in der Bundesrepublik zu. Und damit haben sie gewiß nicht unrecht.

Allenthalben macht sich derweil die Erkenntnis breit, daß die Person Friedrich Karl Flick nicht gerade das Bild des deutschen Unternehmers in der Öffentlichkeit verschönern hilft. Bei der Deutschen Bank stellten besorgte Herren schon Überlegungen an, wie Flick zu bewegen sei, seinen gesamten Industriebesitz zu verkaufen.

Doch auch da s würde nicht verhindern, daß bei der Sichtung der Flick-Akten noch vieles bloßgelegt wird; daß »die Verschwisterung von großem Geld und Parlamentspolitik« (Otto Schily von den Grünen) für einige Zeit die Bundesrepublik beschäftigen wird.

Wie sehr die Flick-Leute von ihrer quasi überstaatlichen Rolle überzeugt waren, belegt ein Satz aus dem Spätherbst 1982. Nachdem die Steuerfahnder die Zentrale des Konzerns gefilzt hatten, sagte ein Flick-Mitarbeiter: »Wir dachten, es ist ein Putsch.«

Tatsächlich bezahlte Flick ja nicht nur 1,7 Millionen Mark »Sozialhilfe« für Rainer Barzel. Hunderte von Privatleuten, Vereinen, Stiftungen und Verbänden bekamen Geld, das »Heimatverdrängte Landvolk« ebenso wie der »Wirtschaftsbeirat der Union« oder der »Förderverein für die Freiheit des Geisteslebens«.

Offiziell stattete der Flick-Konzern seine Tochterunternehmen mit Listen aus ("Betr.: Gewährung von Spenden an Fremde"), in denen Organisationen aufgeführt waren, an die »steuerlich abzugsfähig« gespendet werden konnte.

Unter der laufenden Nummer 28 steht der »Verein gegen das Bestechungsunwesen e. V., Bonn«.

Er hat von Flick nichts bekommen. _(Bayerns Ministerpräsident Alfons Goppel ) _(verleiht ihm 1976 den Bayrischen ) _(Verdienstorden. )

Vor einem Portrait des Firmengründers Friedrich Flick.Mit Zahn-Ehefrau Annemarie.Links; daneben Otto Steinbrinck und Konrad Kaletsch.Anfang der Sechziger: mit Sohn Friedrich Karl, Mutter Marie, VaterFriedrich, Schwiegertochter Barbara, Sohn Otto-Ernst.Bayerns Ministerpräsident Alfons Goppel verleiht ihm 1976 denBayrischen Verdienstorden.

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