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Briefe

FLIEGERALARM
aus DER SPIEGEL 10/1966

FLIEGERALARM

Ihre Ausgabe mit dem Starfighter -Report war einfach nicht rechtzeitig zu beschaffen. Die ausgezeichnet redigierte und sachlich fundierte Titelgeschichte hat anscheinend das Interesse der gesamten deutschen Dienststelle in Istres* gefunden, denn weit und breit in der Umgebung von Istres war keine SPIEGEL-Nummer mehr aufzutreiben. So haben wir uns schließlich ein Exemplar ausgeliehen (mein Mann ist auch eifriger SPIEGEL-Leser).

Sausset-les-Pins (Frankreich) I. SCHILLER

Die gleiche innere Verfassung, wie wir sie schon im kaiserlichen Heer und in der hitlerschen Wehrmacht kennengelernt haben, dominiert auch heute noch in der Bundeswehr. Diese ganz bestimmte, vor allem den Deutschen eigene Mentalität trägt einen großen Teil Schuld an der Absturzserie der Starfighter. Gemeint sind Kadavergehorsam und Mangel an Zivilcourage auf der einen und Fehlen von jeglichem Verantwortungsgefühl gegenüber den Untergebenen auf der anderen Seite. Die Chargen fühlen sich nur ihren Vorgesetzten und dem ihnen gegebenen Befehl - sei er noch so widersinnig - verpflichtet; eine menschliche Verantwortung gegenüber ihren Untergebenen kannten sie nie und kennen sie auch heute nicht. Ein klassisches Beispiel dafür war das sinnlose Blutopfer der deutschen Stalingradarmee. Ein Beispiel aus unseren Tagen ist das verantwortungslose Menschen- und Materialopfer in der Starfighter-Tragödie.

Berlin RUDOLF HALLBAUER

In den Vorlesungen unseres Professors für Luftfahrzeugbau wird immer auf zwei Grundprinzipien des modernen Flugzeugbaus hingewiesen, nämlich erstens auf die Gewichtersparnis und zweitens auf den Gedanken des »Entfeinerns«, das heißt, daß die Konstruktion in jeder Hinsicht so einfach und übersichtlich wie möglich gestaltet werden soll. Letzteres trifft zum Beispiel besonders auf die Instrumentierung zu. Ihre Ausführungen legen aber ausführlich dar, daß gegen diese Grundprinzipien großzügigst verstoßen wurde.

Ich darf Sie noch auf einen Umstand aufmerksam machen, der sich bei der belgischen Luftwaffe zugetragen hat. Als dort die ersten Starfighter eingeführt werden sollten, drohten belgische Luftwaffengeneräle einen Streik an. Interessant wäre noch, festzustellen, warum die italienische Luftwaffe, die ja den gleichen Flugzeugtyp (F 104 G) fliegt, nicht mit der Bundesluftwaffen -Unfallquote konkurrieren kann.

Ihren Artikel werde ich mir zu meinen Lehrbüchern über Flugzeugbau stecken, um immerhin eins zu lernen: wie man es nicht machen soll.

Berlin H. ERNST

Bei der Lektüre Ihrer bewundernswert informativen Starfighter-Story packte mich das Grauen. Wertvolle junge Menschenleben wurden leichtsinnig vernichtet, Millionen Steuergelder vergeudet, aber die dafür Verantwortlichen - Sie haben sie deutlich herausgestellt - tummeln sich unbeschwert und unbehelligt im engen Vaterland. Es ist wahrlich ein Jammer!

Helmstadt (Bayern) HEINRICH MERINSKY

Sie veröffentlichten eine Leserzuschrift von Herrn G. Schneider aus Eckernförde: »In der Schweiz ging ein Minister, weil er Jagdflugzeuge (aus Frankreich) zu teuer eingekauft hat.« Herr Schneider irrt sich. Der Minister (Bundesrat P. Chaudet) ist nicht gegangen. Er »wurde auch nicht gegangen«.

Zürich NIKOLAUS STIEGEL

Mir scheint, die deutsche Presse würdigt nicht die Starfighter-Abstürze, denn sind sie nicht der einzige deutsche Beitrag zur Abrüstung?

Kaiserslautern UDO J. GEDIG

Ich bin erstaunt, daß Sie von meiner beim Landgericht Bonn gestellten Strafanzeige gegen Strauß wegen der Starfighter-Affäre keine Kenntnis genommen haben. Wie sehr die Strafanzeige der Auffassung unserer Bevölkerung entspricht, geht eindrucksvoll aus den Leserbriefen im SPIEGEL hervor. Vielleicht können Sie sich nun entschließen, meine Strafanzeige wenigstens als Leserbrief zu veröffentlichen:

»Im Namen des Bundesvorstandes meiner Partei erstatte ich Anzeige gegen Dr. h. c. Franz Josef Strauß, ehemaliger Verteidigungsminister, München, Lazarettstraße 33, und andere festzustellende Beteiligte wegen

- Verdacht der fahrlässigen Tötung

(Paragraph 222 StGB),

- Verdacht der Pflichtverletzung eines Vorgesetzten (Paragraph 357 StGB),

- Untreue (Paragraph 266 StGB).

Nach den in der Wochenschrift DER SPIEGEL vom 24. Januar 1966 der Öffentlichkeit mitgeteilten Tatsachen haben sich die genannten Personen dieser Delikte schuldig gemacht ...«

Osterath (Nordrh.-Westf.) JOSEF WEBER*

* Französischer Flugplatz mit Bundeswehr -Dienststellen. * Vorsitzender des »Bundes der Deutschen« und ehemaliger Oberst im Generalstab.

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