DER SPIEGEL

Flüchtlinge an der griechischen Grenze Zwischen Stacheldraht

Griechenlands maximale Abschreckung zeigt Wirkung. Mehr als zehntausend Migranten sitzen auf türkischer Seite der Grenze fest. Und in der Ägäis wird die Situation immer chaotischer.

ie richten sich ein, so gut es eben geht.

Tausende Flüchtlinge und Migranten harren im türkischen Grenzgebiet nahe der Stadt Erdine aus. Ihr Ziel: Griechenland. Doch es gibt kein Durchkommen.

Am Freitag hatte Staatspräsident Erdogan verkündet, die Grenze zur EU sei offen, Tausende machten sich auf den Weg oder wurden in Bussen gebracht - und stecken nun fest.

Mohammed, Geflüchteter aus Gaza

"Wir haben die Hoffnung verloren. Wir haben gehofft, es nach Europa zu schaffen, ein Leben zu haben, ein Leben in Würde. Aber es waren alles Lügen. Sie haben uns erzählt, die Grenze sei offen, aber das ist sie nicht."

Adel Dalaty, Geflüchteter aus Syrien

"Wir sind hierhergekommen, um nach Europa zu gelangen. Das Leben in Europa ist besser, viel besser als hier. Aber wir haben gemerkt, dass wir nicht hinüberkommen. Die türkischen Soldaten lassen uns durch, aber die Griechen sind sehr streng, sie schießen auf uns."

Tatsächlich ist die Grenze bei Edirne schwer gesichert und bewacht. Griechenland reagiert mit Härte, mit maximaler Abschreckung auf Erdogans Grenzöffnung. Das gilt an der Landgrenze ebenso wie auf dem Ägäischen Meer. (Karte?)

Eine türkische Nachrichtenagentur verbreitet diese Aufnahmen aus den Gewässern vor Lesbos: Ein Schlauchboot mit Geflüchteten trifft auf zwei Schiffe der griechischen Küstenwache. Zu sehen ist offenbar, wie ein griechischer Beamter Warnschüsse ins Wasser wenige Meter vor dem Schlauchboot der Migranten abgibt. Die Sicherheitskräfte halten die Migranten auch mit einem Stock oder ähnlichem auf Abstand, zudem fährt das Boot der Küstenwache dicht an dem kleinen Schlauchboot vorbei - ein gefährliches Manöver.

Ausnahmezustand auch an Land, auf Lesbos. Dort lieferten sich rund 300 Insassen des völlig überfüllten Lagers Moria Auseinandersetzungen mit der Polizei. Moria wurde für 3000 Menschen gebaut, derzeit leben dort 19.000 Personen - unter unmenschlichen Bedingungen.

Amir Al-Salah, Geflüchteter aus Afghanistan

"Wir brauchen einen Arzt. Wir haben keinen Arzt in Moria, das ist ein Problem. Wir brauchen Nahrung, Wasser, einen Arzt. Die Babys frieren. Moria ist sehr gefährlich, wir leben in einem gefährlichen Dschungel."

Auf griechischen Inseln in der Ägäis sind derzeit rund 40-tausende Geflüchtete untergebracht, die Behörden sind überfordert. Auf Lesbos gab es in den vergangenen Tagen Proteste gegen Neuankömmlinge aus der Türkei sowie tätliche Angriffe gegen Mitarbeiter von NGOs und Journalisten.

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