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SELLAFIELD Fliegender Atommüll

aus DER SPIEGEL 15/1998

Radioaktiver Müll der besonderen Art wird in dieser Woche in den Labors der Universität Bremen untersucht: tiefgefrorene Tauben. Die Kadaver der Tiere stammen aus der Umgebung der britischen Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Sellafield. Im Auftrag von Greenpeace soll der Kernphysiker Gerald Kirchner Messungen des Sellafield-Betreibers British Nuclear Fuels (BNFL) überprüfen.

Nahe Sellafield waren kürzlich 150 Tauben getötet worden; einige von ihnen wurden von der BNFL untersucht. Alarmierender Befund: Die Vögel waren so stark mit Cäsium-137 und anderen Radioisotopen verseucht, daß sie als Atommüll entsorgt werden müssen.

Das Londoner Agrarministerium warnte inzwischen die Bevölkerung im Umkreis von 16 Kilometern um die Plutoniumfabrik vor jedem Kontakt mit Tauben oder gar deren Verzehr. Nach dem Genuß von sechs Taubenbrüstchen wäre die zulässige jährliche Strahlendosis erreicht, errechneten die Experten des Ministeriums. Das Federkleid der Tauben strahlt nach BNFL-Angaben mit bis zu 1,4 Millisievert pro Stunde. Zum Vergleich: Die umkämpften Castor-Behälter dürfen an ihrer Außenhaut maximal 2,0 Millisievert pro Stunde abgeben.

Strahlenalarm auch auf den Dächern von Sellafield: Der Taubendreck auf der WAA muß nun mit Hochdruckreinigern entfernt werden. Nahe der WAA im schottischen Dounreay soll überprüft werden, ob auch andere Tiere - wie etwa Kaninchen - als mobiler Atommüll eingestuft werden müssen.

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